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Kundenrezension

am 22. März 2007
Der Autor vertritt in seinem Buch die Auffassung, dass es zwischen dem Holocaust und der industriellen Tierausbeutung eine Parallelität gibt. Darüber hinaus stellt er die Behauptung auf, dass ersteres eine zwangsläufige Folge des letzteren ist. Charles Patterson hat sich als Historiker eingehend mit dem Holocaust beschäftigt und einiges zu diesem Thema publiziert. Um seine Thesen zu begründen, bezieht er sich nicht nur auf historische Anhaltspunkte, sondern auch auf Person und Werk des jüdischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer. Aus dessen Roman "The Letter Writer" stammt auch der Titel des vorliegenden Buches, welches Charles Patterson dem 1991 verstorbenen Singer gewidmet hat.

Um es vorweg zu nehmen, hier handelt es sich nicht um einen plakativen Holocaust-Vergleich, der als Herabwürdigung der jüdischen Opfer fehlinterpretiert werden könnte. In nüchterner Weise beschreibt der Autor die offensichtlichen Parallelen zwischen dem Holocaust und unserem Umgang mit nicht-menschlichen Tieren. Er sieht im Vorgang der Diffamierung unliebsamer Zeitgenossen als Tiere (Affen, Schweine, Ratten, Zecken) das Vorspiel für deren Entrechtung. Die Gegenüberstellung vom Aufkommen moderner Schlachtfabriken in den USA einerseits und dem industriellen Menschen-Vernichtungskomplex der Nazis andererseits nimmt einen breiten Raum ein. Der Autor geht noch weiter und schildert die Zusammenhänge zwischen dem amerikanischen Antisemitismus, Rassismus, Eugenik-Bewegung (Rassenhygiene) und dem in Nazi-Deutschland installierten Unrechtssystem. Geschickt versteht er es, beim Leser den Eindruck zu erwecken, dass der nazionalsozialistische Völkermord sein Vorbild in den USA gefunden hat. Das rationelle "Verarbeiten" von Tieren in US-Schlachtfabriken als Feldversuch für die industriemäßige Menschenvernichtung? Für Patterson ist das eindeutig: "Die Straße nach Auschwitz beginnt am Schlachthaus". Die Parallelität sticht in der Tat ins Auge. Umso mehr, wenn der Autor KZ-Mörder nennt, die einen Tierausbeuter-Background haben: Metzger, Landwirte, Züchter (Himmler ist da das prominenteste Beispiel).

Die Behauptung ist nicht neu, dass es vom Töten eines Tieres nur ein kleiner Schritt zum Mord an einem Menschen ist, oder dass der Mensch genau da angefangen hat seine Artgenossen umzubringen, als er begann, Tiere zu töten, sowie dass Sklaverei und Unterdrückung ihren Ursprung in Domestizierung und Zucht von "Haus"-Tieren haben. In dem Moment, als unsere steinzeitlichen Ahnen die Hand gegen ihre tierlichen Geschwister erhoben hatten, begann das Übel der Menschheit seinen Lauf zu nehmen: die Abgrenzung Mensch/Tier sowie Mensch/Natur. Ein fataler Sündenfall, der seinen Kulminationspunkt im Genozid an den Juden fand. So lässt sich die Theorie Charles Pattersons auf den Punkt bringen.

Der dritte Teil des Buches ist ein Sammelsurium verschiedener Vitae von Mitmenschen mit Holocaust-Bezug. Namentlich Opfer, die sich heute ihrerseits für die Opfer (der Tierausbeutung) einsetzen ("Wir waren genauso" [wie die Tiere heute]). Dazu gesellt sich eine Schnipsel-Gallerie aus dem literarischen Schaffen Isaac Bashevis Singers. Gleichsam einem rotem Faden zieht sich das abscheuliche Verhalten des Menschen gegenüber Tieren durch dessen Gesamtwerk.

Das Buch ist insgesamt kurzweilig zu lesen, im Stil allgemein verständlich und die Thesen sind nachvollziehbar. Hier und da bekommt man aber das Gefühl, dass Zusammenhänge konstruiert sind, dass also ein behaupteter Sachverhalt mit verzweifeltem Ringen um Indizien verifiziert werden soll, was nicht unbedingt überzeugend wirkt. Das soll die herausragende Arbeit des Autors nicht relativieren. Vielmehr verdient es Hochachtung, dass er es gewagt hat, dieses heiße Eisen anzupacken. Umso mehr, als er den USA die zweifelhafte Rolle als Brutstätte des Holocaust zukommen lässt. Nach Völkermord an den Ureinwohnern, Sklaverei und Schlachten im Akkord, wieder ein Makel im Gesicht von "God's own country", der US-amerikanische Hybris und Doppelmoral offenbart.
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