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Kundenrezension

am 10. März 2007
Nicht nur Fans von "The Doors" ist diese DVD nur zu empfehlen. Nach dem Anschauen dieser Drei-in-Ein-DVD fühlt man alle Seiten des Sängers und Dichters Jim Morrison - die wilde, verrückte, dunkle Seite, und die ruhige,

sentimentale, kindliche.

"Live at the Hollywood Bowl" (1968) ist ein komplettes Konzert der Doors,

gefilmt unter der Leitung des Organisten Ray Manzarek.

"When the music's over" ist ein gewaltiger Eröffnungs-Opus, das Orgelsolo

reibt gleich zu Beginn das Gehirn mit wunderbarem Psychedelica ein und macht klar, dass hier nicht irgendeine Gruppe auf der Bühne steht. Besonders befremdlich wirkt der Rülpser von Morrison (mit Lausbuben-Lachen) während einer ruhigen Stelle.

Der anschließende Alabama-Song (von Brecht(Weill) geht nach dem ersten Refrain gleich über in das Willie-Dixon-Cover "Back Door Man", welches auch

bald in den seltsamen Revolutionssong "Five to one" übergehen soll. In diesem Medley sind nicht die vollständigen Lieder enthalten, sondern eben nur Ausschnitte. Im Gegensatz zur Studio-LP "Strange Days" geht hier "Moonlight Drive" in "Horse Latitudes" über, lückenlos schließt sich der dritte und vierte Teil des grandiosen "The Celebration of the Lizard" an, dass es nie auf ein Studio-Album geschafft hat. Hier sieht man Morrisons Leidenschaft für Poesie... Wie er seine Worte in das Mikrophon schreit, qualvoll aus seinem Mund stößt, ... fast daran zerbricht... Magisch! Schön ist auch, dass "Spanish Carawan" in einer etwas verkürzten Live-Version zu hören ist - bisher nur in der Studio-Version erhältlich gewesen. Entgegen der Titelbezeichnung auf dem Cover folgt nun noch der zweite Teil von "The Celebration of the Lizard" (Wake up), und ganz unerwartet setzt "Light my fire" ein, in einer fast 10-minütigen "extended version", gefolgt von der berühmten Performance von "The Unknown Soldier". Den Abschluss macht der Klassiker schlechthin - "The End" mit vielen Improvisationen Morrisons, der einmal sagte, jedesmal, wenn er das Lied singe, bekomme es eine andere Bedeutung für ihn. Ein grandioses Finale... Das zum Abspann nochmal "When the music's over" kommt, finde ich ein bisschen überflüssig, weil so die Konzertstimmung ein bisschen flöten geht....

Der zweite Film "Dance on fire" versammelt u.a. Promo-Clips, Fernseh-Auftritte usw...Zwischen den Titeln befinden sich Auszüge aus Morrisons-Gedichten, die er selbst vorträgt und im Nachhinein vom Rest der Band mit Musik unterlegt wurden. Einiges stammt vom Album "American Prayer"...

Den Anfang macht "Break on through", der "original Elektra Records prome clip" - künstlerisch nicht DIE Offenbarung... Es schließt sich der etwas Amateurfilm-hafte Clip zu "People are strange" an, der doch aber sehr ausdrucksstark ist.

Es folgt der berüchtigte Auftritt in der Sullivan-Show, wo Morrison "Light my fire" singt ... mit der Textstelle "girl, we couldn't get much higher",

die er eigentlich vom Sender aus nicht singen sollte. (Robby Krieger konnte sich ein Lachen nicht verkneifen) - Jedenfalls hat Jim nicht so übertrieben in die Kamera gebrüllt wie im Oliver Stone - Film "The Doors".

"Wild Child" enthält neben Original-Aufnahmen amerikanischer Ureinwohner-Feste u.a. Einblicke in die Session bei der Studio-Aufnahme des Songs.

Daran schließt sich ein Film von Manzarek an, den er für das Lied "L.A. Woman" gedreht hat. Es ist ein knallbunter, metaphorischer, "mörderischer" Kurzfilm, in dem auch seltene Film-Aufnahmen von Jim Morrison zu sehen sind.

Danach dann der legendäre Clip zu "Unknown Soldier", bei dem Jim Morrison Regie führte. Die öffentliche Vorführung ist seit 1968 in den USA verboten.

Ein sehr bewegendes 68er-Dokument.

Das Filmmaterial, das im folgenden "Roadhouse-Blues" benutzt wurde, ist während der 68er-Tour gedreht worden und vermittelt einen unglaublich authentischen Eindruck von der elektrisierenden Luft, die ein Doors-Konzert umgab. Kreisende, manchmal randalierende Fans, treibender Blues-Rock und ein ausgeflippter Morrison, der sogar gefilmt wurde, als er auf der Bühne von der Polizei verhaftet wurde.

Nach soviel innerer Spannung ein Stück zum entspannten Zuhören- Morrison trägt sein Gedicht "Texas Radio and the Big Beat" im dänischen Fernsehen vor, dazu werden seltene Doors-Fotografien eingeblendet. Das Gedicht hat gerade sein Ende erreicht, da beginnt Robby Krieger schon sein "Love Me Two Times". Wieder sieht man seltsene oder berühmte Photographien.

Es folgt eine grandiose Live-Performance von "Touch Me", mit einem Bläserensemble und einem Robby Krieger mit blauem Auge.

Daran schließt sich das alptraumhafte "Horse Latitude" an (mit einem etwas langweiligem Video) und einer TV-Performance von "Moonlight Drive" mit kitschigen Kulissen.

Leider kommt danach "The End" in exakt der gleichen Audio-Video-Version vom ersten Teil der DVD - man hätte stattdessen die Soundstage-Performance aus Toronto für diese DVD-Zusammenstellung auswählen können.

Danach jedenfalls folgt noch das tief melancholische "Crystal Ship" mit passenden Filmszenen von Jim Morrison allein mit einer Weinflasche unter einem Baum oder von seiner Freundin Pamela, die im Wasser schwimmt - als wäre der Clip ein irgendwie trauriger Lebensrückblick. Dazwischen noch Szenen aus einer TV-Performance für "American Bandstand".

Den Abschluss macht das grandiose Adagio von Tommasso Albinoni, das The Doors mit Paul Harris arrangiert haben - zu sehen sind die Band auf einem großen Segelschiff, bei strahlendem Sonnenschein auf einem Meer.

Die Abspannmusik liefert "Riders on the storm", was ich persönlich einfallslos und etwas schade für dieses Lied finde.

Der dritte Teil "The Soft Parade" enthält auszugsweise das einzige Fernseh-Interview der Doors (optional mit deutschen Untertiteln), einer Ode an Friedrich Nietzsche, die Jim Morrison hinter der Bühne am Piano improvisiert und einem Gespräch zwischen Morrison und einem Wanderprediger.

Das erste Lied "The Changeling" begleitet durch eine gute Film-Auswahl von Doors-Material. "Wishful Sinful" ist eine Live-Performance im PBS, dazu gibt es wieder seltene Aufnahmen der Doors. "Wild Child" zeigt, was vor und während der Einspielung des Liedes im Studio ablief. Diskussionen, wer wie anfängt, wie das Lied aufhört, Sound-Checks... und ein konzentriertes Spielen mit einem vielleicht etwas angetrunkenen, kindischen Morrison.

"Build Me A Woman" ist ein "Outtake" aus der "Soft-Parade-Session" und wurde Live für die PBS gespielt. Darauf folgt "Unknown Soldier" und eine grandioses Collage aus allem bekannten Filmmaterial zu dem Song.

Der Opus "The Soft Parade" ist wieder eine PBS-Performance mit privaten Photos der Doors. Es ist die einzige Live-Aufführung des Songs gewesen, ein paar Tage nach Jimmys Verhaftung.

Der Abspann ist mit "Hello I Love You" unterlegt und dem entsprechenden Live-Video - ein Konzert auf einer Straße in Deutschland.

Die Bonus-Titel:

"Break on through" (live auf dem Isle of Wright - Festival)

Eine gewaltige, wirklich umwerfende Collage aus dem Besten der ganzen DVD.

"The Ghost Song" - ein Titel vom Album "American Prayer", auf dem Jim Morrisons Lyrik mit neuer Musik unterlegt wurde - nach dem Motto: "Bisschen funky - Gott sei danki". Zu sehen sind die drei noch lebenden Doors und seltene Filmaufnahmen aus Morrisons Film HYW. Schön ist auch der Kontrast zwischen dem alten Indianer Morrison im irgendeinem Bergsee badend und den Pressefotos des Jungen Löwen Jimmy.

Alles in allem eine großartige, abwechslungsreiche DVD, ziemlich günstig für das, was man geboten bekommt. Der Sound ist glasklar, das Videomaterial in bestmöglichem Zustand... Auch wenn entscheidende Doors-Lieder fehlen ("Not to touch the earth", "Strange Days", "End of the night" und "Love her madly") ist diese DVD ein Muss selbst für unentschlossene Sympathisanten von Jim Morrison, für Leute, die sich für die 60er Jahre interessieren und generell für alle, die auf knackigen, explosiven Rock/Blues, sentimentalen Nostalgietropfen und psychedelischer Avantgarde stehen.

Eine absolut empfehlenswerte DVD - auch für Filmkunst-Liebhaber. Man merkt,

dass Ray Manzarek (Keyboarder der Doors) und Jim Morrison auf der Filmhochschule waren - sie beweisen ein "professionelles Gespür" für die richtige, nein, perfekte Einstellung. Große Kunst, große Kunst...
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