In seiner eigenen Herkunfts-Familie empfand sich Sartre als Fremder, von klein an. Als er sich nach abgeschlossenem Studium um das Amt eines Studienrates bewarb, wurde er abgelehnt, "angeblich weil er versucht hatte, originelle Ideen zu äußern" (wikipedia). Frankreich war wohl nicht viel anders als das sich mit "Berufsverboten" schmückende Nachbarland Deutschland. Dass Sartre demonstrativ die in Stuttgart inhaftierten Köpfe der RAF besuchte, hätte ihn hierzulande sicherlich auch um den Beruf gebracht. "Die Gewalt lebt davon, dass sie von anständigen Leuten nicht für möglich gehalten wird..." sagte er andererseits einmal - und damit griff er hellseherisch (denn dafür benötigt man keine intakten Augen, nur einen klaren Verstand) - hellseherisch seiner Zeit voraus: Ich glaube, obwohl Sartre als Stalinist begann, er würde den heutigen Überraschungstaten der Islamisten keinen Beifall zollen. Seine Bemerkung "Man soll keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schließlich groß genug..." lässt stark vermuten, dass der Denker, der stets geistigen Genuss dadurch erlebte, dass er von sich selbst Abstand nahm und seine Identität neu entwarf, dass dieser Denker dem Terrorismus der heutigen Tage ablehnend gegenüber stehen würde. Als Phänomenologe, der er war, im steten Hinsehen auf Husserl (und etwas peinlicher: Heidegger) dürfte er als Repräsentant mutiger geistiger Wandlungs-Fähigkeit zu sehen sein, der tapfer sich auf das (einst Adenauer-sche) Statement zurückzuziehen wüsste: Was interessiert mich das, was ich gestern gesagt habe. Das Eingeständnis des Irrtums ist auch eine große denkerische Leistung - und insofern ist wichtig, dass Sartre nicht noch mehr in Vergessenheit gerät, als es schon geschehen ist! Das Buch ist die beste Brücke in die Absicherung dessen, was wir derzeit über Sartre im Gedächtnis behalten wollen!