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Kundenrezension

10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen bleibt blass, 27. März 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie (Gebundene Ausgabe)
Marion Brasch erzählt in "Ab jetzt ist Ruhe" die Geschichte ihrer ungewöhnlichen Familie. Beide Eltern sind jüdischer Herkunft und sind nach dem 2. Weltkrieg aus dem englischen Exil in die DDR gegangen. Der Vater als überzeugter Kommunist, um ein besseres Deutschland aufzubauen, die Mutter, die aus großbürgerlichen Wiener Verhälntissen kam, eher wiederwillig. Marion hat drei ältere Brüder, allemsamt Künstler, am bekanntesten ist wohl ihr ältester Bruder Thomas Brasch, der sich als Schriftsteller und Regisseur einen Namen machte.
Marions Familie ist zutiefst zerissen. Da sind zum einen die Konflikte zwischen den Eltern. Der Vater ist ein dogmatischer Parteifunktionär, die Mutter hat in der kleinbürgerlich-piefigen DDR nie eine Heimat gefunden. Auch zwischen dem Vater und seinen Söhnen setzten sich diese Konflikte fort. Die Söhne rebellieren gegen den Staat ihres Vaters. Der älteste muss ins Gefängnis - er hat illegale Flugblätter verteilt - und verlässt später die DDR. Der mittlere nimmt sich das Leben und der jüngste ist Alkoholiker un lebt davon Kindermärchen zu schreiben, in denen Eltern zwischen den Zeilen eine Kritik am System erahnen können. Für die Konflikte seiner Söhne bringt der Vater keinerlei Verständnis auf, veilleicht auch weil er mit jedem Fehlverhalten seiner Söhne degradiert wird und sich für deren mangelnde Erziehung verantworten muss. Die sehr viel jüngere Marion wird bei Streits meist aus dem Zimmer geschickt. Auch später nimmt sie immer wieder die Position der Vermittlerin ein und leidet zeitlebends unter dem mangelnden Respekt ihrer Brüder.
Marion Brasch beschränkt sich konsequent auf die Erzählperspektive ihres kindlichen bzw. jugendlichen Ichs. Sie versucht ihre damaligen Erfahrungen und Erinnerungen wiederzugeben, fügt diesen jedoch keinerlei nachträgliche Reflektionen hinzu. Besonders auffällig wird das zum Beispiel in einer Szene, in der einer ihrer Brüder ihr erzählt, ihre Mutter habe ihm gesagt, sie könne Marion nicht besonders leiden. Marion wehrt diese Aussage ab, sie sei nicht war. Dass sie diese Episode aufnimmt, zeigt wie bedeutsam sie für sie gewesen sein muss. Sie berichtet jedoch nicht, wie sie sich dabei danach gefühlt hat, wie dieses Ereignis ihr Verhältnis zu ihrer krebskranken Mutter verändert hat oder wie sie als Erwachsene damit umgegangen ist, dass ihre Mutter sie nicht besonders geliebt hat.
Auch ihre Brüder bleiben trotz der zentralen Stellung, die sie im Leben ihren Schwester eingenommen hatten, merkwürdig blass. Dazu passt, dass die engsten Familienmitglieder namenlos bleiben. Marion Brasch hatte offensichtlich wenig Möglichkeiten ihre Brüder wirklich kennenzulernen. Es geschieht aber auch keine nachträgliche Annäherung.
Auch ihr Verhältnis zum Staat reflektiert Brasch nicht im Nachhinein. Marion ist unpolitisch. In die Partei tritt sie ihrem Vater zuliebe ein, ist von pflichtmäßigen Parteiversammlung aber genervt. Das politische System empfindet sie in der Tat eher als nervig, als als bedrohlich oder wirklich einengend. Die mangelnden Konsummöglichkeiten scheine für sie ein größeres Problem zu sein als politische Einschränkungen. Braschs Erzählung ist sehr ehrlich, sie versucht sich nicht im nachhinein eine Widerstandsbiographie zu schneidern. Ihr Verhältnis zum Staat ist sicherlich sehr typisch für das vieler DDR-Bürger und mag sowohl das lange Bestehen der DDR als auch ihr plötzliches Ende besser zu erklären, als die Erinnerungen von Dissidenten, die meist im medialen Fokus stehen.
Trotzdem ist die engesschränkte Perspektive, die Brasch wählt, für den Leser eher unbefriedigend, weil sie sehr an der Oberfläche bleibt, viele Fragen unbeantwortet lässt. Ich hatte das Gefühl, als würde die Autorin sich immer noch klein machen im Vergleich zu ihren intellektuelleren Brüdern. Auch sprachlich ist das Buch kein Meisterwerk, es lässt sich aber gut lesen.
Das Buch ist dennoch lesenswert, weil es die Geschichte einer wirklich ungewöhnlichen, interessanten Familie erzählt. Und weil einige Passagen, die das Verhältnis zu den Eltern beschreiben, herausragen und ein Gefühl für diese schwer beschädigte Familie vermitteln.
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