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Kundenrezension

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Als Elektra die Noten davonflogen, 13. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Elektra (Audio CD)
Singuläre Musikereignisse sind selten. Meist erklingen die gleichen Konzerte und Opern in kurzen Abständen hintereinander – mit selber Besetzung und Dirigenten und am selben Ort. Bei der Elektra, die als Gastvorstellung der Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann in der Berliner Philharmonie gegeben wurde, war das jedoch anders. Der Abend des 28. Januars 2014 brachte alles mit, um zum außergewöhnlichen Opernmoment zu werden. Ich hatte das Vergnügen, dabei zu sein! Und nun ich habe die große Freude, den Abend endlich auf CD zu haben!

(Die neue Dresdner Elektra muß sich mit derjenigen Thielemanns am Pult der Münchner Philharmoniker bei den Festspielen Baden-Baden (2010, auf DVD/Blu-ray) messen. Ich will es kurz machen: Die neue Elektra ist die bessere! Und das hat mehrere Gründe.)

Strauss-Orchester par excellence im Einsatz

Die Dresdner Staatskapelle, das Uraufführungsorchester von 1909, scheint Thielemann voller Spielfreude durch Himmel und Hölle zu folgen. Dabei glänzt sie mit dem ihr eigenen brillanten Klang. Es ist fesselnd zu hören, wie dieser traditionsreiche Klangkörper mit seinem Chef harmoniert.

An diesem Abend zeigte die Kapelle mit ihrem differenzierten, glasklaren Spiel, warum sie als DAS Strauss-Orchester gilt. Bald weich und samtig ihr Klang, bald messerscharf. Eine wahre Meisterleistung an Ausdruckskraft und Flexibilität. Auf dem Podium entsteht ein mitreißendes, exzellent musiziertes Drama.

Sänger von Weltrang

Die Besetzung der konzertanten Aufführung liest sich wie das Who-is-who des deutschen Operngesangs. Der szenischen Aktion weitgehend entbunden, konzentrieren sich die Sänger noch mehr auf die gesangliche Darbietung. Allen voran Evelyn Herlitzius, die durch die gewonnene Gestaltungsfreiheit um so mehr zur Parade-Elektra wird und in dramatisch-rachsüchtiger Entrückung schon mal den festgepackten Notenständer eruptiv vom Podest ins Orchester stößt. Niemandem ist etwas passiert, es hat die Musiker nicht gestört, aber es zeigt, wie sehr Herlitzius an diesem Abend in ihrer Rolle steckte. Gewaltige Gefühlsregungen, pure Energie, stimmlich überragende Gestaltung und eine betörende Aura (trotz des konzertanten Abends) zeichneten ihren Auftritt aus.

Anne Schwanewilms gibt eine zurückgenommene, verletzliche und damit sehr authentische Chrysothemis. Waltraut Meier ist weniger eine verbitterte Klytämnestra, als vielmehr ein von Angst gebrochenes Wesen, das durchaus Mitleid erregt. Wenngleich sie auch bitterböse aufzutrumpfen versteht. Dunkel und kraftvoll gestaltet René Pape seinen Orest. Der verhaßten Mutter und ihm hätte man gern noch mehr Text gegönnt. Die Nebenrollen überzeugen ebensosehr und runden das herausragende Gesangsensemble ab.

Der Strauss-Dirigent unserer Tage

Es ist natürlich der derselbe Thielemann wie 2010, der hier am Pult steht, und irgendwie auch nicht. In den letzten Jahren, so scheint mir, ist sein Dirigat noch ausgeklügelter geworden – Handwerk, Handwerk, Handwerk und dann die Kunst. Er sieht sich zu Recht als Kapellmeister. Seine Bewegungen sind sparsamer, gebündelter geworden – der spätere Strauss pflegte diesen wirkungsmächtigen Minimalismus des Dirigats selbst. Vis-à-vis sitzend, war zu beobachten, wie Thielemann auf "Tanzeinlagen" und "Explosionsgebärden", die einigen Maestros so zu eigen sind, verzichtete und jeden Moment des Spiels seiner Kapelle hochkonzentriert überwachte und modifizierte. Auch das machte das Opernereignis einzigartig: Thielemann paßte die Musik unentwegt der Philharmonie und besonders den Sängern an, ständig mit der Linken dämpfend oder anheizend – zu jeder Zeit aber kontrollierend.

Zur geäußerten Kritik

Es wurde gelegentlich moniert, daß Thielemann und die Staatskapelle etwas brauchen würden, um in Fahrt zu kommen. Dem halte ich entgegen, daß diese Oper eine innere Dynamik, einen dramatischen Aufbau hat. Am Anfang steht nun einmal eine Momentaufnahme im Leben Elektras; ein racheerfülltes Leben, das mit der Nachricht von Orests vermeintlichem Tod schnell an Fahrt gewinnt. Und zu Beginn kommt die Interpretation keinesfalls gemächlich daher.

Eine Randnotiz

Was auf CD 2 zwischen Titel 16 ("Ob ich nicht höre?") und Titel 17 ("Hörst du denn nicht") wie ein Fehler beim Schnitt anmutet, hat sich nach Rücksprache mit der DG und Überprüfung anderer Aufnahmen lediglich als ein etwas ungünstiger Moment für einen Titelübergang herausgestellt. Anders als zuvor von mir vermutet, also kein Mangel seitens der Produktion, sondern Absicht. Der Moment ist zwar unglücklich gewählt, der Fluß der Musik aber dennoch ununterbrochen und vollständig.

Am Ende des Abends...

... stand eine Aufführung, die für ihre Geschlossenheit, ihre Expressivität und die grandiose Leistung aller Beteiligten vom Publikum frenetisch gefeiert wurde – auf der CD zum Teil zu hören. Das Besondere des Moments war wohl allen bewußt. Und auch die Titelfigur fand unter dem Jubel wieder ihren Weg von der rachetrunkenen, vor Haß gleißenden Elektra zurück zur sympathischen Sopranistin, die diesen Abend nun endlich auch mit einem Lächeln überstrahlte.

Die Deutsche Grammophon gibt mit ihrer Veröffentlichung einen Eindruck von dem zweifellos singulären Opernereignis dieses Berliner Abends, an dem einer atemberaubenden Elektra die Noten davonflogen.

(Das Begleitheft ist in englischer, deutscher und französischer Sprache.)
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.01.2015, 11:45:09 GMT+1
Pelleas07 meint:
Beim Festival in Aix-en-Provence beeindruckt Herlitzius in der Rolle der Elektra (Inszenierung: Patrice Chéreau; DVD) ebenfalls durch eine enorme körperliche, beinahe schon sportive Präsenz.

Die "Elektra" aus Baden-Baden zeichnet sich dafür durch eine absolut meisterhafte Inszenierung durch Herbert Wernicke aus - ebenfalls eine Sternstunde.
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