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Kundenrezension

am 30. Juni 2012
Das Zeichen des Phönix bildet den Auftakt einer Steampunk-Serie, die im Original unter der Bezeichnung A Ministry of Peculiar Occurrences Novel läuft. Da das für deutsche Taschenbücher eine unpraktisch lange Bezeichnung ist, wurde die Serie hierzulande kurzum in Books & Braun umgetauft. Witzigerweise entspricht das in etwa der ursprünglichen, von Philippa Ballantine und Tee Morris geplanten Serienbezeichnung, die aber von deren Verleger abgelehnt wurde.

Im Mittelpunkt der Geschichte, welche in einer, sich von der Realität gar nicht so sehr unterscheidenden, Alternativwelt Großbritanniens zur Zeit Königin Viktorias spielt, stehen der Archivar Wellington Thornhill Books und die Agentin Eliza D. Braun, die als Angestellte des "Ministeriums für eigenartige Vorkommnisse" ein bisschen wie die viktorianische Version von John Steed und Emma Peel anmuten. Besagtes Ministerium befasst sich mit mysteriösen Fällen aller Art und verwahrt eine Reihe magischer Artefakte. Ich würde hier allerdings nicht unbedingt von einer paranormalen Geschichte sprechen - dafür kommt das entscheidende Element eindeutig zu kurz.

In Sachen Steampunk wird man aber bestens bedient. Die Geschichte wartet mit einer ganzen Reihe technischer Gerätschaften auf, darunter Luftschiffe, eine "analytische Maschine", mechanische Panzerhandschuhe, sowie Abhörgeräte und ein Ortungsapparat, die dem Leser nicht einfach nur kommentarlos vor die Füße geworfen werden. Stattdessen bekommt man einen ganz guten Eindruck davon, was es mit der Bezeichnung STEAM-punk auf sich hat.
Der historischen Zeit wird man sich in erster Linie durch die Ausdrucksweise sowohl in Sprache als auch in den Gedankengängen bewusst - wobei man schon hier wunderbar den Unterschied zwischen Wellington und Eliza zu spüren bekommt. Des Weiteren vermitteln Kleidung und Erscheinungsbild der auftretenden Personen, sowie deren Umgangsformen untereinander einen glaubhaften historischen Eindruck.

Die in meinen Augen größte Stärke dieser Geschichte liegt aber - ohne die anderen Qualitäten mindern zu wollen - in den beiden Hauptfiguren, die wohl unterschiedlicher nicht sein könnten.
Da Eliza aus Neuseeland stammt, ist ihr die britisch steife Mentalität völlig fremd und da ist es verständlich, dass sie mit ihrem "skandalösen Betragen" bei den erzkonservativen Gemütern für Aufsehen sorgt, aber in ihrem Tätigkeitsbereich kann sie sich ein allzu damenhaftes Verhalten im Grunde auch nicht leisten (das bedeutet allerdings nicht, dass sie keinen Sinn für Weiblichkeit hat). Die Agentin mit dem kugelsicheren Korsett und der Vorliebe für Dynamit, weiß sich jedenfalls ihrer Haut zu erwehren - wenn es sein muss auch ohne den Einsatz von Dynamit oder sonstigen Waffen. Auf der anderen Seite hat sie aber auch eine charmante und warmherzige Persönlichkeit. Man bekommt einen interessanten Einblick in ihre Gefühlswelt, ihre Ängste, Hoffnungen und Freuden, sodass es kaum möglich ist, keine Sympathie für Eliza zu empfinden.
Wellington ist dagegen ein ganz anderes Kaliber und stellt wohl das dar, was man als klassisch britischen Gentleman bezeichnen könnte. Wo Eliza fasst schon anarchische Züge aufweist, wird der Charakter des Archivars von Fakten, Ordnung und analytischem Denken definiert. Er legt größten Wert auf Anstand und Wahrung der Contenance, wirkt dabei mit seiner überkorrekten, streng nach Lehrbuch Art etwas unterkühlt. Wenn man ihn erst mal näher kennen lernt - und auch hier ist der Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt ungemein hilfreich -, wird deutlich, dass es sich bei Wellington um einen loyalen und durchaus liebenswerten Typ handelt, der wenn es um Technisches geht, auch schon mal zum Kind im Spielzeugladen wird und mit seinen ganz eigenen Dämonen zu kämpfen hat.

Wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt, haben die beiden letztendlich aber doch mehr miteinander gemein, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Wahrscheinlich harmonieren sie genau aus diesem Grund so wunderbar miteinander - zumindest nachdem sie sich erst einmal zusammengerauft haben.
Denn Eliza ist alles andere als begeistert davon, dass sie, wegen ihrem Hang, sich über Befehle hinwegzusetzen und die dabei mitunter einhergehenden Kollateralschäden, ins für sie sterbenslangweilige Archiv strafversetzt wird. Aber auch Wellington ist nicht gerade angetan von seiner neuen Kollegin, mit deren Arbeitsmoral es - sofern es das Archiv betrifft - nicht allzu weit her ist und legt ihr gegenüber zunächst eine etwas herablassende Einstellung an den Tag - zum Teil auch dadurch bedingt, dass sie eine Kolonistin" ist. Eliza hingegen genießt es geradezu, Wellington zu schockieren, um ihn damit aus der Reserve zu locken und wickelt ihn mit ihrer Art nach und nach um den Finger. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft mich die Interaktionen der beiden zum Schmunzeln gebracht haben ...
Das Zeichen des Phönix ist im Grunde komplett romantik- und (von einer Orgie abgesehen) erotikfrei. Dennoch gibt es zwischen Eliza und Wellington einige Momente, die man auch als Flirterei - von Seiten Elizas - auffassen könnte, sowie die ein oder andere etwas delikatere Situation. Falls da tatsächlich etwas Ernsteres in die Richtung geplant sein sollte, hoffe ich jedenfalls, dass sich die Autoren Zeit damit lassen.

Durch gemeinsame Recherchen zu einer Reihe ungelöster Morde, bei denen den Opfern entweder Blut, Haut oder Knochen fehlten - und zwar vollständig - und zu denen Elizas ehemaliger Partner Informationen gesammelt hatte, im Laufe der Ermittlung aber unglückseligerweise in einer Nervenheilanstalt geendet ist, stoßen Eliza und Wellington auf die Gesellschaft des Phönix, einer Geheimorganisation, die von dem allseits beliebten Motiv "Streben nach Macht" getrieben ist.
Neben dieser akuten Bedrohung werden bereits ein paar andere nebulöse Organisationen und Strippenzieher aktiv, deren Bemühungen sich vor allem auch gegen das Ministerium richten ...

Bei diesem für Lyx Verhältnisse relativ dickem Buch ist keine einzige der etwa 500 Seiten überflüssig, da die Handlung effektiv vorangetrieben wird. Man bekommt Spannung und Action, letzteres in einem angenehmes Gleichgewicht mit ruhigeren Passagen serviert - auf non-stop-action wird also verzichtet - und stellenweise vermag die Geschichte angesichts einiger Grausamkeiten auch zu schockieren. Überhaupt finde ich den Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und lockerer Unterhaltung sehr gut gelungen.
Die begonnenen Handlungsfäden und der Verweis auf Ereignisse, die zwar nicht näher erklärt, aber definitiv neugierig auf die Geschichte dahinter machen, sowie das ein oder andere noch ungelöste Rätsel, wie z.B. das Geheimnis um den mysteriösen zugangsbeschränkten Bereich im Archiv, liefern ausreichend Material für kommende Fälle von Books & Braun. An Ideen scheint es den Autoren jedenfalls nicht zu mangeln. Ganz kurz möchte ich auch nochmal erwähnen, dass mir die Idee mit den Titeln für die einzelnen Kapitel sehr gut gefällt.

Meine ganze Schwafelei, einmal auf kurz übersetzt, heißt im Grunde nichts weiter als dass ich komplett begeistert bin von Das Zeichen des Phönix. Die Fortsetzung im Dezember (Die Janus-Affäre) ist für mich jedenfalls Pflichtlektüre.
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