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Kundenrezension

am 3. Oktober 2010
In Frankreich wäre Dennis Quaid bereit pensioniert, aber in den USA darf er, wenn man dem 2008-er Thriller von Pete Travis folgt, mit 62 und nach psychiatrischer Behandlung noch einmal den Leibwächter des Präsidenten geben: Letztlich bleibt von den unendlichen Geheimdienstlerscharen nur noch der alte Mann, um - wie üblich zwischen allen Fronten - das Attentat auf den Präsidenten in Salamanca aufzuklären. Die Raffinesse des Films soll darin liegen, dass die entscheidenden 30 Minuten 8-mal wiederholt werden, jeweils aber eine andere Sicht der Situation zeigen. Natürlich ergibt sich das ganze Bild erst mit dem letzten Durchgang.

Der US-Präsident soll während eines wichtigen Gipfels auf der Plaza Mayor von Salamanca eine Rede halten. Secret Service Agent Thomas Barnes (Dennis Quaid, nicht verwandt oder verschwägert mit dem Dallas-Magnaten) steht daneben, als zwei Kugeln den Präsidenten treffen und kurz darauf eine gigantische Sprengung den Platz in ein Schlachtfeld verwandelt. Ein amerikanischer Tourist (Forest Whitaker) hält alles auf einer Sony HD-Movie fest, die Regisseurin im Ü-Wagen (Sigourney Weaver) hat manches auf Band. Schließlich verliert noch ein süßes kleines Mädchen erst ihr Eis und dann die Mutti.

Wenn man mehr preisgibt, bleibt von dem Film nicht mehr viel übrig. Aber wer extrem wacklige Bilder "aufregend" findet und bei nicht enden wollenden Verfolgungsjagden Serotonin ausschütten kann, wird den Streifen vermutlich lieben. Ich selbst fand gut, dass wieder einmal jede Menge Autos zerlegt worden sind - aber leider bleibt in diesem Bereich noch viel zu tun.

Die Handlung ist ziemlich dünn, aufgesetzt und unglaubwürdig - selbst für mich, der ich wirklich keine hohe Meinung von der Intelligenz von Menschen habe, die ihr Leben kriminellen Vereinigungen oder Geheimdiensten widmen. Für Forest Whitaker kann man nur hoffen, dass man ihm die Rolle eines treudoofen Touristen mit eingebautem US-Heldenmut gegen seinen Willen aufgepfropft hat.

Keine Frage: Die Konstruktion der 8 Blickwinkel ist außerordentlich raffiniert und lässt den Zuschauer tatsächlich bei jeder neuen Runde mehr und mehr ahnen, was da "wirklich" abgegangen sein könnte - aber zu welchem Preis! Acht Mal die ganze Kerngeschichte, nur um zu erraten, wer, wo, wann? Spannung muss aus den Figuren kommen, aus Verstrickungen, aber um eigentliche Menschen aufzubauen, fehlten in diesem verkrampften Film-Puzzle offensichtlich Zeit, Geduld, Interesse und Können.

Da aber - wie gesagt - große Zeit über verfolgt, gesprengt, geschossen und gekämpft wird, werden es Freunde "reiner" Action, die Gespräche und Gedanken sowieso nur für spannungstötenden Quatsch halten, sicher schätzen. Doch auch die seien gewarnt: Man muss schon sehr aufmerksam hinschauen, wenn man nicht verpassen will, wie es eigentlich gelaufen ist.

Endlose Verfolgungsjagden mit betont wackliger Handkamera und hektischen Schnitten sind auf dem Flatscreen gerade noch zu ertragen, auf der großen Leinwand wird man von dem Geruckel schier wahnsinnig. Auch für den Ton kann man eher auf Mini-Lautsprechern von TV-Geräten noch einen verständlichen Kompromiss finden als auf großen Anlagen. Das Bild ist in weiten Teilen verrauscht und unscharf, so dass man sich fragt, warum man von diesem Film überhaupt eine Blu Ray kaufen sollte. Immerhin darf man sich über ein echtes Kino-Format (2.4:1) freuen...

Action in Masse, Klasse in Maßen. Sigourney Weaver, die man bekanntlich aus richtig guten Filmen kennt, hat nur ihren Namen für die Plakate verliehen und spielt eigentlich (fast) nicht mit. Es gibt kein Menscheln, keine Liebe und keinen Hass - alles Blech wie die Berge gebumpter Autos. Die Motive der "Bösen" werden nicht deutlich, und dass der Secret Service durch Opa Barnes' Alleingang noch einmal davonkommt... Schweigen wir drüber!

film-jury 2* A0313 10.11.2010eg Genre: Action | Krimi | Drama | Thriller
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