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Kundenrezension

am 6. September 2009
Am stärksten ist das Buch da, wo es Darwin wiederaufwärmt. "Wissenschaft im Rückblich" ist das Fachgebiet der Autors, seines Zeichens apl. Professor für Geschichte der Naturwissenschaften. Doch viele Interpretationen sind eindeutig überspannt, vor allem wenn der Autor sich als Hobbypsychologe betätigt und versucht, die gesamte menschliche Psychologie evolutionär zu erklären.

Dem Buch fehlt eine differenzierende, durchaus auch kritische Rückschau auf Darwin, z. B. in der die Evolutionsbiologie bis heute dominierenden Tendenz, die Evolution als eine frühkapitalistische Veranstaltung zu konzipieren. Anstatt unkritisch Darwin immer wieder aufs neue nachzubeten, könnte man von einem Wissenschaftshistoriker etwas mehr Reflexion erwarten (z. B. mit Blick auf den erheblichen Einfluss, den der vormalige Theologe und spätere frühkapitalistische Nationalökonom Malthus auf Darwin hatte). Auch Darwins Selektionsprinzip wird nur brav nachgebetet. Unerwähnt bleibt, dass die meisten Arten ihren Untergang nicht dem Feinschliff der Selektion, sondern wiederholten globalen Öko-Mega-Katastrophen verdankten (Jack Sepkoski).

Zur Darwinreflexion eines Wissenschaftshistorikers würde meines Erachtens auch gehören, die fatalen Folgen der Darwin-Rezeption in Deutschland zu reflektieren, beginnend mit dem Rassismus Ernst Haeckels (Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene), weiter über Alfred Hoches "Lebensunwertes Leben" bis hin zum Wirken von Hans F. K. Günther, auch "Rasse-Günther" genannt. Sie alle bezogen sich ausdrücklich auf Darwin, der dafür natürlich nicht haftbar gemacht werden kann. Doch darf bzw. muss man diese nachhaltigen Folgen Darwins nicht reflektieren? Erlaubt das die Giordano-Bruno-Gesellschaft nicht? Ist das schlecht für die Karriere?

Schliesslich fehlt dem Buch ein Blick auf die moderne Evolutionsgenetik, die so manche Überraschung parat hält (siehe dazu Joachim Bauers feines Buch "Das kooperative Gen" und meine dortige Rezension). Dass die Entstehung neuer Arten das additive Produkt von Zufallsmutationen ist, war schon bisher reine Spekulation. Nach der Komplettanalyse des Erbgutes von Tausenden von Arten und der Entdeckung der Bedeutung der Transposons ist diese Sicht der Dinge aber so nicht mehr haltbar. Erst durch die moderne Evolutionsgenetik (und durch das von ihr aufgedeckte evolutionäre Prinzip der Genduplikation) wird auch der systematische Komplexitätszuwachs im Verlauf der Evolution erklärbar, den weder Darwin noch die Evolutionsbiologie bis heute zu erklären vermochten.

Mein Resüme: Ein Buch, das zwar keinen Schaden anrichtet, aber erhebliche Defizite aufweist.
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