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Kundenrezension

34 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tarja auf ihrem bisherigen Schaffenshöhepunkt!, 1. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Colours In The Dark (Special Edition) (Audio CD)
Spätestens mit diesem Album lässt sich Tarja nicht mehr auf ihre nunmehr bereits acht Jahre zurückliegende Zeit bei Nightwish reduzieren; sie ist längst weit mehr als die Ex-Sängerin dieser führenden Symphonic Metal-Band. Ihre drei Rock-Soloalben lassen sich als Lern- und Entwicklungsprozess hin zu einem eigenen, unverwechselbare Stil lesen – und anders als seine Vorgänger darf „Colours in the Dark“ als erstes ausgereiftes Album gelten: Tarja ist „angekommen“. Was sie von nun an tut, sollte nicht mehr mit Nightwish in Verbindung gebracht werden.

Zu den Titeln:

„Victim of Ritual“ ist ein klassischer Opener mit Drive und Ohrwurmcharakter, der aber dennoch durch seine Komplexität zu überzeugen vermag; das eingesetzte Bolero-Motiv ist zwar etwas abgegriffen, aber das hat man nach wenigen Sekunden vergessen. Um inkonsequenter Weise doch noch mal den Vergleich zu den alten Nightwish-Zeiten zu bemühen: Dieser Song schlägt den Gassenhauer „Nemo“ eigentlich um Längen, auch was Radiotauglichkeit angeht (von der reinen Songdauer mal abgesehen, aber da könnte man ja ein Radio-Edit draus machen). Inhaltlich geht es um das Aufbrechen erstarrter Routinen, die unser Leben zur farblosen Hölle machen können.

„500 Letters“ ist vermutlich als Single gedacht. Ein eingängiger, netter, aber musikalisch auch durchaus harmloser Song, den man gerne hört und pfeift, auf Dauer aber auch wieder vergessen wird. Macht nichts, Tarja muss ja auch Platten verkaufen und GEMA-Gebühren generieren. Inhaltlich geht es weit weniger harmlos zu – Thema Stalking.

„Lucid Dreamer“ ist ein erster Hinweis auf das, was ich mit einem „ausgereiften“ Stil bezeichne. Tarja liebt es, sphärisch-elektronische Arrangements mit Nu Metal-Gitarren-Klangteppichen und der für sie charakteristischen, erzählenden Singstimme zu verknüpfen. In den Vorgängeralben traten diese Elemente oft noch nach Songs getrennt auf; z.B. erinnert an diesem Titel manches an „Naiad“ aus ihrem zweiten Album „What Lies Beneath“, wobei nun aber die symphonischen Elemente und die Gitarrenuntermalung integriert sind. Das harmonische Zusammenspiel dieser stark kontrastierenden Stilelemente macht den ausgereiften Tarja-Sound aus. Noch etwas unausgewogen erscheint mir allerdings der (zu?) ausführliche elektronisch-sphärische Mittelteil, der ein wenig an jenen aus „Echoes“ von Pink Floyd erinnert, sich aber nicht so gut wie dort in die Gesamtstruktur des Songs einfügt; da wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Inhaltlich geht es um Klarträume.

„Never Enough“ betont nun wieder den krachenden Metalsound und gehört zu den einfacher gestrickten Songs; vor allem die fast endlos repetierenden Metal-Riffs am Schluss machen den Song sperrig und werden manche Fans abstoßen. Ich finde es aber gut, dass nicht alles bei Tarja in Harmonie und Melancholie endet, sondern auch mal so ein Stachel gesetzt wird. Auch das hat für mich etwas mit Ausgewogenheit zu tun, die eben genau nicht Langeweile meint.

„Mystique Voyage“ beginnt mit einer gesprochenen Einführung Tarjas, die nicht so meine Sache ist. Danach aber entfaltet sich ein verschnörkelt-barockes musikalisches Kleinod mit einer wunderschönen Melodie, das Tarjas klassische Gesangsstimme gut zum Ausdruck bringt und wieder in einem elektronischen Klangteppich a’la „Naiad“ endet; für den charakteristischen Kontrast zu diesem Arrangement sorgt hier der Schlagzeugrhythmus, was man beim ersten Hören vielleicht gar nicht so richtig bemerkt. Inhaltlich will Tarja uns mit diesem Song in die Welt ihres inneren Erlebens mitnehmen.

Das Cover von Peter Gabriels „sinistrer Großtat“ (Markus Bellmann in seiner Tarja-Rezension auf plattentest.de) „Darkness“ wird Tarja mal wieder furchtbar übel genommen werden; war ja beim „Poison“-Cover von Alice Cooper nicht anders. Ich hab mir beide Versionen (Original und Cover) mehrere Mal abwechselnd angehört und kann nichts Skandalöses feststellen. Im Gegenteil: Der Song fügt sich wunderbar in dieses Album ein und Tarja experimentiert dabei mit einer äußerst reizvollen elektronischen Stimmverzerrung, die wir sicher künftig noch häufiger von ihr hören werden und die es bislang bei ihr so nicht gab. Peter Gabriels großartige lyrics über die schwierige psychische Integration albtraumartiger „Flashbacks“ und eines die bewusste Identität unterminierenden Begehrens in eine reife Charakterform, in der ICH meine Ängste zulasse und „habe“, sie also nicht mehr MICH in Besitz nehmen können, gehören ohnehin zum Besten, was 50 Jahre Rock-Geschichte in dieser Hinsicht hervorgebracht haben.

Was nun aber folgt, ist aus meiner bescheidenen Sicht der absolute Höhepunkt des musikalischen Schaffens Tarjas: „Deliverance“ stellt sich mir als vielschichtiger, großartiger, epischer Song über den Weg zur Metamorphose und individuellen Ganzwerdung, Sehnsucht, Liebe und inneren Befreiung dar: Symphonic Metal at it’s very best! Einfach reinhören, immer und immer wieder hören und genießen! Schon alleine für dieses Stück hätte das Album 5 Sterne verdient. Tränen kommen mir ansonsten eigentlich eher beim Zwiebelschneiden, aber dieses textlich-musikalische Gesamtkunstwerk hat sie reichlich fließen lassen. Aber genug, das ist ja alles auch sehr subjektiv gefärbt.

Der Übergang zu „Neverlight“ könnte schroffer nicht sein. Ein Metal-Kracher – musikalisch wie auch textlich extrem sperrig, obwohl er eine klare Struktur und eine gute Melodieführung beinhaltet; „Ciaran’s Well“ aus dem ersten Album „Winterstorm“ kommt dem als Vergleich wohl am nächsten. Der Text kann von vielem handeln, ich assoziiere damit aber am ehesten die Erfahrung drohender psychischer Dissoziation und Dekompensation. Auffallend ein großartiges symphonisches Arrangement im Mittelteil, das aber leider nur sehr kurz aufflackert.

„Until Silence“ kommt als klassische Power-Ballade daher, die als einziger Song ebenso gut aus alten Nightwish-Zeiten stammen könnte; ich komme einfach nicht drauf, welchem NW-Song sie derart stark ähnelt. Textlich enthält sie das Motiv des Albumtitels „Colours in the Dark“ und handelt von ewig währender Liebe, Abschied und Tod. Ein durchaus schöner Song, bei dem man aber den Eindruck gewinnt, Derartiges von Tarja in ihren Nightwish-Zeiten schon häufiger gehört zu haben – dass dies nur für einen Song auf dem gesamten Album gilt, ist eigentlich schon Beweis genug für dessen Originalität und Kreativität.

„Medusa“ bildet als längster Song den würdigen Abschluss dieses großartigen Albums. Textlich verarbeitet es die griechische Sage um Medusa, deren Antlitz jeden Mann sofort zu Stein erstarren ließ. Sehr schönes Duett mit dem offen mit seinen psychischen Problemen umgehenden Sänger und Multitalent Justin Furstenfeld (Blue October), der dabei wohl den Medusa-Bezwinger Perseus gibt, welcher seiner „Heldentat“ (er köpfte Medusa) nur dadurch fähig war, dass er lediglich eine Reflektion der Medusa in seinem verspiegelten Schild anschaute, nicht sie selbst. Ein atmosphärischer, als Klanggemälde angelegter Song mit gelegentlichen kontrastierenden Gitarrenriffs, der mich gesanglich ein wenig an „White Water“ von Epica erinnert.

Wow, was für ein abwechslungsreiches und dennoch in sich stimmiges Album. Das Beste, was ich in den letzten Jahren im Bereich Rockmusik gehört habe! Tarja hat den Mut zu komplexeren Kompositionen und auch schlicht längeren Songs gefunden, die im Genre eigentlich üblich sind, bei ihr bislang aber eher die Ausnahme bildeten. Aber klar, man muss dieses Genre an sich – und den ihm eigenen Hang zu Pathos und Epos – mögen, was ja bei vielen Metal-Anhängern nicht der Fall ist und Tarja auch darüber hinaus den Weg zur Massenkompatibilität versperrt. Wer aber Symphonic Metal mag, kommt an diesem Album nicht vorbei. 5 Sterne sind eigentlich zu wenig.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.09.2013, 18:54:06 GMT+2
Fünf Sterne verdient allein schon Deine Analyse. :-)

An sich sind Rezensionen solch epischer Länge ja nicht unbedingt optimal, aber in diesem Fall wirkt sie berechtigt auf mich.

Zu "Until Silence": Da ich nicht annehme, daß Du "Forever Yours" im Sinn hattest, das ja häufig als Hommage an Céline Dions Schmachtfetzen verstanden wird, an den zumindest ich bei diesem Liedtext unwillkürlich denken muß ;-), könnte es vielleicht doch die gute alte Schlafende Sonne sein, an die sich andere (ich persönlich sehe allerdings keine besondere Ähnlichkeit) erinnert fühlen?

Veröffentlicht am 20.11.2013, 19:59:18 GMT+1
xyz123 meint:
Danke für die tolle Rezension
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