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Kundenrezension

am 18. November 2003
„Mord im Auftrag Gottes", im Original eigentlich „Under the Banner of Heaven. A Story of Violent Faith (dt. „Unter dem Banner des Himmels. Eine Geschichte gewalttätigen Glaubens") bietet dem deutschsprachigen Leser zum ersten Mal Gelegenheit einen Einblick in historische Hintergründe und Grundlagen der sog. „Mormonen" (eigentlich „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" (sic!, hiernach KJCdHLT) zu erfahren. Oberflächlich betrachtet könnte man vermuten, dass Krakauer einen Bericht über ein geistesgestörten, religiösen Fanatiker schreibt, der eiskalt Menschen tötet, indem er ihnen die Kehle aufschlitzt. Getrieben durch „Gottes Willen", genauer „der feinen, leisen Stimme", und der Unterstützung seines Bruders, meint der ehemalige „Mormone", Dan Lafferty, eine Frau und ein Kleinkind im Gottesauftrag „vernichten" zu müssen. Man fragt sich was einen Menschen dazu treibt, auf äußerst brutale Art und Weise Leben zu vernichten. Krakauer beschreibt eindringlich den Weg der Lafferty Brüder, zeigt dem Leser auf welche Motive, aber auch welche Voraussetzungen notwendig waren, damit solche Morde geschehen konnten. Wie der Titel im Original verdeutlicht, ist hierzu u.a. ein „gewalttätiger Glauben" notwendig. Nun könnte man meinen, dieser Glauben begründet sich in der religiösen Überzeugung nach der ursprünglichen Mitgliedschaft in der KJCdHLT. Die Lafferty Brüder waren anschließend sog. „fundamentalistische" Mormonen, ein Begriff den Mitglieder der KJCdHLT scheuen, wie der Teufel das Weihwasser, da sie meinen, sie selbst wären die einzigen, wahren „Mormonen." Kurios insb. deshalb, weil es sich hierbei um einen Spitznamen handelt, den Außenstehende in früheren Zeiten der KJCdHLT verpassten, weil diese an ein „Buch Mormon" als heilige Schrift glauben. „Fundamentalistische" Mormonen zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass sie glauben, das die KJCdHLT vom ursprünglichen Glauben „abgefallen" ist. Spätestens seit dem Jahr 1890, wo die Mormonen verkündeten, sie ihre über 50 Jahre in Kirchenkreisen praktizierte Vielehe (Polygamie, Vielweiberei etc.) aufgeben würden. Wobei die Kirchenführer in den ersten Jahren die amerikanischen Bürger, ja sogar 95% ihrer eigenen Mitglieder über diese Praxis belogen und getäuscht hatten. Nichtsdestotrotz seit 1852 meinten der „Welt" die Praxis der Vielehe als Gotteswillen verkünden zu müssen. Bis zu dem Tag, wo die USA die Kirche am Rande des Ruins getrieben hatte. Bis 1890 verkündeten (das sog. „Manifesto")die „Propheten" der Mormonen, dass „Gott größer als die Vereinigten Staaten" sind, Polygamie ein „göttliches Gesetz ... direkt von Gott gegeben" sei." Sie nur „Gott gehorchen" würden. So z.B. der „Prophet" John Taylor noch im Jahre 1880. Die Kirche beugte sich nach außen hin den Realitäten des Drucks der US-Wirklichkeit. In Wirklichkeit wurde für einige Jahre die Außenwelt weiterhin getäuscht und belogen. Erst Anfang des nächsten Jahrhunderts wurde die Polygamie endgültig untersagt. In der heutigen Zeit ist es Mormonen strikt untersagt in Vielehe zu leben. In der Folge rochen viele Mormonen „Verrat" an den göttlichen Prinzipien und verließen die Kirche und gründeten z.B. die „Fundamentalistische KJCdHLT". Bis zum heutigen Tag verkünden immer wieder ehemalige Mormonen die „wahren" Lehren die ihre Kirchengründer verkündet hat. Neben der Vielehe gehören jedoch auch die „Blütsühne" dazu, wonach Verräter am Glauben ihre Sünden nur dadurch sühnen können, indem sie ihr eigenes (!) Blut vergießen. Verräter wurden u. a. durch Aufschlitzen des Halses getötet. Eine Praxis die selbst modernen Mormonen völlig unbekannt ist, oder vehement bestritten wird. Hier schließt sich nun der Kreis, denn jeder Fundamentalist dieser Art erinnert die KJCdHLT auf höchst peinliche Art an ihre eigene Historie, die so gern unter den Teppich gekehrt, oder apologetisch verharmlost wird. Krakauer beschreibt geschickt die Entwicklung und Hintergründe der Ritualmorde wie sie 1985 geschahen, schiebt stets an passender Stelle historische Hintergründe und Grundlagen der frühen KJCdHLT ein. Dem Leser wird auf frappierende Weise mehr und mehr klar, dass die im ersten Moment unfassbare Gewalttätigkeit der Lafferty Morde, sich in den frühen Lehren der KJCdHLT wieder finden, latent sogar noch immer vorliegen, nur im Kontext der KJCdHLT verstanden werden kann. Die Geister die die Mormonen einst riefen, werden sie nie loswerden. Wer verkündet, dass ein Gott zu Propheten und ihren „gehorsamen" Anhängern direkt redet, musst sich damit abfinden, dass so mancher „wahre Gläubige" meint keinen Propheten zu benötigen (ja dieser sogar vom Glauben längst abgefallen ist) und seine Kirchenlehren direkt von Gott erhält. Bis hin zum „gerechtfertigten" Sühnemord. Kenner der Materie können feststellen, dass Krakauer sauber und in der Tiefe recherchiert hat, auf dem aktuellen Stand der Forschung ist. Die Bibliographie und Anmerkungen geben jedem interessierten Leser die Möglichkeit in die Tiefe weiter zu lesen. Nur mit dem Manko, dass die fortführende Literatur sich ausschließlich in englischer Sprache findet. Gerade deshalb ist diese Art der „Einführung" für den deutschsprachigen Raum so wertvoll! Die Lektüre dieses Werkes kann nur dringend empfohlen werden. Zeigt sie doch in erschreckender Weise, dass Gefahr nicht nur aus einer islamisch-fundamentalistischen Ecke droht, sondern letztendlich aus jeder religiösen Ecke, die sich auf Offenbarungen, ewigen Wahrheiten, Führern und Propheten etc., gründet. Zeigt sie aber auch durch die Interviews die Krakauer mit einem der Täter geführt hat, dass ein Einblick in die Psyche eines solchen Menschen, mehr Fragen aufwirft, wie sie Fragen beantwortet. Man fühlt sich an den von Götz George meisterhaft gespielten Massenmörder Hamann, im Film „Der Totmacher" (1995), beklemmend erinnert. Absolut lesenswert!
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