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Kundenrezension

55 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Blick in Seelenabgründe, aber kein Blick hinter die Kulissen, 2. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: House of Cards - Die komplette erste Season [4 DVDs] (DVD)
Motiviert durch zahlreiche gute Kritiken und schließlich der Empfehlung zweier Freunde habe ich mir die DVD-Box zum us-amerikanischen Remake von House of Cards besorgt. Die große Vorfreude endete in maßloser Enttäuschung. Diese Serie ist eher ein in die Länge gezogenes fiktives, modernes Shakespearedrama denn eine informierte Politikserie. Plot der Serie ist die Kränkung der Hauptfigur Francis G. Underwood, nicht als Außenminister ernannt zu werden, sondern weiterhin als Mehrheitsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus fungieren zu müssen. Er und seine ebenso machtdurchtriebene Ehefrau spinnen daraufhin Intrige um Intrige, um sich am Präsidenten zu rächen und eigene Ambitionen weiterverfolgen zu können.

Die Serie ist auf die schauspielerischen Fähigkeiten der Hauptfigurenehepärchens zugeschnitten. Keven Spacey spielt den abgrundtiefbösen Kongressabgeordneten mit Brillanz. Er wurde hierfür (zu Recht) für den Emmy nominiert, hat ihn aber (auch zu Recht) nicht erhalten. Die Figur ist im Gegensatz zum Original schlicht zu eindimensional böse angelegt, eher wie eine Bühnenfigur bei Shakespeare. Was in der dramatischen Live-Darstellung eines Theaterabends zu einem packender Seeleneinblick ins Böse gerät, wird in den 13 Folgen der ersten Staffel zu einer platten Endlosschleife der immer gleichen Intrige. Damit der Zuschauer auch gar nicht auf die Idee kommt, etwas anderes in die Szenerie hineinzuinterpretieren, spricht Underwood ab und an direkt zum Zuschauer. Er bleibt dabei Underwood; er bricht nicht aus seiner Rolle aus. So fehlt im Gegensatz zum britischen Original die ironisch-kommentierende Distanz der Hauptfigur. Dieses Fehlen scheint schlicht in der Unkenntnis der Drehbuchautoren des Remakes in Bezug auf Prozesse innerhalb des us-amerikanischen Systems begründet zu sein.

Und hier kommen wir zum wirklichen Ärgernis: Diese Serie bedient aktuelle Klischees zum Politikbetrieb ohne wirklich auf Hintergrundinformationen zurückgreifen zu können oder sich wenigstens die Mühe zu machen, die britische Vorlage an das us-amerikanische System anzupassen. Einzig die Nebenfigur des Peter Russo und die damit verbundenen Darstellungen der Gouverneur-Wahlkampfauftritte sind bemerkenswert realitätsnah und auch in Details wie der Auseinandersetzung mit dem Vizepräsidenten gut getroffen. Hier schlummerte das Potential zu einer wirklich gut informierten Serie zu US-Wahlkämpfen. Aber im Hauptstrang der Geschichte häufen sich die Unplausibilitäten:

(1) Im Gegensatz zu parlamentarischen Systemen (Großbritannien!) gibt es in präsidentiellen Systemen (USA!) keine Schicksalsgemeinschaft zwischen Fraktionsvorsitzen und Präsidenten. Das enge Zusammenspiel von Repräsentantenhausführer und Präsidenten gibt es in den USA so nicht. Der ganze Plot ist somit unglaubwürdig – solange nicht irgendwann mal aufgeklärt wird, warum zu dieser ungewöhnlichen Konstellation gekommen sein mag.
(2) Der Plot wird noch einmal unglaubwürdiger, weil es innerhalb des US-Systems kaum vorstellbar ist, dass ein Führer des Repräsentantenhauses Ambitionen auf den Posten des Außenministers hat. Meist kommen hier Personen der Exekutive mit diplomatischen und Auslandserfahrungen zum Zuge. Schlechtestenfalls sind dies Leute aus Think-Tanks, möglicherweise ein Senator mit außenpolitischer Erfahrung. Jetzt mag man einwenden, dass dies ja der Grund sein könnte, warum Underwood nicht Außenminister wird. Aber sollte so ein Insider des US-Systems wie Underwood wirklich so naiv gewesen sein zu glauben, er könnte dann Außenminister werden? Kaum zu glauben. In der Realität hätte eine Figur wie Underwood schon zuvor dafür gesorgt, dass er z.B. Botschafter der USA bei der UN wird und wäre von diesem Posten aus in Außenministerium gewandert.
(3) Der Führer im Repräsentantenhaus muss sich in der Realität mit sehr starken Kongress-Ausschussvorsitzen herumschlagen. Diese Auseinandersetzungen fehlen vollkommen – wie es überhaupt an starken Nebenfiguren mangelt. Das ist aber gerade Kennzeichen des US-Systems und Potential für dramatische Auseinandersetzungen: Das Kämpfen verschiedener starker Persönlichkeiten gegeneinander. Neben Spacey (Underwood) gibt es aber niemanden, der ihm das Wasser reichen kann – schauspielrisch und dramaturgisch.
(4) Innerhalb des US-Systems gibt es im Gegensatz zu Großbritannien oder Deutschland keine große Parteidisziplin im Parlament. Zudem ist die Auseinandersetzung und Zusammenarbeit zwischen Demokraten und Republikaner stärker ausgeprägt und von zentralerer Bedeutung als in der Serie dargestellt.
(5) Ein kinderloses Pärchen als Spitzenpolitiker in den USA? Kaum vorstellbar in den USA, ohne dass dieses Pärchen permanent an anderer Stelle ihre Familienwerte herausstellen müsste, z.B. Kinder adoptiert oder Waisenhäuser unterstützt. Das hätte der Serie übrigens Pfiff geben können, wenn solche Nebenhandlungen eingebaut worden wären.
(6) Abgesehen von der Story nervt mich persönlich die musikalische Untermalung mit bemühten Studienratsjazz. Musikalisch sind einige dieser Jazzschnipsel für sich genommen ganz hübsch (und Emmy nominiert), nur zu den Handlungen des durchtrieben berechnenden Francis Underwood passt IMHO kein Improvisationsjazz. Durch die Zerstückelung zur Szenenuntermalung bleibt darüber hinaus nur nerviges Geklimmper übrig.

Fazit: Die schauspielerische Leistung der Darstellung eines an einer schweren narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidenden Ehepärchen lohnt durchaus einen Blick in die Serie – sofern man kein gutes Schauspielhaus in der Nähe hat, in der Shakespeare gespielt wird. Es ist eher eine Psycho- denn eine Politikdramaserie. Jenseits der Wahlkampforganisation wird man hier aber über das politische System der USA eher desinformiert. Wer glaubt, hier etwas über Politik in den USA zu erfahren, hält wohl auch das Heute-Journal und Marietta Slomka für Aufklärungsjournalisten, wenn die das SPD-Mitgliedervotum zum Koalitionsvertrag im Interview mit Siegmar Gabriel penetrant für verfassungswidrig erklären wollen. Auf ähnlich absurdem Niveau bewegt sich die Serie nämlich inhaltlich.

Über die vorbehaltlos guten Kritiken kann ich mich entsprechend nur wundern. Die Serie ist teuer (hübsche Kameraführung; gute Regie), aber zum Teil (schwaches Drehbuch) nicht gut produziert. Allerdings musste die Serie als Erstlingsprodukt einfach ein Erfolg für Netflix werden. Möglicherweise wanderte ein Teil des Geldes ins virale Marketing. Zudem spricht die Serie offenkundig eine Generation an, die weder häufig ins Theater geht noch sich sonderlich mit Politik beschäftigt. Anders kann ich mir das positive Echo nicht erklären. Schließlich ist die (Un-)Gestaltung der DVD-Hülle auch eher Werbung für das Streaming-Portal.

Wer Serien mit wirklichem Blick hinter die Kulissen der Politik kennenlernen will, ist mit dem britischen Original, der 80er Jahre Comedy „Yes, minister“ oder Borgen (allerdings nicht so gut und teuer produziert) sicherlich besser bedient. Wer Psychodramen und die beiden Hauptdarsteller Keven Spacey und Robin Wright liebt, für den lohnt sich die Serie.
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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.01.2014 14:40:02 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.01.2014 14:40:33 GMT+01:00
Simon meint:
Sehr guter Kommentar, möchte jedoch anmerken, dass im Vergleich zu allen anderen, aktuellen, TV-Serien diese wohl noch am ehesten eine gut gemachte Unterhaltung bietet- mehr darf man sich meiner Meinung nach nicht von einer Serie erwarten- mir hat diese schon einige Feierabende versüßt.

Falls Sie ihre Blu-Ray Box nicht mehr haben möchten- gerne kaufe ich Sie ihnen ab :-)

Veröffentlicht am 07.01.2014 11:48:02 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.01.2014 11:48:58 GMT+01:00
jk meint:
@Truchsess: Guter Kommentar dem ich mich gerne anschließe ...

Veröffentlicht am 18.01.2014 22:34:20 GMT+01:00
TheConstable meint:
Zwar alles sehr schön, detailiert beschrieben aber ganz ehrlich, die "Unplausibilitäten" die hier aufgezählt und bemängelt werden, dürften nur Politikwissenschaftsstudenten mit angehendem Magister stören. Für die restlichen 98% der Weltbevölkerung will die Serie einfach unterhalten, und das macht sie, wie ich finde, mit Bravour. Sowohl schauspielerisch, optisch wie auch musikalisch (hier von "nerviges Geklimmper" zu sprechen sagt ja schon einiges aus). Wie und mit wem sich der Führer im Repräsentantenhaus herumschlagen muss oder ob ein kinderloses Pärchen in den USA als Spitzenpolitiker agieren kann oder nicht, interessiert von den besagten 98% wohl nur die Wenigstens. Wenn ich realitätsnahe Politikdetails erleben möchte, schaue ich die Nachrichten oder eine Bundestagssitzung auf Phoenix.

Wie dem auch sei, ist es dennoch schön zu sehen, dass Sie bei ihrer ganzen Kritik nicht aus völliger Verzweiflung nur einen Stern gegeben haben, wie es sonst bei manch Anderen oft der Fall ist.

Veröffentlicht am 03.02.2014 17:57:26 GMT+01:00
Janis Müller meint:
Durchaus gute Rezension und das Fazit wäre auch hilfreich, wenn es sich bei House of Cards um eine Dokumentation handeln würde. Es ist aber nun mal eine fiktive Fernsehserie, die nicht den Anspruch hat 100% authentisch zu sein. Ich fange ja auch nicht bei Krimiserien an den Umgang und das Können von Computern auf Realismus zu überprüfen oder die Vorgehensweise beim Aufklären von Verbrechen. Das bringt niemanden weiter, denn bei Serien zählt eben nur die Unterhaltung. Und die ist bei House Of Cards durchaus gegeben!

Veröffentlicht am 04.02.2014 22:20:53 GMT+01:00
Francis Underwood ist NICHT "Mehrheitsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus" also Majority Leader sondern lediglich Majority Whip! Das ist ein Unterschied! Der erste Democratic Whip hieß übrigens (welch Zufall) auch Underwood, also im Gegensatz zu Ihnen haben sich die Macher über diese politische Position sehr wohl informiert.

Veröffentlicht am 28.05.2014 01:41:09 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.05.2014 01:48:07 GMT+02:00
S. A. Mayer meint:
grundsätzlich ist es wie bei vielen dingen im leben... reine geschmackssache...
ich muss natürlich dazu sagen, dass ich die britische fassung nicht kenne und mich somit nur an der amerikanischen orientieren kann, aber ich denke auch, dass es gerade bei serien, die noch nicht abgeschlossen sind, durchaus fälschlich sein kann, ein direktes urteil zu fällen... natürlich legt eine erste staffel immer den grundstein, auf dem alles basieren soll, aber aus eigener erfahrung weiß ich halt auch, dass viele serien anfangs eher etwas, sagen wir mal "oberflächlich" bzw. langwierig erscheinen und sich im zuge dessen durchaus weiterentwickeln können, wie eben auch die charaktere... eine gute serie nimmt i.d.r. auch erst in der weiterführung gerne nochmal richtig fahrt auf... das dürfte sicherlich bei vielen ein bewusstes mittel sein, denn wenn man unter umständen einige staffeln erwarten darf, wäre es ja auch fahrlässig der serie gegenüber, wenn man sein gesamtes pulver bereits zu beginn verschießt...
häufig wird man da gerne nochmal überrascht und darf dann sein zuerst abgegebenes fazit evt. nochmal revidieren...
ich sehe es aber eben auch so, wie einige andere, dass eine serie in erster linie unterhalten soll und "logikfehler" bei allen formaten im grunde kaum auszuschließen sind...
an dieser stelle möchte ich daher auch nochmal auf einen "vorwurf" eingehen bezüglich der kinderlosigkeit der underwoods...
durchaus dürfte daran wohl jeder denken, wenn er sich die meisten amerikanischen präsidenten ins gedächtnis ruft und das ist auch uns aufgefallen, dass das vermutlich vorab schwer zu verkaufen sein dürfte ( ähnliches dürfte man aber auch vor rund 30 jahren gedacht haben, wenn man dem amerikanischen volk erzählt hätte, dass 30 jahre später ein farbiger präsident an der macht ist, davon ab... man sollte sich einfach auch mal von bestimmten "normen" lösen können, die in erster linie einer gesellschaftlichen anschauung entsprechen )...
allerdings wird man auch diesbezüglich bereits andeutungen und hinweise in staffel 2 bekommen, wie man mit dieser thematik umgeht, ohne darauf jetzt genauer eingehen zu wollen und da kommen wir auch wieder zu dem punkt, den ich bereits oben angesprochen habe, wenn es darum geht, dass sich eine serie auch erstmal entfalten will, bevor man zu beginn gleich einen rundumschlag startet...
da gibt es so viele wendungen und neue ansätze, die das ganze dann schnell auf den kopf stellen können...
auch die übrigen charaktere finde ich jetzt bei weitem nicht so schwach, wenn ich da u.a. an doug stamper ( michael kelly ) und peter russo ( corey stoll ) denke, wo vor allem erstgenannter in der zweiten staffel auch nochmal genauer durchleuchtet wird...
garrett walker (michael gill ) scheint da sicherlich noch einer der "farblosesten" zu sein, was aber wohl auch einfach bewußt seiner rolle geschuldet ist, sich eben leicht manipulieren zu lassen, denn einen präsidenten mit starkem charakter wird man auch nur kaum in dieser art und weise stürzen können, wie es hier passiert und deshalb sind bestimmte charakterzüge auch einfach bewußt so gewählt worden, dass sie sich auch mit vielleicht "banalen" tricks an der nase herumführen lassen...

als fazit kann man halt nur sagen: am besten beurteilt man grundsätzlich eine serie wirklich am ende, weil sich die meisten eben noch entwickeln und sich im nachhinein auch manch angenommene "schwäche", noch als "stärke entpuppen kann. dies bezieht sich vor allem auf die charaktere... einige wirken da zu beginn gerne mal recht farblos, um im verlaufe des geschehens noch eine enorme eigendynamik entwickeln zu können.

Veröffentlicht am 01.07.2014 16:22:42 GMT+02:00
Ein sehr interessanter und informierter Kommentar, dem es aber an einem mangelt. Der Anspruch der Serie ist nicht, den amerikanischen Politbetrieb abzubilden, obwohl mir die genannten Filmfehler auch sauer aufgestoßen sind (ein Fraktionschef, der wichtig für den Wahlkampf war, würde eher Innenminister, denn Außenminister werden und dies hätten die Macher wissen müssen), ihr Anspruch ist, die großen Mechanismen der Macht abzubilden und ein Psychogramm eines Machtpolitiker zu entwerfen und ich finde das gelingt ihr großartig. Die Serie ist eine große Meditation über Macht an sich und setzt einfach wie ich finde Macchiavellis Vorgaben um und nicht Shakespeares, wie sie meinten. Sie überträgt alte Mechanismen der Indoktrination und Intrige auf moderne Kommunikationsmittel und ist eben dadurch eine geniale Aktualisierung des Fürsten. Ich persönlich zähle diese Serie zu meiner Lieblingsserie neben Borgen, da Borgen das Hick-Hack und die großen Fehler einer Demokratie aufzeigt und House of Cards die Mechanismen der Macht, außerdem ist Kevin Spaceys Spiel absolut genial. Und zu ihrer Kritik, dass es keine ausgebufften Antagonisten gibt, würde ich ihnen empfehlen die zweite Staffel zu gucken, außerdem findest sich auch in der ersten Staffel ein ebenbürtiger Gegner: die Stabschefin. Wenn sie genau hingucken ist diese ihm ebenbürtig. Und einmal muss ich sie in ihrer Expertise noch kritisieren, es gibt sehr wohl Spitzenpolitikerpaare in den USA, die kinderlos sind, nehmen sie nur Eric Cantor und seine Frau oder Präsident Nixon.

Veröffentlicht am 19.07.2014 13:34:27 GMT+02:00
T. Seiler meint:
So furchtbar unplausibel ist die Story jetzt auch wieder nicht. Um mal kurz auf die verschiedenen Punkte einzugehen:
1) Es ist wahr, dass Präsident und Parlament in den USA weit mehr unabhängiger von einander handeln, als wir es gewohnt sind. Das heisst aber auch nicht, dass sich die politische Führung des Landes nicht austauscht, besonders wenn diese der gleichen Partei angehören.
Sei es um Gesetze zu beschließen oder um gemeinsame (Wahlkampf)Strategien auszuarbeiten, beide sind aufeinander angewiesen. Hier geht es nicht nur um das Gespann Präsident-Fraktionsvorsitzender, sondern auch um das Verhältnis zweier Parteigrössen.
2) Underwood ist vielleicht nicht der typische Fraktionsvorsitzende (das soll er ja auch gar nicht sein), aber auch für ihn gibt es historische Vorbilder, ich sage nur: Gerald Ford.
Ford war Fraktionsvorsitzender der Republikaner im Repräsentantenhaus bevor er Nixon als Vize diente und diesem sogar als Präsident nachfolgte.
3) Der Teil fehlt zwar, aber man kann schlecht jeden Aspekt mit reinbringen, das würde schlicht die Zeit sprengen. Beim "Tatort" vermisst ja auch keiner die Personalgespräche oder das Berichteausfüllen.
4) Zum Thema Parteidisziplin: Mir kam es jetzt nicht vor, als wäre diese sonderlich unrealistisch dargestellt. "Geschenkt" bekommt Underwood die Stimmen zu keiner Zeit. Die Parteidisziplin in den USA ist eher eine "andere" als in Deutschland, die Prinzipien der Hackordnung und des gegenseitigen Gebens und Nehmens ist dort stärker ausgeprägt und das kommt meiner Meinung nach gut rüber.
Was die überparteiliche Zusammenarbeit angeht: Der Congress bzw. das Repräsentantenhaus überbietet sich seit 5/6 Jahren immer wieder an Unproduktivität und endlosen Grabenkämpfen. Die Parteien sind so verfeindet wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Gerade bei der geringen Zusammenarbeit sehe ich keinen Mangel an Realismus.
5) Es würde schlicht nicht zu den Gespann Frank-Claire passen Kinder zu haben. Ja, es ist nicht die Regel, aber ist auch nicht ohne Beispiel. Ich persönlich bin froh darüber, dass sich die Geschichte auf die Hauptpersonen konzentriert anstatt auf Nebenschauplätzen zu kämpfen.
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