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Kundenrezension

am 16. Juni 2004
Es gibt wohl keinen Film, der in letzter Zeit so heiß diskutiert wurde wie Mel Gibsons „Die Passion Christi". Leider hat man vor allem in Deutschland bei all der „Berichterstattung" über diesen Film vor allem eines vergessen, nämlich den Film selbst aus sich heraus zu beurteilen. In der medialen Berichterstattung wurden bewusst normaler Weise klar zu trennende journalistische Formen wie Bericht und Kommentar/Kritik vermischt, um den Film nahezu einhellig als „Gewaltorgie mit antisemitischen Tendenzen" zu verurteilen. Offenbar kann ein Film mit oder über ein religiöses Thema nicht unvoreingenommen und unpolitisch beurteilt werden. Ein religiös motivierter und inspirierter Künstler erscheint vielen sogar als unangenehm und undurchsichtig. Wie gerne hat man aus Gibson den verblendeten, radikalen, fundamentalistischen Erzkatholiken gemacht.
Eine tatsächliche, inhaltliche Auseinandersetzung mit seinem Film, den filmischen Mitteln, dem Erzählstil usw. fand jedoch nicht statt.
Diese hätte nämlich eindeutig gezeigt, dass Gibson mit „Der Passion Christi" ein absolutes Meisterwerk gelungen ist, welches den Zuschauer intellektuell und emotional herausfordert und das unabhängig von konfessionellen Prägungen. Gibson hat seine sehr persönliche Interpretation der letzten 12 Stunden im Leben Christi abgeliefert. Solche Interpretationen sind Künstlern zu allen Zeiten sowohl in der Kunst, als auch in der Bildhauerei und Musik zugestanden worden. Gibson wählte für seine Interpretation die Kunstform, die ihm am nächsten liegt, und die er - wie wir spätestens seit Braveheart wissen - mit Bravour beherrscht, nämlich das Kino. In jeder Filmminute, in jeder Einstellung ist Gibsons immense Leidenschaft für das Projekt fühlbar. Sein Film hat eine nahezu unübertreffliche, überwältigende visuelle Kraft, die heutzutage nur selten im Kino erreicht wird. Gibsons Bildersprache ist so exzellent, dass der Film auch ohne Dialoge oder Untertitel verständlich wäre. Die dennoch vorhandenen untertitelten Dialoge in Lateinisch und Aramäisch geben dem Film zusätzliche Authentizität. Der Zuschauer kann den Text nicht einfach nur als Floskeln, als literarische Kunstform abtun, sondern er erlebt sie intensiver und lebendiger als je zuvor.
In der öffentlichen Diskussion spielte vor allem die Darstellung von Gewalt in den Film eine große Rolle. Nur allzu gerne griff man in den Medien zu brachialen Superlativen, um die Gewalt zu beschreiben. Man verwendete also Bigotterweise selbst verbale Gewalt.
Unbestreitbar ist, dass Gibson die Passion, also die Hingabe Christi, so realistisch und plastisch wie möglich zeigen wollte. In Zeiten, in denen für viele Menschen ein Kreuz nur noch zu einem netten Modeschmuck ohne Bedeutung verkommen ist und viele die Kreuzigung nur noch als verklärtes Ritual mit Märchencharakter begreifen, erscheint Gibsons Interpretationsansatz durchaus mehr als sinnvoll und nachvollziehbar. Die Kreuzigung ist eine der grausamsten und brutalsten Hinrichtungsmethoden gewesen. Gibson zeigt dies in ehrlichen, realistischen und gerade deshalb oft nur schwer zu ertragenden Bildern. Man möchte immer wieder wegsehen und aufschreien und dennoch gehen die Folterungen weiter.
So quälend das zum einen für den Zuschauer ist, so hilfreich und ehrlich ist es auch, um Gewalt als das zu begreifen, was sie ist. Zu keinem Zeitpunkt verwendet Gibson Gewalt zum Selbstzweck oder gar zur Befriedigung voyeuristischer Triebe. Im Gegenteil, die schonungslosen Bilder klagen Schaulust ebenso an, wie sie die wahre Natur des Menschen offen legen. Wir sind nun mal als Menschen gleichzeitig sowohl zu größter Güte, als auch zu unbeschreiblicher Grausamkeit fähig. Vom göttlichen Funken in uns und von den Lehren Christi angetrieben, sollte es unsere Aufgabe sein, nicht nur Gut und Böse als solches zu erkennen, sondern sich eben auch entschlossen für das Gute zu entscheiden.
Effektvoll schneidet Gibson die Kernaussagen der Botschaft Christi wie etwa seinen Appell an Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit in Rückblenden immer wieder zwischen die unaussprechlichen Leiden Christi. Die so erreichte Wirkung ist viel größer, als dies etwa mit einer wörtlichen, bloßen Abfilmung z.B. der Bergpredigt möglich gewesen wäre. Auch das rechtfertigt Gibsons Stil und widerlegt all jene, die ihm die Vernachlässigung der Botschaft Christi vorwarfen.
Durch seine effektvollen und exakt platzierten Rückblenden auf das letzte Abendmahl bringt uns Gibson die selbst bei praktizierenden Christen oft zum bloßen Ritual verkommene wahre Bedeutung der Messfeier, der Wandlung in Fleisch und Blut nahe.
Bei Gibson kommt also nichts zu kurz, sondern es wird vieles klarer und eindringlicher.
Klarer hätte allen Kritikern auch werden sollen, dass „Passion" alles andere als „antisemitisch" ist. Leider verklärte der Willen, den Film eben genau in diese Richtung deuten zu wollen, den ehrlichen Blick auf das, was im Film tatsächlich gezeigt wird und vor allem wie Gibson es zeigt. In anderen Worten: Nur wenn man wirklich krampfhaft Antisemitismus vorwerfen will, kann man vielleicht Entsprechendes finden. Man ist dann aber angreifbarer, als es der Film selbst je sein könnte. Gibson greift - wie das NT selbst - nicht die Juden pauschal an, sondern angeprangert werden die Machtbesessenheit, der rücksichtslose Willen zum Machterhalt der damals mächtigen Pharisäer, die Manipulationsfähigkeit der Massen und unser aller Faszination für das Böse und Gewalt.
Aus Gibsons Film geht eindeutig hervor, dass die machtbesessenen Pharisäer, die die Hinrichtung Jesu betrieben, sich eben nicht durch ihren Glauben charakterisierten oder dadurch dass sie (zufällig) Juden waren, sondern durch ihre rücksichtslose Abkehr von eben den Glaubenswerten, die auch dem Judentum zu Eigen sind.
In der Szene z. B., als sich der Jude Jesus zu den Anschuldigungen der Pharisäer äußern soll, lässt Gibson auch jene unter den anwesenden Pharisäern zu Wort kommen, die gegen die Verfolgung des revolutionären Jesus waren. Gezeigt wird also durchaus die Vielschichtigkeit unter den Pharisäern. Neben den Pharisäern tauchen in dem Film aber auch eine ganze Reihe anderer Juden auf, die eindeutig Sympathieträger sind.
Der Begriff Jude fällt nur einmal (in den UT) als römische Beschimpfung des Juden, der für Jesus das Kreuz getragen hat auf den letzten Metern des Kreuzganges. Die Grausamkeit und Gewaltlust der Römer ist hingegen immer spürbar. Wer also hier von einem einseitigen, antijüdischen Blickwinkel spricht, redet definitiv am Film vorbei.
Ich kann also nur jedem empfehlen, sich „Passion" selbst und möglicht unvoreingenommen von den kampagnenartigen Kritiken anzusehen. Es erwartet Sie ein Meisterwerk, dessen Bilder und visuelle Kraft einen noch lange beschäftigen werden. Ein Film mit einer hervorragenden Kameraarbeit, die nahezu aus jedem Bild ein Gemälde zu machen scheint, mit exzellenten Darstellern und herausragender Filmmusik.
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