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Kundenrezension

am 13. Oktober 2003
Sechs Phasen der Geschichte und Entwicklung des Christentums lassen sich nach Küng unterscheiden. Er wählt zur Abgrenzung den Begriff „Paradigma", d.h. Gesamtkonstellation von Überzeugungen, Werten und Verfahrensweisen in einer Gemeinschaft. Die erste Phase umfaßt die etwa sieben Jahrzehnte nach Christi Tod. Es ist die Zeit des urchristlich-apokalyptischen Paradigmas mit Petrus, Jacobus und Paulus. Es folgt das altkirchlich-hellenistische Paradigma der Patristiker, u.a. Origines. Nachdem im 4. Jhdt. das Christentums durch Kaiser Konstantin zur Reichsreligion erklärt wurde, konnte sich in mehr als acht Jahrhunderten das mittelalterliche römisch-katholische Paradigma entwickeln. Eine der Folgen war die Spaltung zwischen westlichem und östlichem Christentum, zwischen Rom und Byzanz, mit endgültiger Trennung im Jahr 1053.
Luther leitete das reformatorisch-protestantische Paradigma ein, Schleiermacher und weitere liberale Theologen des 19. Jhdts. Entwickelten es weiter zum aufgeklärt-modernen P. Das 2. Vatikanische Konzil, 1965 endend, erweckte Hoffnungen auf den Beginn des „Zeitgenössischen ökumenischen, nach-modernen" Paradigmas. Bis dahin verblieb die römisch-katholische Kirche, so Küng, weitgehend im mittelalterlichen römisch-katholischen Paradigma. Er sieht für die heutige Zeit noch vier aus alten Paradigmata verbliebene Denkrichtungen, den orthodoxen Traditionalismus, den römisch-katholischen Autoritatismus, den protestantischen Fundamentalismus, den liberalen Modernismus.
Die Geschichte des Christentums, eingeteilt in diese sechs Phasen, wird mit einer bis heute wohl noch nie erreichten Fülle wesentlicher Einzelheiten beschrieben und in überschaubare Zusammenhänge gebracht. Denkanstöße und Kritik regen den Leser an. Mehr als zwanzig Mal wird ein Kapitel zusammengefaßt unter dem Motto „Fragen für die Zukunft". Diese Fragen werden häufig auch an das Judentum und den Islam gerichtet. Eine Reihe von gut durchdachten und übersichtlich gestalteten Schemata erleichtert den Überblick.
Zu wünschen wäre allerdings, daß Küngs häufige, berechtigte Kritik an verschiedenen Päpsten, der römischen Kurie und den Ordensgemeinschaften zwar deutlich in der Sache, aber manchmal etwas zurückhaltender in der Form geblieben wäre. Küng schreibt z.B., Papst Joh. Paul II. habe sich dadurch „lächerlich gemacht", daß er meinte, Galilei 350 Jahre nach dessen Tod rehabilitieren zu können (S. 764) .
Hätte hier nicht die Frage genügt, was der Papst mit diesem Zugeben eines groben Fehlers seiner Vorgänger noch erreichen konnte?
Auf S. 406 wird gar in einem einzigen Satz die „Mission der Neuzeit" mit den Kreuzzügen des hohen Mittelalters, den Religionskriegen und der Kolonisation genannt; diese alle, also nach Küngs Worten auch die Mission der Neuzeit, hätten „riesige Spuren von Gewalt, Blut und Tränen zurückgelassen". Der Jesuit Las Casas, das deutlichste Beispiel für das Gegenteil, wird nur in anderem Zusammenhang erwähnt (S. 746). Wäre hier nicht eine Würdigung der so zahlreichen Missionare und Missionarinnen unentbehrlich, die soviel Gutes für die kolonisierten Völker bis heute nicht nur gewollt, sondern auch erreicht haben? Wie groß ist ihnen gegenüber wohl der Anteil von christlichen Missionaren, die wirklich die erwähnten riesigen Spuren von Gewalt, Blut und Tränen hinterlassen haben??? Küng müßte bei diesem ungeheuren Vorwurf zumindest Beispiele und gerechterweise auch Gegenbeispiele nennen.
Wie schon im ersten Band der Trilogie „Das Judentum", „Das Christentum" und „Der Islam" (geplant) erfährt sogar derjenige Leser sehr viel für ihn Neues und Wissenswertes, der mit einigem Recht glaubte, gut unterrichtet zu sein. Wieder zeigt sich Küngs Kunst, die Fülle des Stoffs und seiner nicht geringen Schwierigkeit durch gute Gliederung und klaren Stil so zu vermitteln, daß der aufmerksame, aber fachfremde Leser nicht überfordert wird, dabei versteht und behält.
Man darf gespannt sein auf den nun schon seit über zehn Jahren angekündigten dritten Band zum Islam. Küng hat formuliert „Kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen." Zu solchem Dialog zwischen Juden, Christen und vor allem Moslems bedarf es aber noch vieler Kenntnisse. Wird Küng die über den Islam so sehr gut vermitteln können wie in den beiden anderen Büchern? Das darf man nach sweinen ersten beiden Bänden dieser Reihe annehmen.
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