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Kundenrezension

29 der insgesamt 38 Skizzenbücher von Edgar Degas befinden sich in der Bibliotheque Nationale und aus diesem Bestand bedient sich der vorliegende Band fast ausschließlich. Wer allerdings glaubt, Degas hätte bevorzugt Tänzerinnen in eleganter Pose oder nackte Badende gezeichnet, der irrt gewaltig! In seinen Skizzenbüchern findet sich nicht ein einziges Beispiel für die Motive, mit denen er im kollektiven Gedächtnis verankert ist. Ob es daran liegt, dass er die entsprechenden Skizzen vor seinem Tod vernichtet hat, oder dass er nie welche anfertigte, das weiß niemand. Seine Haushälterin Zoë hat auf jeden Fall die übrigen Skizzenbücher gerettet, und die zeigen einen unbekannten Edgar Degas. Den genialen Landschaftszeichner, den Kopisten, den virtuosen Aquarellisten.

Zeit seines Lebens war Degas von der Malerei der Alten Meister fasziniert. Nicht von allen, aber von einigen. Er besaß eine bemerkenswerte private Sammlung von Delacroix bis Ingres, für die er viel Geld ausgegeben hatte. Ingres war sein Gott, und obwohl er ihm persönlich nur einmal begegnete, muss diese Begegnung einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben: "Zeichnen Sie Linien!" riet ihm der Altmeister - und das tat Degas, solange sein schwindendes Augenlicht es ihm erlaubte. Tagelang verbrachte er in Museen und kopierte mit dem Zeichenstift Meisterwerke, ja er reiste durch ganz Frankreich, nur um bestimmte Bilder zu sehen. Degas besaß sogar eine offizielle Kopiererlaubnis des Louvre. In der Kopie erwarb er sich die technische Brillanz, die seine eigenen Werke auszeichnet, oder wie es Pascal Bonafoux in seinem kurzweiligen Essay zu Beginn des Buches ausdrückt "Diesen Notizheften verdankt Hilaire Germain Edgar Degas, dass er zu Monsieur Degas geworden ist".

Die Techniken, die Degas beherrscht, sind bemerkenswert vielseitig. Obwohl nur wenige Aquarelle in den Skizzenbüchern auftauchen, sind sie von faszinierender Sicherheit im Umgang mit Material und Farbe. Seine lavierten Tuschezeichnungen zeigen eine meisterhafte Strichführung, die mal altmeisterlich detailliert, mal zügig und kantig daherkommt. Mal zeichnet sein Bleistift in feinsten Schattierungen, mal umreißt er mit wenigen, sicheren Strichen eine Figur und erweckt sie zum Leben.

Aber es sind eben nicht nur die Kopien, die ihn als Kind des 19. Jahrhunderts definieren, sondern seine Zeichnungen weisen weit ins 20. Jahrhundert hinein. Manche Figuren und Gesichter erinnern bereits an Picasso oder George Grosz, sie nehmen die Moderne vorweg. Degas hat diese Versuche in seinem Werk nicht weiterentwickelt, sie zeigen aber, aus welchem gigantischen Fundus er schöpfen konnte.

Die Skizzenbücher, so lässt uns Pascal Bonafoux wissen, haben Degas sein ganzes Leben begleitet. Immer wieder hat er sich hier Anregung geholt. Und es sind auch keine chronologisch angelegten Archive (was der Forschung heute einige Probleme bereitet). Degas hat offenbar wahllos hineingezeichnet, wie ihm die Bücher gerade in die Hand fielen. Bonafoux beschreibt eine (fiktive) Szene am Ende von Degas Leben, in der seine Haushälterin Zoë die Skizzenbücher vor dem kranken Meister in Sicherheit bringt. Er will sie vernichten, um den "Literaten" (also den Kunsthistorikern) eine Möglichkeit zu nehmen, sein Werk interpretatorisch auseinanderzunehmen. Er verachtete diesen Berufsstand, ja er verachtete die Menschen. Je älter er wurde, umso misanthropischer wurde er. Seine bissigen, sarkastischen Bemerkungen über Andere, die Bonafoux pointiert zitiert, sind durchaus geistreich und haben das Zeug zum Evergreen unter den historischen Anekdoten (Über ein Schlachtengemälde: "Hier ist alles aus Eisen, bis auf die Harnische."). Eine verletztende Form von Ehrlichkeit.

Dieses Buch zeigt einen unbekannten Degas. Die Zeichnungen sind intimer, weil niemals für die Öffentlichkeit gedacht, fast wie ein Tagebuch in Bildern. Sie sind spontan und doch von großer Meisterschaft.
"Zeichnen Sie Linien!"
Ja, aus der Linie entspringt die Kunst.
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