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Kundenrezension

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Politik der Ausbeutung, 12. Dezember 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Why Nations Fail: The Origins of Power, Prosperity and Poverty (Taschenbuch)
"It's not the economy, stupid, it's politics" lautet sinngemäß die Antwort von Acemoglu & Robinson auf den bekannten und vielzitierten Wahlkampschlager von Bill Clinton. Das Fazit der Autoren gleich vorweg: Nationen versagen ökonomisch und gesellschaftlich, weil sie über ausbeuterische ("extraktive") statt offen-demokratische ("inklusive") politische Institutionen verfügen. Korrupte Staaten bzw. die jeweilige herrschende Kaste lähmen Innovationen und Unternehmergeist und bereichern sich auf dreistetste Weise an dem wenigen volkswirtschaftlichen Vermögen, welches in derartigen "failing states" erwirtschaftet wird. Belege hierfür aus der Geschichte liefern die Autoren zuhauf. Erschreckend, dass sich derartig eingeschlagene Pfade noch heute, teilweise Jahrhunderte später auswirken.

Ein interessantes Beispiel ist dabei der Vergleich zwischen Nogales, Mexiko und Nogales, Arizona. Auf der einen Seite der Grenze, im US-Amerikanischen Norden der Stadt gibt es seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert einen funktioniernden Staat mit liberaler Verfassung und garantierten Eigentumsrechten, die nach dem Prinzip der Egalität grundsätzlich jedem offen stehen, der bereit ist sich unternehmerisch in der Privatwirtschaft zu engagieren. Das setzt die richtigen Anreize für individuelle Leistungsbereitschaft, für harte Arbeit, deren Früchte weitestgehend dem Einzelnen zugebilligt werden, der sie erwirtschaftet hat. Der amerikanische "pursuit of happiness" ist der eigentliche Motor wirtschaftlichen Erfolgs und dort wo er am wenigstens durch staatliche Intervention gestört wird, ist er am erfolgreichsten. Er lässt dem Einzelnen Freiraum, sich selbst zu entfalten und "seines eigenen Glückes Schmied" zu sein. Gleichzeitig werden fundamentale demokratische Rechte in der Verfassung garantiert sowie staatliche Macht durch ausgefeilte "checks and balances" politisch gezügelt. Das Resultat sind stabile demokratisce Verhältnisse, innerhalb derer sich die Wirtschaft entfalten kann. Das Wesen der Demokratie in Amerika (Toqueville) bietet den Garant für eine offene und stabile Gesellschaftsordnung. Völlig anders das Bild auf der anderen Seite der Grenze. Dort leben ebenfalls Bürger von Nogales, die denselben Boden und dasselbe Wetter vorfinden und z.T. denselben Familien entstammen. Nur geht es ihnen auf dieser Seite der Grenze nicht einmal halbwegs so gut, wie ihren amerikanischen Brüdern und Schwestern. Mexiko hat sich im Vergleich zu den USA von der ausbeuterischen Kolonialherrschaft der Spanier nie erholt. Statt einer demokratischen Verfassung gab es Revolutionen. Die Regierungen gaben sich die Klinke in die Hand und Stabilität und Fortschritt konnten sich zu keinem Zeitpunkt in der Genetik der Mexikaner festsetzen. Es gibt dort keine kreative Zerstörung (Schumpeter), keine Innovationen und keinen technologischen Fortschritt, weil es keinen funktionierenden Wettbewerb gibt, der vom Staat geschützt werden würde (oder kennen Sie etwa außer Chili und Tacos ein Produkt von Bedeutung aus Mexiko?). In Amerika geht der Staat gegen Monopole wie Microsoft mit rechtsstaatlichen Mitteln vor. In Mexiko gibt es Monopolisten wie Carlos Slim (den derzeit reichsten Menschen der Erde), die durch gezieltes Lobbying den Staat als Verbündeten auf ihre Seite gezogen haben. Ähnliches sehen wir in Indien (siehe Lakshmi Mital).

Auch wir Deutschen kennen ein Beispiel einer geschlossenen Gesellschaft. Die DDR war geradezu ein Musterbeispiel für einen ausbeuterischen, undemokratischen, extraktiven Staat, in dem kein Wettbewerb herrschte und folglich Innovationen und Fortschritt nie zu Stande kamen. Ein noch extremeres Beispiel sind Nord- und Südkorea.

Von all diesen (Schwester-) Ländern kann man nicht gerade behaupten, dass die Menschen hier auf unterschiedliche geografische Gegebenheiten Rücksicht zu nehmen hätten oder von einer grundsätzlich anderen Kultur geprägt wären. Es sind vielmehr die staatlichen Institutionen, die darüber bestimmen, ob es mit einem Land aufwärts geht oder mit mehr oder weniger großen Schritten Richtung Abstieg und Zerfall.

Man mag sich dann natürlich fragen, warum die Sowjetunion bis weit in die 80er Jahre hinein derart atemberaubende Wachstumszahlen präsentieren konnte. Denn zweifelsohne handelte es sich bei den Genossinnen und Genossen hinter dem eiserenen Vorhang um eine geschlossene Gesellschaft, in der Parteikader, Funktionäre und Aktivisten gut leben, der Rest des Volkes jedoch darben musste. Acemoglu & Robinson können auch diesen Effekt erklären. Während zentralistische Staaten, deren Wirtschaft durch Befehl und Zwang statt durch ein Preissystem des Marktes gekennzeichnet sind, bestimmte Branchen sehr effektiv zu einem höheren Output an Produkten und Dienstleistungen dirigieren können, werden an anderer Stelle kaum sinnvolle Anreize für eigenverantwortliches Handeln und damit nachhaltiges Wachstum gesetzt. Über kurz oder lang kommt es zu keinem nennenswerten Fortschritt mehr und Innovationen ziehen sich, wenn überhaupt, über Jahre hin (der "Trabbi" lässt grüßen). Am Ende steht der rapide wirtschaftliche Niedergang und die Auflösung, die allenfalls durch militärische Gewalt verhindert werden kann (wie in Nordkorea durch eine de facto Militärdiktatur).

Ziehen wir also Bilanz: Staaten versagen, wenn sie die "falschen" politischen Institutionen gegen das Wohl der Bevölkerung durchzusetzen versuchen. Das mag einige Zeit funktionieren, führt jedoch im Ergebnis zu einer Ausbeutung der Mehrheit durch wenige Kader und Monopolisten, die das staatliche System fest in ihrem Griff haben. Der Rest hat keinen Anreiz produktiv zu sein und so bleiben fast zwangsläufig Innovationen aus und es droht der allmähliche Zerfall.

Die These von Acemoglu & Robinson mag schlicht sein, doch ist sie mittlerweile in Vergessenheit geraten. Erschreckend, dass heutzutage die Ansicht vorherrscht, der Kapitalismus englischer Prägung sei an sämtlichen Miseren Schuld. Hier wird tatsächlich Ursache mit Wirkung verwechselt. Seit dem großen Wirtschaftethiker Adam Smith wissen wir: ein starkes Gemeinwesen braucht die "unsichtbare Hand" des Marktes sowie Chancengleichheit um zu gedeihen und zu wachsen. Mit Befehl und Zwang werden demgegenüber die falschen Anreize gesetzt und einige wenige bereichern sich auf Kosten der Mehrheit. Lernen wir aus unserer eigenen Geschichte, statt auf den derzeitigen politischen Mainstream zu vertrauen. Die Lektüre dieses Buches ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.
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