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Kundenrezension

54 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugendes Mittelstück der Passagen-Trilogie, 5. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Zwölf: Band 2 der "Passage-Trilogie" - Roman (Gebundene Ausgabe)
In der BRIGITTE (ja, ab und zu blättere ich darin rum) habe ich von der Legende der Entstehung der Passagen-Trilogie gelesen. Justin Cronins Tochter fragte ihren Vater, warum er denn nicht eine Geschichte über ein Mädchen schreibt, dass die Welt rettet. Dann setzte er sich an den Schreibtisch und begann die Passagen-Trilogie zu schreiben. Der erste Band, DER ÜBERGANG (THE PASSAGE) wurde ein Riesenerfolg, die Filmrechte gingen schon lange vor Erscheinen für weit über eine Million Dollar an 20th Century Fox und Ridley Scott ist als Regisseur für die Verfilmung im Gespräch. Sogar in Deutschland gab es eine gebundene Ausgabe bei einem großen Verlag (Goldmann/Random House), was in diesem Genre eigentlich sonst nur Stephen King und Dean Koontz vorbehalten ist.

Im ersten Band wird auf über 1000 Seiten die Geschichte vom Untergang der Zivilisation erzählt, der durch einen Virus ausgelöst wird, der die Infizierten in vampirähnliche Wesen verwandelt und von dem Erstinfizierten (Zero) und den direkt von ihm infizierten (Die Zwölf) verbreitet wird. 93 Jahre später ist es Amy Harper Bellafonte, die auch irgendwie mit dem ominösen Virus infiziert ist, die zusammen mit einigen menschlichen Mitstreitern versucht, die bestehende Ordnung und die Macht von Zero und den Zwölf zu brechen. Das ist natürlich grob verkürzt und wird dem Inhalt von DER ÜBERGANG in keinster Weise gerecht, aber hier geht es ja auch um den zweiten Teil:

DIE ZWÖLF (THE TWELVE) kann man grob in drei verschiedene Zeitebenen unterteilen. Der Großteil des ersten Drittel des Buches spielt in der Zeit des Ausbruchs des Virus. Die Geschichte vom Direktor der Behörde (Horace Guilder), die verantwortlich für das Projekt Noah ist, das den Ausbruch hervorgerufen hat, und einiger der ersten Infizierten (u.a. Lawrence Grey) wird erzählt. Außerdem wird der verzweifelte Kampf der Menschen, die sich sowohl vor den Virals (wie die Infizierten genannt werden) als auch vor dem Militär schützen müssen, in Einzelschicksalen beschrieben. Danach wird kurz auf die Vorgeschichte von General Vorhees, den man aus DER ÜBERGANG kennt, und einen Virals-Angriff, der später im Buch noch von Bedeutung gewinnt, eingegangen. Die letzten zwei Drittel des über 800 Seiten starken Romans spielen fünf Jahre nach den Hauptgeschehnissen des ersten Bandes der Trilogie. Ohne zu viel vom Inhalt zu verraten, sei gesagt, dass dort die Geschichte der meisten Pro- und Antagonisten aus dem ersten Band weitererzählt und natürlich auch die im ersten Drittel des Buches angefangenen Erzählstränge weitergeführt werden. Das Ende des Romans bietet für ein Trilogie-Mittelstück eine recht erfreuliche Auflösung. Trotzdem bleiben noch genug offene Fragen, die die Spannung auf den dritten Teil (THE CITY OF MIRRORS, voraussichtlicher US-Erscheinungstermin 2014) hoch halten.

Endzeit-Trilogien scheinen gerade in Mode zu sein. In dem von mir zuvor besprochenen zweiten Band der Newsflesh-Trilogie von Mira Grant oder in Z. A. Rechts Toten-Trilogie (vielleicht durch seinen frühen Tod nur ein Dreiteiler?) sind es durch einen Virus infizierte Zombies, die das Ende der Welt, wie wir sie kennen, hervorrufen; in Cronins Trilogie sind es Vampire (mehr oder weniger). Aber ein Trend ist schon zu erkennen. Der erste, leicht erkennbare, Unterschied zu den von mir erwähnten Zombie-Mehrteilern ist schon einmal der Umfang. Die beiden bisher erschienenen Bände sind ca. 1000 Seiten stark. Da kann sich Autor schon einmal austoben. Darum bietet auch DIE ZWÖLF einige Handlungsstränge, denen allen zu folgen, erstens nicht immer einfach ist, und zweitens sind auch nicht alle gleich interessant bzw. spannend. Darum haben mich einige Kapitel, die vielleicht wichtig für den Fortgang der Handlung waren, eher gelangweilt. Das hätte man entweder kürzer oder spannender machen können. Aber wahrscheinlich bleibt das bei einem Roman dieser Länge, der auch noch als Mittelteil eines noch längeren Gesamtwerks ausgelegt ist, gar nicht aus.

Aber was ich hier betreibe ist Meckern auf hohem Niveau. (Und damit meine ich ganz bestimmt nicht mein Meckern.) Über die Länge des Romans schafft es Cronin immer wieder Spannung aufzubauen. Schon der Prolog, in dem ein weit in der Zukunft spielendes Werk biblischen Charakters „zitiert“ wird, macht durch seine Anspielungen neugierig auf das , was da noch kommen mag und gibt im Endeffekt auch Hoffnung auf ein heilbringendes Ende der Trilogie. Diese Spannung wird den ganzen Roman über, mal mehr und mal weniger gehalten, so dass man gerne bis zum Ende dabei bleibt und mit den durch die Bank sympathischen Hauptfiguren mitfiebert.

Zum ganz großen Wurf fehlt in meinen Augen nicht viel. Durch die vielen Protagonisten verliert sich zwar manchmal die Struktur des Ganzen. Aber trotzdem werden die allermeisten Handlungsstränge zum Ende hin aufgelöst und das, obwohl noch ein dritter Band folgen wird. Cronin hat es geschafft, mich über so viele Seiten interessiert bei der Stange zu halten, mir einen befriedigenden Abschluss zu bieten und dabei trotzdem noch so viele mögliche Enden offen gelassen hat, dass ich den dritten Band der Trilogie kaum erwarten kann.

Fazit: Mittelstück einer groß angelegten Vampir-Dystopie-Trilogie. Freunde des Genres bekommen das, was sie erwarten. Es ist nicht die Neuerfindung des Rads, aber sehr, sehr gute Genre-Kost. Jeder, der sich denkt, warum schreibt Stephen King nicht mal wieder einen 1-A-Horror-Roman, sollte zu dieser Trilogie greifen. Zwar hat Cronin (noch) nicht die erzählerischen Qualitäten, die King gerade in letzter Zeit (zwar nicht unbedingt im Genre) wieder zeigt, aber er kommt dem schon ziemlich nahe. Nehmt euch die Zeit, lest erst den ersten Band (DER ÜBERGANG) und dann DIE ZWÖLF. So viel in dieser Qualität ist in letzter Zeit im Horror-Genre nicht erschienen.

Die Originalrezension befindet sich auf meinem Blog (siehe Profilname)
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.11.2013 22:09:35 GMT+01:00
intanetti meint:
Tolle Rezi! Ich finde auch, daß Cronin vom Schreibstil her King recht ähnlich ist... Absolut mein Geschmack!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.08.2014 23:41:13 GMT+02:00
Ich finde diese Rezi ebenfalls klasse,und habe mir den ersten Band eben deswegen zugelegt!Nun habe ich die ersten 244 Seiten gelesen und bin begeistert! Der zweite Band ist schon bestellt:-)

Veröffentlicht am 02.12.2014 17:25:28 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.12.2014 17:27:26 GMT+01:00
Schnuffi meint:
Darf ich an dieser Stelle mal eine Frage zum Verständnis beider Teile stellen? Und vielleicht auch meine Meinung über das Ende des 2. Bandes äußern?
An dieser Stelle nebenbei noch einmal eine Spoilerwarnung:

ACHTUNG, SPOILER!!!!

Kann mir jemand sagen, was genau mit Amy jetzt passiert ist? Ist sie jetzt tot? Lebt sie, komplett zum Viral transformiert (oder immernoch in menschlicher Gestalt?) und wartet nun zusammen mit Carter auf Zero?
Ist Carter auch noch am Leben oder ist auch er bereits tot bzw in irgendeiner Art Zwischenzustand? Das Ende kam mir ein wenig zu sehr verwirrend vor.
Zero scheint jetzt die letzte Bedrohung zu sein, was die Virals angeht. Hat er seine eigenen Vielen oder erschuf er nur die Zwölf, von denen jetzt nur noch Carter übrig ist?

Ich fand es auch ein bisschen dusselig, dass Wolgast sich unter die 10 mischen konnte, ohne dass die anderen das mitbekommen haben. Das lässt die großen bedrohlichen 12 irgendwie in einem jämmerlichen Licht dastehen, zuaml sie doch alle die Gedanken ihrer Brüder hören können. Kann mir das jemand erklären?
Mir haben beide Bände sehr gut gefallen, aber das oben beschriebene verstehe ich nicht wirklich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.12.2014 17:39:18 GMT+01:00
zsuzsa vaczi meint:
Ich bin auf Seite ca. 300. Habe hier reingeschaut, um aus den fünf - Sterne Rezensionen Schwung zu schöpfen - und überlege jetzt das Buch wegzulegen....

Wenn Ihnen das Buch gefallen hat und trotzdem nicht sagen können, was mit der Hauptperson passiert sei, dann kommen mir Zweifel, ob das tatsächlich ein so gutes Buch ist...Grüße

Veröffentlicht am 26.01.2016 21:16:10 GMT+01:00
Felix meint:
mich wundert auch dass viele 1 stern geben und andere begeistert sind
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