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Kundenrezension

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mal wieder ein ordentliches Update, 27. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Metallica - Quebec Magnetic [2 DVDs] (DVD)
METALLICA-Konzertfilme gibt es nun ja schon eine ganze Menge. Warum also - fragt man sich berechtigterweise - sollte man für dieses neue Werk "Quebec Magnetic" wieder in die Tasche greifen? Schließlich kommt beinahe pro Jahr irgendein altes oder neues Konzert dieser Megaseller auf den DVD- bzw. BD-Markt. Nun, es gibt zwei Gründe hierfür: Zum einen taugt ein Großteil der ganzen Veröffentlichungen qualitativ recht wenig. Zum anderen gibt es noch keine DVD, auf der der Schwerpunkt auf der "Death Magnetic" Scheibe liegt, die hier fast vollständig und unterbrochen durch einige Evergreens dargeboten wird. Die Aufzeichnung erfolgte in der Halloween-Nacht 2009 in der Colisee Pepsi Arena in Quebec vor beeindruckender Kulisse. Wieder mit zentraler Bühne präsentiert sich die Band reihum der proppenvollen Arena. Lars' Drumset verändert seinen Winkel immer mal wieder, und überall aufgestellte Mikros sorgen für genügend Bewegungsspielraum für die Band, die dort auf allen Seiten agieren kann. Dies tut sie auch meist recht geschlossen, so dass alle Publikumsseiten wirklich eine Band vor sich stehen haben und nicht nur einen einzelnen Musiker.

Das Konzert beginnt mit dem Einmarsch der Band zu dem Intro mit beeindruckender Lasershow. Dass eine Band wie METALLICA natürlich in punkto Equipment nicht kleckern muss ist klar, und so gibt es eine Menge Kameraperspektiven und Action-Cams, aus denen die Aufzeichnung sehr angenehm geschnitten wurde. Keine hektischen Perspektivenwechsel, sondern stimmige Einsichten und Totalen. Leider sorgte aber auch hier eine unglückliche Kameraposition für Vibrationen im Bassdrum-Rhythmus - ein Problem, welches schon auf der fantastischen "Live Aux Arenes De Nimes" den ansonsten perfekten Eindruck etwas trübte. Schade, dass es hier wieder passiert ist, wenngleich diese Kamera nur sehr selten zum Einsatz kommt.

Über das Konzert selbst muss man nur wenige Worte verlieren. Ein so volles Haus ist natürlich ein enormer Motivationsschub für einen Künstler. Die Band nutzt die Bühne agil aus. Über die "Death Magnetic" Scheibe können ja gerade Fans der ersten Stunde immer noch etwas geteilter Meinung sein, aber unter dem Eindruck des Live-Bildes hat man ohnehin einen viel intensiveren Kontakt zu der Musik. Und dann gibt's ja noch die alten Sachen, die man zwar schon zigfach kennt, die aber nach wie vor eine Menge Spaß machen. Beeindruckend vor allem, wie schnell die ganz alten Titel gezockt werden. 'The Four Horsemen' und 'Whiplash' werden geradezu in atemberaubender Geschwindigkeit runtergeknattert. Das Keifen der damaligen Jungspundzeiten hat James allerdings nicht mehr drauf und singt den 'Phantom Lord' nun 'ne Oktave tiefer. Das macht die Band aber wieder mit Action wett. Lars verlässt - wie immer - laufend das Drumkit und macht die Bühne unsicher. Seine Spuckeinlagen gehören mittlerweile wohl zum festen Repertoire eines METALLICA-Gigs wie Bikini-Girls zu einer Tuning-Messe. Ich will aber nicht wissen, was der hellrosa Drink in seinem Becher war. Und übergerotzt bekommen schon gar nicht. Ebenfalls Action-Tier ist natürlich Rob am Bass. Sein Primaten-Walk ist einfach unnachahmlich, was er vor allem bei 'For Whom The Bell Tolls' von der Bonus-Disc unter Beweis stellt. Auch ansonsten ist der grundsympathische 4-Saiter immer ganz vorn dabei, wenn es um Show geht, selbst wenn er einfach mal am Ende von 'Sad But True' seinen Bass an den Stimmmechaniken langsam auf Ground Zero dreht. Aber man hat ja genug Instrumente dabei. So auch Kirk, der so ziemlich die Palette aller Standard-Klampfenformen auf die Schultern hängt. Sogar ein exotisches Light-Modell ist bei 'Judas Kiss' dabei, welches mich allerdings optisch wie klanglich eher abtörnt. Apropos Kirk: Irgendwie hat mich der Junge auf dieser Scheibe etwas enttäuscht. Mir ist selten so deutlich aufgefallen, dass er sich seit den Anfangstagen irgendwie kein bisschen weiterentwickelt hat. Ich meine, er ist kein schlechter Gitarrist, aber für jemanden, der so lang im Geschäft ist, sollte man doch etwas mehr Wert auf Details legen. Nach 'Judas Kiss' soliert er noch etwas uninspiriert auf seiner Flying V, und das Intro zu 'Nothing Else Matters', auf doch deutlich verstimmter Gitarre, ist auch eher so ein Verlegenheitsding. Um Schul-Vokabular zu bemühen: Er schludert ein wenig. Das ist wirklich schade.

Nach dem ersten Drittel fragt James das Publikum, wer zum ersten Mal bei einer METALLICA-Show sei. Die Antwort war doch sehr erschreckend. Die ganze Arena bestand demnach größtenteils aus METALLICA-Newbies. Oder die Band hat Kanada sträflich vernachlässigt, was ich nicht glaube. Ebenfalls dafür spricht die erstaunliche Lethargie im Publikum, wenn so geile Evergreens wie 'Damage Inc.' gespielt werden. Bei neueren Songs gehen die Leute mehr ab. Der Generationswechsel ist nun wohl endgültig vollzogen? Zum gewohnten Rausschmeißer 'Seek & Destroy' (meiner Meinung nach der überbewertetste METALLICA-Song ever...) zieht sich die komplette Band dann Halloween-gerechte Horrormasken an und es gibt fürs Publikum schwarze METALLICA-Riesenballons zum Spielen. Nettes Gimmick. Anschließend richtet jedes Bandmitglied noch ein paar Worte an das Publikum und verlässt die Arena. Ebenfalls nett, nicht einfach so abzuhauen, sondern sich noch etwas zu zeigen und Hände zu schütteln - auch als Megastar.

Noch ein paar Worte zur Qualität der Scheibe: Die Aufzeichnung hat eine recht gute Qualität. Das Bild ist ausreichend scharf und bei der Konzert-DVD ohne Kompressionsartefakte. Die Aufteilung des Konzerts auf Konzert-DVD und zusätzliche Songs auf die Bonus-DVD ist dem Speicherformat geschuldet. Bei der BluRay ist alles auf einer Disk, die uns zum Test allerdings nicht vorlag. Der Ton hat einen guten Mix, aber wie fast immer ist der Surround-Sound eine Mogelpackung. Dort liegen fast ausschließlich gedoppelte Gitarren. Ich werde nie verstehen, warum man selbst bei solch teuren Produktionen hier immer noch am falschen Ende spart und nicht den echten Raumklang des Konzerts aus Sicht des Zuschauers reproduziert. Der Surround-Mix ist allerdings wenigstens Stereo-kompatibel und auf der heimischen Anlage dem reinen Stereo-Mix vorzuziehen, der deutlich matter klingt.

Das restliche Bonusmaterial ist eher mager. Die 'Loveletters From Quebec' entpuppen sich als Collage von Bandkommentaren sowie Publikumsschnipsel, wo jeder ein paar spontane Worte sagen darf oder sich vor der Kamera vollends zum Affen macht.

Fazit: An die Mega-Scheibe "Francais Pour Une Nuit/Live Aux Arenes De Nimes" kommt diese neue DVD bei Weitem nicht ran. Dennoch ist sie in der DVD-Flut dieser Band mal wieder ein sinnvolles Update, da die Qualität insgesamt stimmig ist und die Songauswahl keine großen Parallelen zu vergangenen Scheiben aufkommen lässt.

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