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Kundenrezension

am 27. Februar 2011
Unvorstellbar erscheint es, sich Amy Chuas Erziehungsmethoden ernsthaft zum Vorbild nehmen zu wollen. Die chinesischstämmige Juraprofessorin an der Yale University lässt ihren beiden Töchtern schon in frühester Kindheit keine Wahl, ob und welches Instrument sie spielen wollen. Das "A", die bestmögliche Note in amerikanischen Schulen, ist für sie die einzig akzeptable. Verabredungen zum Spielen, Theater-AGs in der Schule oder gar Übernachten bei Freunden sind tabu, weil als nutzlos erachtet. Dafür gibt es sieben Tage die Woche meist fünf bis sechs Stunden musikalischen Drill. Glück ist kein Kriterium chinesischer Erziehung, sagt Chua, auch nicht Demokratie oder Solidarität - und Selbstbestimmung schon gar nicht. Disziplin zum größtmöglichen Erfolg ist das Ziel. Und dieses verfolgt Chua kompromisslos.

Es ist fraglich, ob das Verhalten der Wirtschaftsjuristin mit der UN-Kinderrechtskovention in Einklang zu bringen wäre. Aber Recht und Moral stehen hier nicht zur Rezension, sondern der Bericht Chuas über ihren Weg, der in seinen besten Passagen eine durchaus minutiöse und schonungslose Fallanalyse einer Pädagogik darstellt, die Chua als "Chinese parenting" umschreibt. Sie steht in Kontrast zum "Western parenting", dessen Ideale von freier Entfaltung und kindlicher Autonomie Chua völlig fremd bleiben. Dabei liefert das Buch m.E. kein Plädoyer für autoritäre Leistungszucht. Zu oft macht Chua deutlich, dass sie sich ihrer Sache zwar immer sehr sicher gegeben hat, sich aber keineswegs immer sicher war.

Fragen bleiben dennoch offen. Was repräsentiert dieses Buch, und für wen ist es geschrieben? Eine außergewöhnlich begabte und erfolgreiche Yale-Professorin, verheiratet mit einem außergewöhnlich begabten Yale-Professor, Bestseller-Krimiautor und Beinah-Top-Schauspieler, beschreibt den Weg Ihrer beiden außergewöhnlich (wenn nicht hoch-) begabten Töchter zu musikalischen Höchstleistungen. Wem sollte das zum Beispiel dienen können? Die beiden Mädchen halten die Höchstanforderungen Ihre Mutter vermutlich nur deshalb so lange aus, weil ihre Talente ihnen das ermöglichen. Die radikale Disziplinierung führt zu großen Erfolgserlebnissen bei genau diesen Kindern. Das macht die Situation für sie erträglich, die meisten weniger begabten würden Gefahr laufen unter dem Druck zu zerbrechen.

So bleibt das Buch nur ein Einblick in einen exotisch-asiatischen Extremfall von Höchstleistungs-Erziehung unter den Bedingungen der westlichen Welt. Sie wäre noch nicht einmal dann adaptierbar, wenn sie moralisch weniger fragwürdig erschiene. Zudem ist irritierend, wie marginal die Rolle des Vaters ausfällt. Seine Einwände werden vielleicht zur Kenntnis genommen, Frau Chua führt aber so selbstverständlich wie unhinterfragbar das Zepter. Weitgehend unreflektiert bleiben auch die pädagogischen Opportunitätskosten: Die Ausbildung sozialer Kompetenz der Mädchen, soweit darunter mehr zu verstehen ist als bloßes gutes Benehmen, wird noch nicht einmal erwähnt. Freundschaften spielen kaum eine Rolle, die Familie ist der alleinige verfügbare Dreh- und Angelpunkt - für alle Beteiligten. Verglichen allerdings mit Buebs "Lob der Disziplin" spielt Chuas Buch durchaus in einer höheren Liga. Sie schreibt tatsächlich über Disziplin, wo Bueb unreflektiert nur Gehorsam meint. Chuas Töchter wissen, worum es bei dieser pädagogischen Tour de Force geht, die letztlich doch von Mutterliebe getragen scheint.

Schriftstellerisch hat das Buch seine Schwächen. Der Spannungsbogen bricht oft zusammen unter dem Gewicht unaufhörlicher Superlative. Die Selbstironie Chuas erleichtert zwar das Lesen, wirkt zuweilen aber ziemlich bemüht. Die schwere Erkrankung ihrer Schwester ist zwar dramatisch, Chua bleibt jedoch die Antwort schuldig, was das mit dem Thema "Tiger Mother" zu tun hat.
Ich habe dem Buch trotzdem drei statt zwei Sterne gegeben. Nicht weil ich mit der Methode auch nur entfernt einverstanden wäre. Aber immer noch bringt mich das Buch zum Nachdenken. Ganz schlechte Bücher können das nicht.
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