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Kundenrezension

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wer ist wer auf Martha's Vineyard?, 3. Januar 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Ghostwriter (DVD)
Auf Martha's Vineyard gibt es Tage, an denen sich der Himmel kaum noch von der Erde unterscheidet, weil die Linie am Horizont in einem tristen einheitlichen Grau versinkt, das von den dunklen Wolken am Firmament fließend auf das darunterliegende Meer übergeht. Tosende Wellen brechen auf die Sandstrände dieser Insel vor der amerikanischen Ostküste ein, das Gras in den Dünen neigt sich durch den Sturm zur Seite, strömender Regen peitscht herunter, Blätter wirbeln durch die Luft und aus der Ferne schimmert das diffuse Licht eines nur schemenhaft wahrnehmbaren Leuchtturms durch die Finsternis, sodass es fast so scheint, als würde das Ungemach, das den Protagonisten widerfahren wird, aus der unbändigen Natur erwachsen, gegen die sie sich mit jedem Schritt im Freien stemmen. In diese düstere Atmosphäre schickt Roman Polanski einen Ghostwriter, dessen Namen wir nie erfahren werden. Er soll anhand des Manuskriptes seines tödlich verunglückten Vorgängers die Memoiren des früheren britischen Premierministers Adam Lang überarbeiten, der in dieser Enklave wie Napoleon auf St. Helena festsitzt, denn die neue Regierung in London ist willens ihn an das Den Haager Kriegsverbrechertribunal auszuliefern, das gegen Lang Anklage erhoben hat, weil unter seiner Führung Terrorverdächtige in geheimen Operationen illegal in die Foltergefängnisse der CIA geschickt wurden. Dem neuen Ghostwriter obliegt es nun, in verschwommenen Erinnerungen zu wühlen, hier und da ein paar prosaische Passagen einzufügen, um die Biographie so zu frisieren, dass sie dem gefallenen Gott doch noch einen Platz im Pantheon der Geschichte sichert.

Unter den strengen Augen von Spindoktoren, PR-Beratern, Rechtsanwälten und steifen Bürokraten macht er sich ans Werk, doch je tiefer der Ghostwriter in die Vergangenheit von Lang vordringt, desto mehr Widersprüche offenbaren sich ihm. Warum wandte sich Lang in seiner Jugendzeit so plötzlich von der Theaterkunst ab, ehe er in die Labour-Partei eintrat? Welche Rolle spielte damals seine politisch aktive Frau Ruth, die er eigentlich nicht mehr liebt und längst gegen eine Affäre mit seiner persönlichen Assistentin Amelia getauscht hat? Wie war es ihm möglich, so schnell aufzusteigen? So jemand muss doch einflussreiche Unterstützer besessen haben. Warum taucht ein CIA-Agent auf alten Studienfotos auf? All dies sind Fragen, die den Tod des ersten Ghostwriters in einem neuen Licht erscheinen lassen. Ging dem wirklich nur ein Unfall voraus, als das Meer seine Leiche nachts an den Strand spülte? Und warum wird das alte Manuskript wie eine Gefahr für die nationale Sicherheit behandelt? Spuren tauchen aus dem Nichts auf, die nach eigenen Nachforschungen verlangen und den Ghostwriter allmählich begreifen lassen, wie ernst die Sache eigentlich ist. Man trachtet ihm plötzlich nach dem Leben, bis sich die Schlinge um seinen Hals immer enger zuzieht. Doch wer lügt und wer sagt die Wahrheit? Wer manipuliert wen? Die Lösung steht als Rätsel chiffriert in den Anfangszeilen der ersten Seiten des mysteriösen Manuskriptes.

Roman Polanski inszeniert das Geschehen dieser fiktionalen Verschwörungstheorie in gewohnter Manier an einem beklemmend erscheinenden Ort, der in seiner klaustrophobischen Enge und den kobaltblauen Farbkontrasten eine schauerliche Bedrohung ausstrahlt, die sich scheinbar nahtlos auf die nervöse Psyche der Protagonisten überträgt. In Filmen wie "Rosemary's Baby" oder "Ekel" waren das noch Mietshäuser, in "Der Pianist" das Warschauer Ghetto und in "Ghostwriter" ist es eben jene spärlich besiedelte Atlantikinsel, die man aus den Nachrichten als Urlaubsdomizil des politischen Establishments kennt und sich irgendwie anders vorgestellt hat, was auch nicht von ungefähr kommt, denn gedreht wurde dieser Thriller auf Sylt und Usedom. Entsprechend der Handlung schildert Polanski die Ereignisse mit einem sehr diskreten Zungenschlag, sodass die Wahrheit stets der Kamera verborgen bleibt und sich abseits der Bilder abspielt. Es sind die Darsteller, die uns spüren lassen, dass es unter Oberfläche bereits kräftig brodelt. Ewan McGregor porträtiert diesen Ghostwriter am Anfang als charmanten Typen, der mit einem lockeren Spruch auf den Lippen sich etwas naiv in dieses teuflische Labyrinth aus Macht, Medien, Intrigen, Lebenslügen, der Angst um Privilegien und konspirativen Netzwerken stürzt und sich so zunächst zum Komplizen eines medialen Blenders macht, der von Pierce Brosnan als einer jener politischen Phrasenautomaten interpretiert wird, in die man getrost ein 10-Cent-Stück einwerfen kann, um ein paar vorgefertigte, wohlfeile Sätze aus ihrem Mund zu ziehen. Obwohl der Irakkrieg nie explizit erwähnt wird, sondern immer nur vom Krieg im Nahen Osten die Rede ist, wird es doch sofort augenscheinlich, dass Polanski mit dieser USA-hörigen Marionette eigentlich Tony Blair meint, der seinerzeit als Bushs handzahmes Schosshündchen von der britischen Boulevardpresse verspottet wurde. So richtig interessant wird dieses morbide Kammerspiel jedoch erst durch die Frauenfiguren. Ganz subtil deutet Kim Cattrall als Sekretärin Amelia mit jedem Blick und jeder Geste dem Zuschauer an, dass sie hinter ihrer kühlen Professionalität die nötige Distanz zu ihrem Chef längst verloren hat. Weshalb sie auch den zynischen Humor von Langs Gattin Ruth, vortrefflich gespielt von Olivia Williams, regelmäßig über sich ergehen lassen muss. Die gedemütigte Ruth ist sehr labil und verletzlich, besitzt aber auch viel Selbstbewusstsein und einen messerscharfen Verstand, der sie im Vergleich zu ihrem Mann eigentlich zur besseren Politikerin macht. Bei nahezu jeder Person, auf die der Ghostwriter trifft, klaffen Schein und Sein ebenso auseinander wie Anspruch und Wirklichkeit, wobei es diese Menschen sogar noch schaffen, sich selbst zu betrügen.
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