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Kundenrezension

am 25. Dezember 2013
Ich war während des Interviews selbst anwesend – und entsprechend gespannt auf das nun vorliegende Ergebnis in Buchform. Meine Befürchtungen gingen dabei eher in die Richtung, die auch Holger Klein in seinem sehr guten Vorwort formuliert: muss man solchen Personen wirklich noch eine Plattform bieten? Durch den eigentlichen Verlauf des Interviews wurden diese Befürchtungen keineswegs entkräftet: mir erschien die Interviewführung sehr handzahm, fast passiv. Zuweilen an der Grenze zur Anbiederung - ich hatte eher eine harte Konfrontation erwartet.

Nach Lektüre des Buches muss ich sagen: der gewählte Ansatz, Stoll einfach reden zu lassen und erst nachträglich einen Faktencheck zu hinterlegen – oder wie man heute sagen würde ein „debunking“ vorzunehmen – geht hervorragend auf.

Das Werk ist in fünf Teilen untergliedert: nach dem Vorwort geben Sebastian Bartoschek und Alexander Waschkau jeweils einen sehr subjektiven Einblick in die Vorbereitungsphase des Interviews. Mir ist dabei der Staccato-Stil von Bartoschek etwas zu reißerisch - Kostprobe: „Das Ding mach ich nicht alleine. Da brauch ich Unterstützung. Das ist zu wichtig. Die Hoxillas werden angefragt – sind überrumpelt – sind dabei.“ Nun ja, hier schlägt dann wohl die in seiner Vita herausgestellte „positive Einstellung zum Boulevard“ durch. Muss man wissen.

Das Interview selbst ist exakt transkribiert und nicht sprachlich geglättet, liest sich aber problemlos und flüssig. Das debunking findet hier in Form von 181 Fußnoten statt, die zu ca. 50% reine Erklärungen von Personen, Institutionen oder Sachverhalten sind, die anderen 50% widmen sich der Plausibilität der von Stoll getätigten Aussagen. Hier ist es dem AutorInnentrio hoch anzurechnen, dass sie sich jeglichen Spott oder Häme verkneifen. Der sachliche Kommentarstil bleibt immer seriös und führt zu teilweise köstlichen Stilblüten: „Dass Tesla im Alter von über 70 Jahren eine Reise zum Pluto durchgeführt hat ist nicht belegt.“. Teilweise kommen auf wenige Zeilen Interview ein Vielfaches an Fußnoten – hier wurde wirklich akribische Recherche umgesetzt.

Ebenso überzeugend fällt der vierte Teil aus: eine psychologische Einordnung, ob bei Stoll eine psychologische Störung vorliegt, wenn ja welche, und was dies über seine Wirkung bzw. Gefährlichkeit aussagt. Auch für psychologisch nicht Geschulte ist dieser Abschnitt gut verständlich (zwei der Autoren sind examinierte Psychologen) und es werden die richtigen Fragen gestellt. Dieser Abschnitt hätte für meinen Geschmack ruhig noch umfangreicher ausfallen können, andererseits liegt vielleicht gerade in seiner Reduktion auf das Wesentliche die Stärke des Kapitels. Auch das Urteil ist gleichermaßen plausibel wie gut begründet: Stoll wird als Pseudologe eingeordnet. Mit dieser nicht ganz gängigen Zuschreibung lassen sich viele Effekte des Interviews gut erklärten – etwa wenn Stoll von seinem guten Freund Erick von Däniken redet, dieser sich auf Nachfrage jedoch an Stoll nicht erinnern kann. Gut möglich, dass ihn Stoll aber nach einem Vortrag kurz angesprochen hat und dieser kurze Moment in der Eigenwahrnehmung von Stoll bereits eine gute Bekanntschaft konstituiert.

Das abschließende Personen- und Sachregisters bedient sich eines Kniffes – aber eines hochwillkommenen: alle 181 Fußnoten werden noch einmal verschlagwortet und übersichtlich zusammengefasst. Nur in wenigen Fällen werden zusätzliche Informationen nachgereicht (etwa zu Skull & Bones), was aber dem Nutzen keinen Abbruch tut.

Im Ergebnis liegt hier ein ebenso verstörender wie entlarvender Einblick in die Denk- und Agitationswelt der „braunen Esoterik“ vor. Das Werk wird hier ohne Zweifel Referenzcharakter erlangen, und das zu recht.

Ich ziehe einen Punkt bei der Bewertung ab: zum einen ist es im Jahr 2013 unverständlich, dass kein e-Book vorliegt (zumal die 1. Auflage bereits vergriffen ist), zum anderen wirkt das Layout insbesondere auf den ersten Seiten etwas händisch zusammengestückelt – der gefährlich an Comic Sans gerierenden Kapitelüberschriften-Font tut sein Übriges. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.
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3,8 von 5 Sternen
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