Shop now Shop now Shop now Shop now Shop now Hier klicken Jetzt informieren PR CR0917 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Jetzt bestellen AmazonMusicUnlimited Fußball longSSs17

Kundenrezension

TOP 1000 REZENSENTam 22. Juli 2011
Ein beherzter Novellist hätte die Fabel auf maximal 150 Seiten zu einem glücklichen Ende gebracht. Aber dann wäre dieses Buch nicht das, was es ist: ein wildwuchernder Romanurwald, randvoll mit prallen bunten Früchten, ein Faselteppich, über und über mit mäandernden Dekoren bedeckt; ein Schelmenroman simplicissischen Ausmaßes; ein Labyrinth ineinander und mit dem Erzählstrang verschlungener Digressionen.

Wenn man sich auf den Weg durch die über 900 engbedruckten Seiten dieses Romans macht, lässt man sich auf ein Erlebnis ein, das an die großen Romane Jean Pauls erinnert, manchmal auch an die "Blechtrommel" des Zeitgenossen Grass: man taucht für mehrere Wochen in eine andere Welt mit einer anderen deutschen Sprache ab - wobei hier die bizarre Handlung nicht völlig fikitional, sondern zu einem guten Teil autobiographisch belegt ist. Thelen, der Mann mit dem mächtigen Kinn unter den ewig abwärtsweisenden Mundwinkeln, hat tatsächlich fünf Jahre zwischen 1931 und 1936 schwankend zwischen persönlichem Elend und grotesken Episoden auf Mallorca zugebracht, bis ihm und seiner Beatrice im Gefolge des spanischen Bürgerkriegs der Boden zu heiß wurde. Und: man taucht in eine Sprachwelt ein, die eigentlich vorbild- und traditionslos ist. Thelen muss über einen unglaublichen Wortschatz verfügt haben; dazu über eine erstaunliche Phantasie im Erfinden von Neologismen. Es hat keinen Sinn, jedem seltsamen Wortgebilde in diesem Roman in einem Wörterbuch hinterherblättern zu wollen. Vieles wird dort gar nicht drinstehen, erschließt sich aber aus der Redundanz des Textzusammenhangs und hindert den Lesefluss nach einer Weile nicht mehr.

Der Erzählfaden der Haupthandlung ist schon mit einer Unmenge saftiger Episoden behangen. Es gibt ganz zu Anfang eine drollige Studie über die Kunstfertigkeit spanischer Familienoberhäupter, der eigenen Kinderschar Ohrfeigen zu verabfolgen. Es gibt eine längere und zum Schreien komische Episode, in der der Erzähler schildert, wie er als völlig ahnungsloser Reiseführer eine deutsche Reisegesellschaft nach Strich und Faden zutextet, eine Ansprache hanebüchener als die andere. Es gibt eine Schilderung des zweifachen Fehlschlagens eines durchaus ernstgemeinten gemeinsamen Suizidvorsatzes, der in grotesker Weise im Vorbereitungsstadium steckenbleibt. Bizarre Figuren jeglicher Herkunft und jeglichen Standes kreuzen den Weg des Vigoleis, darunter lebensuntüchtige Hidalgos, Poeten im Bäckerladen, korrupte Beamte, ein aus Honduras verscheuchter, gescheiterter einarmiger Putschist, der mitsamt seiner obskuren Befreiungstruppe auf den großen Tag der Rückkehr wartet. Das alles würde bereits einen drallen Roman ergeben haben - aber immer noch nicht die "Insel". Dieses Buch wird erst durch die Abschweifungen und Randanekdoten, die immer wieder eingeflochten werden, durch die Betrachtungen zum Zeitgeschehen und zu überzeitlichen Gedanken, und nicht zu letzt durch die wiederholten Reflexionen auf den Erzählvorgang selbst zu dem, was es ist.

Und, nicht zu letzt: es ist, quasi nebenherlaufend, eine bemerkenswerte Geschichte über die Liebe zwischen Vigoleis und seiner Beatrice, ein Aspekt, der in vielen Besprechungen dieses Buches zu kurz kommt. Es gibt in dem ganzen langen Text eigentlich keine einzige wirkliche Liebesszene (jedenfalls nicht zwischen Vigoleis und Beatrice) oder auch nur eine Schilderung von Zärtlichkeiten. Wenn das Paar sich in den Armen liegt, dann aus Erleichterung über eine bewältigte Katastrophe - oder um nicht aus dem einzigen viel zu schmalen Bett zu fallen. Aber es gibt dafür etwas anderes, nämlich die wilde Entschlossenheit dieses Paares, einander unter gar keinen Umständen loszulassen, und die beiläufige Schilderung dieser Haltung ist einfach anrührend.

Die "Insel des zweiten Gesichts" ist, da gibt es nichts zu deuteln, ein Großbuch. Und wenn man es ausgelesen hat, ist man nicht einmal erschöpft von dem langen Weg durch den Erzähldschungel, den man gerade hinter sich gebracht hat, sondern irgendwie beglückt.
0Kommentar| 26 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden| Permalink
Was ist das?

Was sind Produktlinks?

Im Text Ihrer Bewertung können Sie mit einem Link direkt zu einem beliebigen auf Amazon.com angebotenen Produkt leiten. Befolgen Sie diese Schritte, um einen Produktlink einzufügen:
1. Das Produkt, zu dem der Link führen soll, auf Amazon.com suchen
2. Internetadresse des Produkts kopieren
3. Klicken Produktlink einfügen
4. Die Internetadresse in das Kästchen einfügen
5. Klicken Auswählen
6. Wenn Sie den angezeigten Artikel auswählen, erscheint ein Text wie dieser: [[ASIN:014312854XHamlet (The Pelican Shakespeare)]]
7. Sobald Ihre Bewertung auf Amazon.com erscheint, wird dieser Text in einen solchen Hyperlink umgewandelt:Hamlet (The Pelican Shakespeare)

Ihre Bewertung ist auf 10 Produktlinks beschränkt, und der Linktext darf maximal 256 Zeichen betragen.


Produktdetails

4,9 von 5 Sternen
17
4,9 von 5 Sternen
16,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime