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Kundenrezension

12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Selbstbewußtsein aus Sicht der Philosophie des Geistes, 29. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Ego-Tunnel: Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik (Taschenbuch)
Metzinger stellt in dieser Monographie die Ergebnisse der Neurophysiologie und der Philosophie des Geistes zur Bewußtseinsforschung vor. Sein Ansatz ist naturalistisch. Ausgangspunkt: "Ein Ego-Tunnel ist ein Bewußtseins-Tunnel, der die zusätzliche Eigenschaft entwickelt hat, eine stabile Erste-Person-Perspektive zu erzeugen, eine subjektive Sicht auf die Welt. Es ist ein Bewußtseins-Tunnel plus das Erscheinen eines phänomenalen Selbst." ( S. 28)

Allgemein ist Bewußtsein das Erscheinen einer Welt. Es ist kulturell eingebettet, graduell (tritt in variierenden Stärkegraden auf) und besitzt verschiedene Aspekte: Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Gefühle, Wahrnehmungen, Selbstbewußtsein usw. Metzinger stellt in einer Tour durch den 'Tunnel' die verschiedenen Konfliktfelder vor: Wie aus dem rhythmischen Feuern der Nervenzellen sich selbst metarepräsentierende Bewußtseinszustände entstehen, wie bewußte Repräsentationen einen illusionären Punkt der Gegenwärtigkeit benötigen, wie die Transparenz des Weltmodells in unserem Kopf uns zu naiven Realisten werden läßt, daß wir selbst für die einfachsten Bewußtseinszustände (z.B. Farbwahrnehmungen) keine instrospektiven Identitätskriterien besitzen, wie Bewußtsein evolutionär als 'virtuelles Organ' entstand und ob es bewußte Erlebnisse ohne erlebendes Selbst gibt.

Das grundlegendste Selbstgefühl ist das Bild des Körpers in Raum und Zeit plus Transparenz. Der Organismus repräsentiert sich im Gehirn als Ganzheit, das Körpermodell wurde global verfügbar, zugänglich für bewußtes Erleben. Dieses Selbstmodell und die Kontrolle der eigenen Aufmerksamkeit ('attentionale Agentivität') ermöglichte Erweiterungsphänomene wie die 'Gummihand-Illusion' oder außerkörperliche Erfahrungen, aber auch mühelosen Werkzeuggebrauch, die Fähigkeit, sich in einer virtuellen Umgebung als anwesend zu erleben und sich künstliche Handlungsinstrumente anzueignen und sie mit dem Gehirn zu kontrollieren.

Bemerkenswerterweise ist Denken ursprünglich ein motorischer Vorgang. Gedanken sind Modelle erfolgreich beendeter Handlungen, abstrakte Formen des Ergreifens. Und 'Denken' ist größtenteils subpersonal, ein innerer Monolog aus Erinnerungen, Bewertungen und kleinen Geschichten! Es hat eher mit Musterverarbeitung und einem dauernden Wettstreit zwischen inneren Bildern zu tun. Das Ego dient dem Organismus zur Erklärung und narrativen Darstellung innerer wie äußerer Handlungen, zur Voraussage des eigenen Verhaltens, und zur Überwachung kritischer Systemeigenschaften.

Metzinger macht interessante Anmerkungen zu dem Streit zwischen Determinismus und Willensfreiheit und führt in die neuesten Forschungen zu 'Spiegelneuronen' ein, die selbst dann 'feuern', wenn wir andere Personen bei einer Handlung nur beobachten. Spiegelneuronensysteme existieren auch für Gefühle und Vernunft. Sie erlauben uns, andere Menschen ebenfalls als Egos zu erleben. Der Autor erörtert die Frage, unter welchen Bedingungen postbiotische 'Ego-Maschinen' möglicherweise zu Erlebnissubjekten werden und welche moralischen Konsequenzen das hätte, weist auf den 'kognitiven Gesichtsfeldausfall' der Gegenwartsphilosophie hin, die Leid und Schmerz aus ihrem Gegenstandsbereich ausklammert, und betont den Widerspruch zwischen den Ergebnissen der Neurophysiologie (Wir sind selbstlose Ego-Maschinen) und dem uns biologisch eingebrannten Überlebensimperativ: Das Ego ist ein System, das der eigenen Existenz einen fast unendlichen Wert beimißt und aus Sehnsucht nach Unsterblichkeit besteht. Abschließend entwirft er eine 'Bewußtseinsethik' für den Umgang mit dem sich abzeichnenden 'Phenospace' und problematisiert den zukünftigen Kampf um die begrenzte Ressource 'Aufmerksamkeit', der eine 'Neurodidaktik' erforderlich macht.

Das Werk verbindet inhaltliche Tiefe mit thematischer Weite. Es ist ausgezeichnet verständlich, ja unterhaltsam, und ich kann es vorbehaltlos allen an Bewußtseinsforschung und der Philosophie des Ichs interessierten Menschen empfehlen. Gewünscht hätte ich mir, daß der Autor die Gefahren erweiterter Zugriffe auf das Bewußtsein (die er sehr wohl sieht) noch etwas stärker akzentuiert. Erstaunlicherweise stellt Metzinger die Frage, was den Übergang zum bewußten Selbstmodell des Menschen möglich gemacht hat. Dies ist selbstverständlich unsere propositionale Symbol- und Satzsprache, die mit ihrer Fähigkeit zur Objektivierung einerseits beliebige Wirklichkeitskonstruktionen erlaubt und andererseits zur Emergenz eines Werteuniversums mit unauflösbaren Wertekonflikten führt. Weiterführend: MITHEN, Steven: Prehistory of the Mind: A Search for the Origins of Art, Religion and Science (1996), derselbe: Singing Neanderthals: The Origins of Music, Language, Mind and Body (2006), TOPITSCH, Ernst: Erkenntnis und Illusion: Grundstrukturen unserer Weltauffassung (1988²), EIBL, Karl: Animal Poeta - Bausteine der biologischen Kultur- und Literaturtheorie (2004) und TUGENDHAT, Ernst: Egozentrizität und Mystik: Eine anthropologische Studie (2003)
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