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Kundenrezension

am 13. Oktober 2013
Der Geisteswissenschaftler Bernd Neumann (1957) verdient seinen Lebensunterhalt als Fachjournalist für Medizin. Man darf von einem solchen Menschen nicht erwarten, dass er sich als Revoluzzer und Verschwörungstheoretiker den Boden abgräbt, auf welchem er eben auch auf gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Protagonisten des Medizinbetriebs angewiesen ist.

Entsprechend behandelt das Buch praktisch ausschließlich Themen, über die man in den vergangenen Jahren sogar in den selbstzensierenden Leitmedien immer wieder einiges lesen oder sehen konnte. Ältere unter uns werden sich erinnern, dass DER SPIEGEL schon vor vielen Jahren in einer groß aufgemachten Titelgeschichte über die geschätzten mehr als 30.000 Designer-Krankheiten hergezogen ist, mit denen die Pharma-Industrie systematisch daran arbeitet, auch aus dem letzten gesunden Menschen einen chronisch Kranken zu definieren, der natürlich spätestens, wenn die ersten Medikamente geschluckt sind, auch wirklich krank ist.

Nach den Pharma-Opfern widmet sich das Buch mit dem originellen Zigaretten-Warnaufkleber dem wirtschaftlich motivierten Operations-Boom. Darüber hat man in letzter Zeit sehr kritische TV-Berichte sehen können. Am wenigsten breitgetreten wurde bisher die Screening-Problematik, vielleicht, weil auch Journalisten natürlich in übelster Weise darauf hereingefallen sind und nun in gesichtswahrender Weise Aufklärung verweigern. Sinnwidrige "Früherkennungs"-Untersuchungen führen natürlich wegen der teilweisen Verweigerung der Krankenkassen, für gefährlichen Unfug zu zahlen, unmittelbar zu den IGeL. Die wiederum zu den wirtschaftlichen Gründen, warum die Ärzte so gerne unsinnige bis schädliche, oft aber auch gefährliche Medikamente und Behandlungen verordnen - aber auch, warum psychotische Patienten Ärzte oft geradezu nötigen, das Falsche zu tun. Das letzte Thema schließlich prangert die Hauptursache von "iatrogenen" [2] Todesfällen an, den geradezu verbrecherisch fahrlässigen Umgang vieler Ärzte mit Hygiene und die "massenmordenden" Geschäftspraktiken geldgieriger Tierärzte.

Den Abschluss bilden die "zehn wichtigsten Tipps", wie man trotz Arzt gesund und am Leben bleiben kann.

Wie schon eingangs angedeutet, hätte man sich an vielen Stellen mehr Härte und Tiefe gewünscht. So findet sich beim Thema SSRI [3] kein Wort zu den erschütternden Zusammenhängen mit extrem hohen Selbstmordraten [5] oder gar der brisanten Feststellung, dass 120 Amokläufer der letzten Jahre unter entsprechender Medikation gestanden haben. Auch wäre keineswegs unsachlich gewesen, darauf hinzuweisen, dass die deutsche Arzneimittelkommission diesen Medikamenten Unwirksamkeit bescheinigt hat, was die erstrebte antidepressive Wirkung betrifft. Da waren jüngere Fernsehberichte doch sehr viel mutiger als Bernd Neumann, der ja wohl auch über diese Informationen verfügen dürfte.

Auch politisch lädt die Ärzteschaft seit Jahren große Schuld auf sich, indem sie vor bekannt schädlichen und unter unabhängigen Fachleuten unumstrittenen Einflüssen - ich nenne mal die Weichmacher, den Zucker, die Jodierung und Fluoridierung - nicht energisch öffentlich warnt. Zahnärzte kriechen ja sogar, wie man vor Jahren bei Bruker nachlesen konnte, mit der Zuckerindustrie unter die Schmusedecke und tragen mehr zur Entsorgung hochgiftiger Fluor-Industrieabfälle bei als man sich vorstellen kann.

Was hätten Zahnärzte schon noch groß zu tun ohne Limonaden, Speiseeis und Müsliriegel?

Ich will das nicht ausweiten, diese Beispiele sollen genügen, um die etwas zu konformistische Grundeinstellung des Autors zu verdeutlichen. Wer in diesen Themen gewohnt ist, sich - z.B. im Web - selbst die (nicht immer leicht zu findenden) warnenden Stimmen zu suchen, bevor er in die Reuse eines Arztes schwimmt, muss dieses Buch nicht unbedingt lesen.

Es sei denn, man muss sich zu der Masse der Medizin- und Ärzte-gläubigen zählen, die immer noch gerne alles wegwischen, was nicht den Eindruck macht, man könne - wie in einer Auto-Werkstatt - einfach den Preis zahlen und hinterher ist alles, was nicht mehr richtig funktioniert hat, wie neu.

Ich habe selbst in meinem (gebildeten!) Bekannten- und Freundeskreis jede Menge Beispiele für solche Irregeleiteten, die beispielsweise tatsächlich bei viralen Atemwegsinfektionen ihre Ärzte zur Verschreibung von Antibiotika geradezu nötigen. Womit sie nicht nur ihre eigenen Krankheiten "optimal" eskalieren, sondern auch in der Masse dazu beitragen, dass immer mehr Menschen in Krankenhäusern an resistenten Keimen sterben müssen.

Für diese verblüffend uninformierten Problemfälle - in Fall meiner Bekannten handelt es sich fast ausschließlich um Lehrer - dürfte das sehr ausgewogen geschriebene und sorgfältig mit Material untermauerte Buch [4] die bestdenkbare Chance darstellen, geistig zu gesunden. Denn nur, wer es schafft, an gesundheitliche Probleme ebenso nüchtern und sachbezogen heranzugehen wie an die Anschaffung eines neuen Heizkessels, wird früher oder später die seltenen, aber ohne Zweifel existierenden Exemplare von Ärzten finden, denen das Wohl der Patienten immer noch ein Stück wichtiger ist als die Frage, wessen Monats-Einkommen die 20.000,- Euro - Schwelle als erstes überschreitet.

Eine letzte Anregung an den Verlag: Vielleicht kann man ja in der nächsten Auflage auch noch ein wenig Übersetzungsarbeit leisten - nicht jeder Leser ist selbst Mediziner oder hat ein altsprachliches Gymnasium besucht.

Und an Sie, lieber Herr Neumann: Wenn Sie sich aufraffen, künftig etwas streitbarer für die Sache einzutreten, nennen Sie doch auch die erwähnten derzeit 10(!!!) Ärzte, welche die RpDoc-Software zur Vermeidung von Fehl-Medikationen in lobenswerter Weise einsetzen, beim Namen! Zu den Tausenden, die das nicht tun, muss man ja nun wirklich nicht in die Sprechstunde rennen.

print-jury 3* A1175 © 13.10.2013 ABR 18.329 Rezensionsexemplar

[1] Heinrich von Kleist (1777-1811)
[2] iatrogen - von Ärzten verursacht
[3] Eine extrem oft gegen "Depressionen" verordnete Wirkstoffgruppe (bspw.: "Prozac")
[4] Rund 40 Seiten Anhang mit Referenzen und Literatur locken zum Weiterbilden
[5] In einem TV-Bericht wurde eine Angehörige eines Selbstmordopfers gezeigt, der es gelungen ist, gerichtlich den Pfizer-Konzern zur Herausgabe aller Akten von deutschen Patienten zu zwingen, die Selbstmord begangen hatten. Es handelte sich - alleine bei Pfizer, einem der drei großen Profiteure des Antidepressions-Hypes, und alleine in Deutschland! - um mehr als 10.000 Opfer.
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4,1 von 5 Sternen
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