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Kundenrezension

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Hohle Geschichte, 20. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Gleis 4: Roman (Kindle Edition)
Ein Buch mit hochinteressantem Plot über Verding-Kinder; wer mal etwas mehr gehört oder gelesen hat über dieses linkische Kapitel der jüngeren schweizerischen Geschichte, der ahnt, wieviel Drama in diesem Kapitel steckt – einem Kapitel, bei dem unter Schweizern ebenso weitgehender Konsens herrscht wie bei allen anderen Völkern, was deren jeweilige dunkle Kapitel betrifft: nämlich fehlende Einsicht, keinerlei Schuldbewußtsein, Ignoranz.

Den Autor Hohler kannte ich nicht; zweimal hatte der in letzter Zeit einen Auftritt im Deutschlandfunk, einmal im Interview, u.a. zum Tod von Urs Widmer, das andere Mal wurde „Gleis 4“ besprochen – nicht direkt als Empfehlung, aber doch so, wie Fachredakteure Literatur besprechen, nämlich auf eine Art, die Buch und Autor ernst nimmt. Da auch der Deutschlandfunk für mich ein ernstzunehmender Sender ist, nahm ich meinen Eindruck als Kaufempfehlung. Nachdem ich nun „Gleis 4“ gelesen habe, bin ich schlauer: das Buch ist keineswegs Literatur, nichtmal schlicht ein gutes, sagen wir unterhaltsames Buch, denn auch was bloß unterhalten soll, muss deshalb nicht meine Intelligenz beleidigen. Und was den Deutschlandfunk betrifft…, man muss sich halt klar machen, dass sich heutzutage ein endloser Strom an Büchern zu dem aufstaut, was man so einfach mal einen Markt nennt, und der will bedient werden, eben auch von Radiosendern. Büchersendungen, egal wer sie macht, sind daher mit Vorsicht zu genießen und als Kriterium, Unbekanntes zu bewerten, z.B. in Hinblick auf einen Kauf, völlig ungeeignet. Diese Erfahrung habe ich nun schon zigmal machen müssen, und es ist nicht ganz einfach, hier aus seinen Erfahrungen zu lernen.

Was macht Hohler aus diesem hochinteressanten Verding-Plot? Eine Emil-und-die-Detektive-Geschichte. Inklusive Hokuspokus mit einer mit Nadeln bestückten Voodoo-Puppe. Drei Frauen machen sich auf, die Identität eines Toten zu entschlüsseln, von dem gegen Ende der Geschichte bekannt wird, dass er ein Verding-Kind war. Bis ganz kurz vor Ende des Buches geht es allein ums detektivische Aufdecken der Identität, die lediglich als „MacGuffin“ (gute Begriffserklärung auf Wikipedia) herhalten muss und damit thematisch von Hohler ebenso läppisch behandelt wird wie das Verding-Kapitel von der Ignoranz seiner Landsleute.

Im DLF war zu erfahren, Hohler sei oder verstehe sich oder habe begonnen (weiß ich nicht mehr so genau) als Kabarettist; keine Ahnung, als was er sich in der Hauptsache versteht, wohl kaum als Schriftsteller – denn dieses Buch liest sich nicht ohne Grund wie nebenbei, eben deshalb, weil es ganz offensichtlich von jemandem geschrieben worden ist, der ansonsten Wichtigeres zu tun hatte. Tatsächlich sprach Hohler im DLF-Interview darüber, dass es schon sehr früh sein Lebensziel gewesen sei, von seinen kreativen Hervorbringungen leben zu können, und dass es ihm darüberhinaus sehr wichtig sei, auch das Publikum dazu zu bringen, die eigene Phantasie zu kultivieren. Hört hört.

Was Hohlers Lebensziel betrifft, nämlich von geistigem Müll leben zu können, ist ein Blick auf seinen sprachlichen Ausdruck, die sprachliche Reflektiertheit, aufschlussreich. Die Dialoge etwa. Die Frauen reden miteinander, als würden sie unter der Trockenhaube beim Friseur sitzen und hätten ständig Zeit zu überbrücken, immer wieder auch mit Einschüben französischer Sätze, zwischendurch mit dem Hinweis, „mein Französisch ist leider nicht so gut“ – „O, we can talk english if you want“. Oder so ähnlich.
Telenovela. Eben genau so, wie Hohler sich Gespräche unter Frauen vorstellt oder wie er das in Vorabendserien beobachtet hat.

Oder einfach mal so eine Wendung wie „scheint unwahrscheinlich“. Generell nichts verkehrt damit, jeder benutzt diese Wendung, was soll man sich groß einen Kopf machen im Alltag. Aber wenn ich als Autor ein Buch schreibe und mir Zeit dafür nehme (ein Buch schreibt sich ja nicht von jetzt auf gleich), kurz, wenn ich eben dies reflektiere und damit schon einen gewissen Anspruch an mich selbst definiere, da könnte mir ja auffallen, dass die Wendung „scheint unwahrscheinlich“ nicht ganz glücklich, nämlich redundant ist, und dass jetzt Gelegenheit wäre, die Alltagssprache für den Moment zu verlassen und mir mal etwas Neues dafür zu überlegen, was ich mit dieser Wendung sagen will. Fehlanzeige bei Hohler. Wie gesagt, ist nur ein Beispiel für den Gesamteindruck einer hingeleierten Sprache Hohlers – allein tauglich, um, husch husch, fertig zu werden und wieder eine neue Einnahmequelle für die eigene Lebenshaltung geschaffen zu haben.

Weiter unten hier auf dieser Kommentar-Seite schreibt jemand Hohlers Geschichte das „Niveau eines Groschenromanes“ zu, ganz treffend, wie ich finde. Groschenmäßig auch die Verwendung eines Showdowns im Krankenzimmer, wo sich dann (Vorabendserie) alle handelnden Figuren einfinden, inklusive der böse Bube der Geschichte – der übrigens so platt gezeichnet ist, dass er immer wieder nur sporadisch auftaucht und nur böse und sonst nichts ist, gar so böse, dass er besagte Voodoo-Puppe benutzt. Und – groschenmäßig konsequent: nachdem dieser Voodoo-Puppe die Nadeln entfernt werden, ruft das mutmaßliche Voodoo-Opfer in derselben Sekunde aus, dass die Kopfschmerzen verschwunden sind! Keinerlei Verwunderung über Voodoo im allgemeinen (oder Schweizer-Voodoo im besonderen), nein: die Kopfschmerzen sind weg, und jeder im Krankenzimmer ist erleichtert! Wer soll denn da, bitteschön, noch Fragen stellen, funktioniert doch alles, kennt man doch von Voodoo: der Puppe werden die Nadeln gezogen und die Kopfschmerzen verschwinden! Absolut plausibel!

Den besagten bösen Buben der Geschichte kann man symbolisch als den ignoranten Eidgenossen schlechthin verstehen, der sich keines schlimmen Vergehens bewusst ist, des Vergehens, früher, in einer Zeit, die nun mal so war wie sie war, Kinder, bloß weil sie etwa unehelich geboren wurden, qua staatlicher Erlaubnis mißhandelt, ausgebeutet, verachtet zu haben. Wenn Hohler mutmaßlich ein guter Kabarettist, also zur Reflexion fähig wäre, dann wäre eben dieser „böse Bube“ nicht die Neben-, sondern die Hauptfigur in seiner Verding-Geschichte gewesen. Aber wie oben erwähnt, Hohler hat ein grundsätzliches Problem, das Wesentliche vom Nebenbei zu unterscheiden, wobei er natürlich auch nicht im Nebenbei, dem sprachlichen Ausdruck nämlich, das Läppische zu identifizieren weiß. Und so einer kommt hier mit einer Detektiv-Geschichte, ausgerechnet.

Was habe ich für dieses Buch bezahlt, 18 Euro nochwas? Mit 18 Euro nochwas also dazu beigetragen, dass sich so eine Autoren-Null wie Franz Hohler sein Leben finanziert? Na ja, herzlichen Glückwunsch, lieber Franz.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.01.2015 12:48:52 GMT+01:00
Danke für die Rezension! Das ist Idealismus - wenn man sich die Zeit nimmt, für so ein lausiges Buch noch so einen langen Verriss zu schreiben...
Stimme dem Autor in allen Punkten zu, besonders diese krause und für die "Story" völlig überflüssige Voodoo-Nummer ist eine Frechheit - leider eben nicht die einzige.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2015 04:52:50 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 25.02.2016 11:50:50 GMT+01:00]
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