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Kundenrezension

27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Best of Ibn Arabi - nicht unbedingt aus erster Hand, 4. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Der verborgene Schatz: Des grössten Meisters mystische Philosophie der Einheit aller Existenz (Taschenbuch)
Der Chalice-Verlag hat im deutschsprachigen Raum mit der erfolgreichen Herausgabe von Ibn Arabis spirituellem Vermächtnis Die Weisheit der Propheten (Fusus al-Hikam) so etwas wie den Durchbruch bei der Rezeption dieses bedeutenden Mystikers geschafft. Die vorliegende zweite Veröffentlichung ist nun weniger ein Werk von Ibn Arabi, als vielmehr eines über ihn. Das Buch stellt einen 17seitigen Originaltext von Ibn Arabi (aus der Abhandlung vom Sein, Risalat al-wudjudiyah), der bereits 1994 im Chalice-Verlag erschienen ist, mit zwei bedeutenden Texten Sekundärliteratur zusammen, die bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt waren.
Am Beginn steht der Traktat Der innerste Kern (Lubbul Lubb), mit dem der türkische Mystiker Ismail Hakki Bursevi (gest.1725), der in der geistigen Linie Ibn Arabis steht, den Versuch unternimmt, einige von Ibn Arabis komplexen Ideen aus seinem Opus Magnum, den Futuhat al-Makkiyah, zusammenzufassen und mit eigenen Kommentaren aufzubereiten. Offenbar bestand ein Bedürfnis danach, im "uferlosen Ozean" von Ibn Arabis geistiger Welt dem Leser etwas an die Hand zu geben, woran er sich sicher halten könnte, zumal die Originaltexte der Futuhat ohnehin wohl schwer zugänglich, geschweige denn übersetzt waren. Ob dieses Vorhaben gelungen ist, bleibt eine durchaus offene Frage. Es ist jedenfalls bedauerlich, dass Bursevi keine reinliche Unterscheidung trifft zwischen Originalzitaten Arabis, deren Verdichtung und seinen eigenen Kommentaren. Der Rezensent verspürte wohl an einigen Stellen den besonderen Geschmack von Ibn Arabis Denken, an den meisten anderen jedoch nicht. Bulent Rauf (auch er steht in Ibn Arabis geistiger Linie), hat Bursevis Werk aus dem Türkischen getreu ins Englische übersetzt. Auf diese englische Fassung stützt sich die deutsche Übersetzung.
Der zweite Text, die sogenannten Neunundzwanzig Seiten sind eine von Bulent Rauf besorgte Auswahl aus einer 1939 erstmals erschienenen Monographie von A.E.Affifi (einem Gelehrten aus Alexandria) über die mystische Philosophie von Ibn Arabi. Dieser Text ist im Unterschied zum Lubbul Lubb eindeutig systematisch orientiert und liest sich wie eine gelehrte philosophische Abhandlung.
Beide Texte - so nützlich sie auch für den unvorbereiteten Leser von Ibn Arabis Werk sein mögen - werfen ein grundsätzliches Problem auf: Wie er selbst anmerkt, hatte Ibn Arabi nie im Sinn, ein kohärentes philosophisches System zu errichten. Er wusste sehr wohl, dass gedankliche Systeme mit Absolutheitsanspruch von vorneherein zum Scheitern verurteilt sind, weil sie sich bereits mit diesem Anspruch unmittelbar in die Sphäre der Relativität stellen. Seine Aufgabe war eine andere. Seine Schriften dienen einzig dazu, einen Prozess der Transformation im Leser anzuregen, um ihn damit für das eigene unmittelbare Empfangen der inneren Wahrheit vorzubereiten. Eben deswegen stammen seine Schriften auch selbst aus unmittelbarer Eingebung, unvermischt und ungefiltert wurden sie aufgeschrieben. Wenn in seinen Texten abstrakte Begriffe ins Spiel kommen, Gliederungen, Aufzählungen, logische Ableitungen etc., so beanspruchen sie nur für den jeweiligen Ort der Eingebung, den konkreten Zusammenhang der Schriftstelle, Gültigkeit!
Es ist kein Zufall, dass Ibn Arabi weder einen Sufiorden, noch eine esoterische Schule begründet hat. Es konnte keinen Nachfolger geben. Sein Erbe sind seine Schriften, nichts anderes.
Daraus folgt, dass man dem besonderen Geschmack seines Denkens, den er selbst gern mit dem arabischen Wort dhawq bezeichnet, nur bei der Lektüre der Originaltexte begegnen kann. Dabei ist auch die Form der Übersetzung von Bedeutung, die zum Beispiel die allgegenwärtigen poetischen Obertöne seiner Sprache mit Anmut überbringen sollte. Es hilft also nichts, der Leser muss sich wirklich selbst hineinbegeben in den uferlosen Ozean" seiner Denkbewegung, was freilich eine sinnvolle Auswahl und behutsame Kommentierung der Texte keineswegs ausschließt.
Daher sehen wir der vom Verlag bereits angekündigten Veröffentlichung zweier weiterer Originaltexte von Ibn Arabi unter dem Obertitel "Reise zum Herrn der Macht" mit einiger Ungeduld entgegen. Und da wir wissen, dass heutzutage dank der Bemühungen englischer und französischer Orientalisten bedeutsame Teile von Ibn Arabis Werk (auch Teile der Futuhat!) in westlichen Sprachen zugänglich sind, hoffen wir sehr, dass dem deutschen Leser diese Schätze nicht mehr lange verborgen bleiben.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.10.2010 20:59:50 GMT+02:00
mouhtaram meint:
Wie immer: präzise, und absolut klasse Beschreibung/Rezension ! danke, und weiter so Wolfgang...(du rein "zufällig" vielleicht Nasqhi Burhanudine" ?)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.10.2010 19:08:55 GMT+02:00
Danke für deine Wertschätzung, meinst du Sheikh Burhanuddin Herrmann? (habe ich gerade im Internet gefunden, ein interessanter Mann). Nein, ich gehöre keinem Sufi-Orden an (bin allerdings dem Chalice-Kreis um Reshad Feild, meinem Lehrer verbunden), Ibn Arabi ist so etwas wie ein geistiger Vater für mich, in naher Zukunft werde ich Texte von ihm direkt aus dem Arabischen übersetzen, aus dem Diwan oder dem Tarjuman. Viele Grüße W.H.
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