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Kundenrezension

am 20. Februar 2014
Ein Mensch, drei Leben, die er geführt hat und zwei davon werden uns in diesem Buch näher gebracht. Wage angelehnt an einen wahren Fall, erzählt uns François Garde eine Geschichte von einem jungen Mann, der in einer unzivilisierten Welt zurück gelassen wurde, 17 Jahre in dieser verbrachte und als dem Stamm angepasster Mann wieder in seine ursprüngliche Umgebung eingegliedert werden soll.

Narcisse Pelletier, der auf dem Schiff Saint Paul seinen Dienst als Schiffsjunge tätigt, landet mit der Crew von diesem Schiff vor der Nordostküste Australiens. Wasserknappheit auf dem Schiff und einige kranke Crewmitglieder lassen dem Kapitän keine Wahl als an diesem unwirtlichen und noch nicht erkundeten flecken Erde an Land zu gehen, um nach Wasser zu suchen. Bei diesem Landgang entfernt sich Pelletier von der ihm zugewiesenen Gruppe, um weiter landeinwärts nach einer tauglichen Wasserquelle zu suchen. Darüber vergisst er die Zeit und als er zur Küste zurück kommt, ist das Schiff samt allen Besatzungsmitgliedern verschwunden und kein Mast ist mehr am Horizont auszumachen. Anfangs mit großer Hoffnung, die sich aber nach und nach zerschlägt, wartet er auf die Rückkehr des Schiffs. Am Ende seiner Kräfte und kurz vor dem Verdursten wird er von einer einheimischen Aborigines- Frau aufgesammelt, die ihm zu trinken gibt und für ihn nach etwas essbarem jagt. Da Narcisse sich nicht anders zu helfen weiß und auf die Hilfe dieser Frau angewiesen ist, folgt er ihr und kommt somit zu einem Stamm von Aborigines, die sich gerade in diesem Gebiet aufhalten. In einem Anfall von Aggression, so scheint es jedenfalls Narcisse, entkleiden sie ihn und entfernen einen Ohrring, den er auf einen seiner Reisen hat stechen lassen, auf brutale Art, indem sie ihn einfach vom Ohr abreißen. Ansonsten kümmern sich keiner um den fremden weißen Mann, der auf einmal in ihrer Mitte auftaucht. Sie lassen ihn zwar nicht verhungern oder verdursten, aber indem sie ihn bei den Frauen und Kindern lassen, zeigen sie ihm auch, dass er unter den Männern nicht angenommen wird. Anfangs sperrt sich Narcisse, den Gepflogenheiten dieses Stammes zu folgen und macht viele Dinge (außer essen und trinken) eher widerwillig mit, da er denkt, dass er noch gerettet wird. Doch so nach und nach merkt er, dass für ihn keine Hilfe kommt und er lässt sich immer mehr auf diese Menschen ein, die sich ganz anders verhalten, als er es gewohnt ist.

17 Jahre später wird er von dem englischen Schiff John Bell durch Zufall in der Nähe desselben Ortes, an dem er auch gestrandet war, inmitten eines Stammes Aborigines gefunden, die gerade an der Bucht fischen sind. Er wird mit einem Trick auf das Schiff gelockt und nach Sydney gebracht und als Sensation angesehen, aber trotz allem festgehalten. Da er weder sprechen kann oder will und niemand weiß, welcher Nationalität er angehört, wird vom Gouverneur von Sydney ein Test vorgeschlagen, um genau das herauszufinden. Der französische Forscher und Reisende Octave de Vallombrun, der sich gerade zufällig in Sydney befindet, lockt bei diesem Test als Einziger mit seinem Französisch eine Reaktion bei dem wilden Weißen hervor, wodurch festgestellt wird, dass er französischer Abstammung ist. Bei Octave de Vallombrun weckt es ab diesem Punkt den Forscherdrang, da er an Narcisse erforschen will, wie es dazu kommen konnte, dass er alles, was er je über die Zivilisation gelernt hat und was den Begriff Zivilisation westlichem Maßstabs überhaupt definiert, verlernt hat. Doch dieses Vorhaben gestaltet sich im Endeffekt schwieriger als gedacht, denn wie es Narcisse im Laufe der Bekanntschaft mit de Vallombrun sagt: „Reden ist wie Sterben.“.

Australien, der Kontinent, der viele fasziniert und von dem es auch eine unzählige Vielzahl von kleinen Geschichten gibt, die es kaum oder nicht bis nach Europa schaffen. So zum Beispiel auch die, die in diesem Buch in stark abgewandelter Form wiedergegeben wird. Dabei ist das Buch in zwei verschiedene Bereiche beziehungsweise Stile eingeteilt. Ein Stil ist ein Tatsachenbericht, der aus der Perspektive eines Unbeteiligten und aus der Sicht von Narcisse selber berichtet, wie Narcisse in die ihm fremde Welt eintaucht und sich ihr anpasst beziehungsweise annähert, um sein eigenes Überleben zu sichern. Dabei erleben wir zu Beginn dieses Berichtes einen jungen Menschen, der mit seinem Schicksal hadert und die Situation noch nicht zu begreifen scheint und hartnäckig daran festhält gerettet zu werden. Doch als er merkt, dass es nicht anders geht, als sich auf die Umstände einzulassen, ist das der „Todesstoß“ für sein altes Leben und er streift alles ab, was den Menschen Narcisse in seiner Heimat Frankreich ausgemacht hat und wird zum weißen Wilden.

Die zweite Stilform ist ein Briefwechsel von Octave de Vallombrun mit dem Präsidenten einer Forschungsgesellschaft, wobei wir nur die Seite Vallombruns von der Briefkorrespondenz lesen und die Informationen die in den Antworten des Präsidenten stehen, nur aus den darauf folgenden Briefen erahnen können. Darin erleben wir einen Menschen de Vallombrun, der den Präsidenten gottgleich um Rat fragt und ihm detailgenau die Fortschritte berichtet, die er mit Narcisse bei seiner Wiedereingliederung in die zivilisierte Gesellschaft erreicht und wie ihm die Rückschläge an den Nerven zerren, da die Fakten, die ihn wirklich interessieren, sprich das Leben der Eingeborenen auf dem australischen Kontinent, von Narcisse um jeden Preis zurück gehalten werden. Beide Berichte bedingen einander und laufen „parallel“ ab. Er taucht in die Welt der Aborigines ab und mittels der Briefe sehen wir gleichzeitig den umgekehrten Weg. Dabei wird dem Leser indirekt die Frage gestellt, was eigentlich Zivilisation bedeutet. Ist es das Leben, welches die Menschen zu der damaligen Zeit in Europa und der westlichen Welt geführt haben? Spricht gegen die Norm, wie die Eingeborenen des australischen Kontinents ihr Leben führen, um auf diesem unwirtlichen Kontinent zu überleben? Diese Fragen werden nicht direkt gestellt und damit auch nicht beantwortet. Doch sie scheinen durch. Ebenso ist die Skepsis unserer Wertegesellschaft spürbar, die allem fremden und scheinbar unzivilisierten entgegenschlägt und was man auch heute immer wieder merkt, wenn es um Fremdenhass geht (auch wenn das ein weit her geholter Vergleich ist). In dieser Hinsicht ist dieses Buch spannend und aufschlussreich geschrieben. Als ich es zugeschlagen habe, wollte ich es schon als Lektüre abtun, die man schnell wieder vergisst. Doch beim Schreiben dieser Besprechung merke ich, dass mich das Buch doch ein wenig mehr beschäftigt hat als zuerst angenommen.

Einzig die Tatsache, dass die historischen Fakten, die diesem Fall zugrunde lagen, enorm umgeändert worden, stimmt mich ein wenig negativ. Wenn selbst die Umstände im Buch andere sind, als die Fakten, die man bei, zugegebenermaßen kurzer, Internetrecherche findet, dann ist es auch egal, wie man die Figuren nennt, denn die Botschaft, die dieses Buch trägt, wird so oder so transportiert.
Doch das soll dieses Buch in der Summe nicht schmälern. Es ist Abenteuerliteratur, die dieses Genre ein wenig anders angeht als gedacht. Doch gerade für Narcisse Pelletier war es, im Buch, wie im wahren Leben, ein Abenteuer in mehreren Akten.

Dieses Buch kann ich jedem ans Herz legen, der Abenteuerromane mag, die einen, wenn auch nur ein kleines bisschen, zum nachdenken anregen.
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