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Kundenrezension

am 15. November 2013
Ich hatte sehr große Hoffnungen in X Rebirth gesetzt. Nachdem ich sehr viel Freude an Terran Conflict und Albion Prelude gehabt habe, die lediglich aufgrund ihrer Singlecore-Architektur einem wahrhaft lebendigem X-Universum Grenzen setzten, war es Zeit für ein von Grund auf neues Spielgerüst.

Und was uns Egosoft alles versprochen hat: Lebendige Stationen, lebendiger Weltraum, Leben überall! Eine echte Sandbox! Nun muss ich enttäuscht feststellen: Es war, wie befürchtet, vielfach nur PR-Gewäsch.

Angefangen bei der Co-Pilotin, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit meine Mutter zu spielen meint und ständig dieselben Sprachdateien abspielt. Das hatten wir alles schon in Darkstar One und da hat es auch nicht funktioniert. Dazu sieht sie noch absolut hässlich aus, was wiederum stark an X2 - The Threat erinnert. Kann sich noch jemand an die abartig widerlichen Charaktermodelle und -animationen von damals entsinnen? Dasselbe erleben wir nun erneut in X Rebirth. Egosoft scheint einfach kein Interesse an einem talentierten Figurendesigner zu haben. Von Lippensynchronisation brauchen wir gar nicht erst anzufangen.

Wo wir gerade bei Charakteren sind. Warum sehen eigentlich die gefühlte Hälfte der Frauen aus wie eine achtzigjährige Großmutter, die gerade aus ihrem eigenen Grab gestiegen ist? Soll dadurch die Co-Pilotin hübscher wirken? Ich hätte nie gedacht, dass wir mal einen Beauty Patch alá Elder Scrolls für X brauchen! Dabei scheint zumindest ein Egosoft-Mitarbeiter einen gesunden Frauengeschmack zu haben, wie man an den Werbebannern für die Tanzbars erkennen kann.

Kommen wir zum "Leben" in den Stationen. Das besteht aus einer Handvoll regungslos herumstehender und ebenfalls abstoßend aussehender Figuren, mit denen wir keineswegs interagieren. Uns interessiert nur das Icon über deren Kopf. Könnte genausogut ein seelenloser Laptop sein. Nicht mal in der Tanzbar wird getanzt. Auch da wird nur rumgestanden und mit dem Icon über dem Kopf kommuniziert. Stattdessen kann man durch Lüftungsschächte krabbeln und herrenlose Kisten durchsuchen. Derartiges Verhalten würde heutzutage an Bahnhöfen oder Flughäfen eine sofortige Verhaftung wegen Terrorverdachts nach sich ziehen. Im X-Universum, wo vor den Stationen mit echten Waffen herumgeballert wird, gilt das stattdessen als akzeptable Einnahmequelle.

Nun das Leben im Weltall: Ja, da fliegen eine Menge Schiffe herum, alle bemannt von identisch stoischen Drohnen mit denselben Standardsätzen wie schon in den Vorgängerspielen. Es sind nur deutlich mehr geworden. Dasselbe gilt für die anheuerbaren Crews. Aus diesem Feature hätte man so viel mehr machen können, doch sie sind alle gleich. Seelenlose, beliebig austauschbare Drohnen.

Bis hierhin könnte ich das Spiel noch ertragen, da früher oder später ohnehin ein Modder die Co-Pilotin knebelt und eine Art Fernbedienung für die ereignislosen Stationen programmiert. Wer dachte, die vorherigen Spiele wären kompliziert, der wird bei X Rebirth sein blaues Wunder erleben. Für jeden Landevorgang muss erstmal das Schiff verlassen werden; natürlich erst nachdem die Co-Pilotin ihre 1000x recycelte Sprachdatei abgespielt hat. Anschließend darf man drei Schritte laufen und dann wieder mit Icons über lippenunsynchronen Drohnen in Marionettenkörpern sprechen.

Das eigene Schiff fühlt sich zudem schnell an wie ein Gefängnis, aus dem man einfach nicht herauskommt. Weder über Außenkameras noch Schiffswechsel. Bernd wollte "GTA in Space", wie hier in der Produktbeschreibung schön zu lesen ist. Dabei hat Egosoft aber irgendwie vergessen, dass Außenansichten und Wagenwechsel in GTA nicht nur nutzloses Beiwerk sondern Kerninhalte des Spielkonzepts sind. Das Cockpit als solches nimmt 50% des Bildschirms ein, ist aber bis auf 2-3 übergroße Displays völlig statisch und unnütz --- und nicht abschaltbar!

Apropos Cockpit: Wir befinden uns hier in einer Hightec-Sci-Fi Welt, oder? Warum fehlt dann so etwas grundsätzliches wie ein Radar? Immerhin haben die großen Pötte sogar drehende Radarschüsseln, nur unser Stinktier nicht? Man kann sich weder in seinem 3D-Cockpit umdrehen, umsehen noch auf irgendeine andere erdenkliche Art feststellen, was um einen herum passiert. Das Blickfeld ist wie bei einem Vollinvaliden streng nach Vorn gerichtet.

Stinktier, Stinktier ... da war doch was. Ach ja, wer von Egosoft ist eigentlich auf die Idee gekommen, dem einzigen Spielerschiff einen derart unpassenden Namen zu geben? Dazu prangt sogar ein Logo von einem weiblichen Stinktier mit markant herausgearbeiteten Brüsten auf dem Schiff. Die Co-Pilotin und die Weltraumomas haben den Manga- und Großmutterfetischisten wohl noch nicht gereicht? Es musste auch noch der Furry Fetisch auf die Spieler losgelassen werden!

War das Handelssystem in den vorherigen X Spielen aufgeräumt und übersichtlich aufgeteilt (Schiffswerten, Equipment Docks, Trading Stations, Fabriken, etc) wird einem in X Rebirth die "Kommunikation" mit Personen aufgezwungen, die einen nach spätestens 10 Minuten mit demselben Standardtext zunächst langweilen und nach 30 Minuten in den Wahnsinn treiben. Man fühlt sich in die Börse der Zwanziger Jahre versetzt ... im Land der mimiklosen Schaufensterpuppen. Als wäre das noch nicht Folter genug, muss man an einem gewöhnlichen Spieltag locker 100x "Show me your wares, please" von der nervenfaserzerfetzenden Stimme des Spielercharakters anhören.

Das neue UI soll weniger komplex und kompliziert daherkommen. Egosoft hat diesen selbstgesteckten Anspruch mit vier übergroßen Buttons und einem Kreismenü alá Dragon Age und Mass Effect übersetzt. Anstatt nun alles bequem über den Joystick oder Tastatur durch übersichtliche Menüs kontrollieren zu können, schwenkt man den Kopf auf einen Bildschirm mit extrem häßlicher Karte, muss sich durch zigtausend übergroß geschriebene und schwer lesbare Untermenüs klicken und behält nur sehr mühsehlig den Überblick. Die UIs von Reunion bis Albion Prelude waren nicht perfekt, aber wenigstens erlern-, bedien- und gleichmäßig lesbar. Teile des UIs von X Rebirth scheinen mir für Konsoleros auf der Couch programmiert worden zu sein, während andere (Namen über Charakteren z.B.) wieder so winzig sind, dass man selbst am PC näher an den Bildschirm rücken muss.

Das neue Schnellreisesystem mit den Highways gefällt mir seltsamerweise überhaupt nicht, obwohl ich es in Freelancer als sehr atmosphärisch empfunden habe. In X Rebirth kann man sich sogar an schnellere Schiffe dranhängen. Trotzdem wirkt das ganze wie die (damals abschaltbare) Tunnelsequenz der vorherigen X-Spiele und erzeugt kein "Mittendrin"-Gefühl. Stattdessen sorgt es für eine Art Quicktime-Event, bei der man zwar irgendwas machen kann (Spuren wechseln, Highway verlassen), aber am Ende doch nur Zuschauer und 1-Taste-Drohne ist.

Weitere, völlig hirnrissige Spielkonzepte sind z.B. hörbare Polizeisirenen im Weltall. Da kommt wieder Bernd's oft zitierter Wunsch durch, GTA im Weltraum zu machen. Auch Funk- und Scannerreichweiten sind irgendwie auf Berührungsdistanzen geschrumpft. Heutzutage funkt ein Kriegsschiff von jedem Punkt der Erde bis zur Heimatbasis, egal, ob es gerade im Hafen liegt oder auf der anderen Seite der Welt im Packeis festsitzt. Das nennt man Satellitenkommunikation im 21. Jahrhundert. Aber in X Rebirth ist nach ein paar Kilometern Schluss! Balancing mit der Holzhammermethode ohne Sinn und Verstand.

Ein weiterer großer, wenn auch nicht unerwarteter Kritikpunkt ist die Performance. Mein System besteht aus einem Core i7 4770K mit 3.5Ghz und einer GeForce 660Ti. Man sollte meinen, X Rebirth darauf akzeptabel zum Laufen bringen zu können, doch ich kann heilfroh sein, wenn ich mal über 30 FPS komme - auf mittlerer Sichtweite & Co. Derartige Performanceeinbrüche gehören bei Egosoft aber zum guten Ton und werden hoffentlich bald gepatcht.

Fazit: Nach gut 3 Stunden kann man ein Spiel wie X Rebirth nicht vollständig beurteilen, darum halte ich mich sowohl mit einer vernichtenden als auch hochjubelnden Wertung zurück. Meine bodenlose Enttäuschung über die unzähligen verschenkten Möglichkeiten und die äußerst unsaubere Programmierung will ich aber dennoch zum Ausdruck bringen.

Wirklich unheimlich sauer bin ich auf diejenigen, die für die sogenannten "Charaktere" verantwortlich sind. Seelenlose Pappkameraden ohne Gestik und Mimik als ein "lebendiges Universum" anzupreisen, grenzt an Betrug am Kunden.

X Rebirth wird wie alle vorangegangenen Teile Jahre des Moddens benötigen, um wirklich spielbar zu werden. Das war zu erwarten und ist nichts Neues. Trotzdem hatte ich mir von Egosoft nach 7 Jahren deutlich mehr erhofft.

---

Update: Nachdem ich mich nun doch noch eine Weile zum Spielen durchringen konnte, bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich lachen oder weinen soll. Egosoft hat früher schon unfertige Spiele auf den Markt geworfen. Damit kann ich leben. Die Modder haben schon lange vor dem Release ihre Keyboards gewetzt und die Devs vermutlich ihren Weihnachtsurlaub dem Support untergeordnet.

Aber die bodenlose Frechheit, mit der hier das Herzblut der Generation X mit Füßen getreten wird, nur um den Kniefall vor der Generation Gamepad zu schaffen, entsetzt mich maßlos. Vorbei die Zeit der ausschweifenden Menüs und Statistiken, mit denen man ein wahrhaft beeindruckendes Imperium erschaffen konnte. Adé Flottenkommandanten und Großmogule. Auf Nimmerwiedersehen ihr Denker und Lenker. Tschüß ihr Simulationsliebhaber mit Langzeitmotivation.

Stattdessen willkommen ihr Gamepadspieler mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege.

Copy&Paste-Kisten durchwühlen und in Wartungsschächten krabbeln anstelle von Handelsroutenplanung. Geklonte Großmutterfiguren anstelle von verrauschten Funkübertragungen. Aufgezwungende Übergänge (Cockpit, Landung) anstelle von komfortablen Dockingcomputern. Herumirren in völlig identischen, leblosen und gruselig hässlich wirkenden Stationsgängen anstelle von epischem Entdeckergeist.

Dieses Spiel hat nur noch den Namen mit der Legende von X gemeinsam. Ich bin einfach nur entsetzt.
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