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Kundenrezension

TOP 1000 REZENSENTam 21. Januar 2004
Wenn man Montaigne liest, ist es fast unglaublich, dass dieser Mensch im 16.Jahrhundert gelebt hat. Fast alles an ihm ist modern. Er ist skeptisch, vorurteilslos, bescheiden, schlicht, tolerant, selbstkritisch und aufgeklärt. Er ist sozusagen der Vorreiter der französischen Aufklärung. Ein Beispiel für seine Toleranz und Selbstkritik: Als im 16.Jahrhundert die Europäer Amerika entdeckten und missionierten, ging das Gerücht oder die Tatsache, dass die anwesenden Völker dem Kannibalismus frönen. Die Völker wurde von den Europäern als Barbaren abgestempelt. Montaigne schreibt nun in seinem Essay "Von den Menschenfressern": "Ich bin nicht ungehalten darüber, dass wir die barbarischen Greuel in einer solchen Handlung brandmarken, wohl aber sehr, dass wir, die wir so gut über ihre Fehler urteilen, für die unseren so blind sind. Ich denke, dass es eine schlimmere Barbarei ist, einen Menschen lebendig zu fressen, als tot zu fressen, einen noch von Gefühlen belebten Körper mit Foltern und Qualen zu zerreißen...als ihn zu braten und zu verspeisen, nachdem er verendet ist". Herrlich! Ein weiteres Beispiel für den Beweis, dass M. einer der glänzendsten und geistreichsten Schriftsteller Frankreichs ist: In seinem Essay "Über das Beten" kritisiert er das Beten der Christen, dass nach seiner Meinung nur aus Brauch und Gewohnheit geschieht und dass wir eigentlich nicht beten, sondern unsere Gebete herrsagen und herreden. M. sagt, das Gebet "muss aus dem Herzen kommen und nicht von den Lippen". Kein Wunder, wenn Nietzsche schrieb, mit M. "würde ich es halten, wenn die Aufgabe gestellt wäre, es sich auf der Erde heimisch zu machen". Montaigne ist ohne Zweifel einer der sympathischsten Philosophen, vielleicht auch gerade deshalb, weil er kein systematischer, komplizierter Philosoph ist, sondern einfach und für jedermann, von der Aldiverkäuferin bis zum Proffesor verständlich. Schade finde ich nur, dass in der Manesseausgabe, nicht das Essay "D'un enfant monstrueux" aufgenommen ist. In diesem Essay schreibt M. die für mich elektrisierenden Worte: "Was wir Monstren nennen, ist nicht monströs für Gott, der in seinem ungeheuren Werk die Unendlichkeit von Formen einbegreift, die er darin selbst entwarf". Lesen sie Montaigne!
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