Nachdem vor langer Zeit der kanadische Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi mit seinem Buch "Flow: Das Geheimnis des Glücks" einen Weltbestseller landete (der auch in unzähligen deutschen Print-Magazinen rezensiert wurde), ist die Aufmerksamkeit des lesenden Publikums auf das Thema Konzentrations-Techniken gelenkt worden. Sloterdijk nimmt nun den gleichen Denkansatz und webt ihn in den Teppich seines philosophischen und personen-typischen Vokabulars ein. Religion in diesem Zusammenhang ebenfalls mit zu betrachten, ist sehr kreativ und gescheit. Denn religiöse Übungen haben am Ende vielleicht keinen weiteren Effekt als denjenigen, den die FLOW-Schachspieler, -Bergsteiger, Marathon-Läufer, Maler oder Dauer-Erotiker ebenfalls bei sich entdeckten: Adrenalin-Ausstoß, Glückshormone - oder weniger chemisch: Zufriedenheit mit sich selbst und der eigenen Leistung, Genugtuung, jene zeittypische elende Passivität überwunden zu haben. Es ist üblich (und auch nicht falsch), dass Philosophen religiöse Übungen besonders kritisch sehen und das zeitweilige Abrutschen mancher Glaubensanhänger in eine peinliche Selbstauflösung ungeschminkt beim Namen nennen. Insgesamt gesehen hat Sloterdijk wieder einmal ein interessantes Buch fabriziert, weil er hier eines der wichtigsten und sinnvollsten Themen unserer Gegenwart tiefgrabend darlegt. Noch schöner wäre es gewesen, wenn er dazu statt 700 Seiten nur 70 benötigt hätte. Übungen dürfen auch kurz sein. Dann wirken sie meist noch besser.