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Kundenrezension

HALL OF FAMETOP 50 REZENSENTam 12. Juni 2014
Lucinde Hutzenlaub - ja, die Frau heißt wirklich so. Und genauso witzig wie der Name klingt, so witzig schreibt sie auch. Irgendwie liegt der Verdacht nahe, dass sie ihren Mann nur wegen des lustigen Namens geheiratet hat, den sie dann tragen darf. Aber nein, dann hat man keine vier Kinder und wandert mit dieser Großfamilie ganz sicher nicht nach Japan aus. Das haben die Hutzenlaubs nämlich getan und von ihren Erlebnissen berichtet dieses Buch.

Ich bin ein großer Japan-Enthusiast, habe (fast) alle "Ich in Japan"-Bücher gelesen, die es in deutscher Sprache gibt und freue mich auf jede Neuerscheinung. "Hallo Japan" eröffnet für mich eine ganz neue Kategorie, denn hier steht nicht der Mann im Vordergrund, der von seiner Firma für drei Jahre nach Japan entsandt wird, sondern seine Frau, die als Hausfrau und Mutter den Alltag für sich und ihre Kinder meistern muss. Das ist eine ganz neue und spannende Perspektive. Die Hutzenlaubs werden nämlich ins kalte Wasser geworfen. Zwar hilft die Firma mit Wohnungsbeschaffung und Formalitäten, aber die Schwierigkeiten fangen ja schon damit an, dass keiner in der Familie Japanisch spricht und in Japan nun mal alles auf Japanisch beschriftet ist. Die Kinder müssen in die Schule und den Kindergarten, Autofahren ist in Tokyo eine Herausforderung, um es milde auszudrücken, und kulturelle Fettnäpfchen lauern buchstäblich an jeder Straßenecke. Lucinde Hutzenlaub lässt auch kaum eines aus. Sie marschiert mit Tätowierung in ein Onsen (da hätte sie sich auch gleich "Yakuza" auf die Stirn schreiben können), gibt sich beim Empfang in der deutschen Botschaft gepflegt die Kante, weil die Schlange am Getränkestand nun mal kürzer war als die am Buffet, sendet unverhofft eindeutige Signale in Richtung japanische Männerwelt, als sie sich aus Spaß mit blonder Perücke verkleidet, entdeckt die gewöhnungsbedürftigen Seiten japanischer Kulinarik und lernt, dass japanische Häuser keine eingebaute Heizung haben. Auch nicht im Winter. Mit viel Selbstironie und einem (allerdings nicht immer ganz sicheren) Gespür für Pointen nimmt sie den Leser mit auf ihrem Weg von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen. Eines wird schnell klar: Die Japaner vergeben Fremden fast jeden Fehler. Sie sind rücksichtsvoll, sozial und enorm hilfsbereit. Das erlebt Lucinde Hutzenlaub mehr als nur ein Mal. Und das macht das Leben in Japan trotz aller Hürden und Mühen so angenehm.

Und dann passiert etwas, mit dem weder Lucinde Hutzenlaub noch der Rest der Welt gerechnet hat. Das Erdbeben vom 11. März 2011, der Tsunami und die Katastrophe von Fukushima. Das wird alles ändern und es ist ein echter Wendepunkt, nicht nur im Leben der Hutzenlaubs, sondern auch im Stil des Buches. Er wird ernsthafter, eindringlicher, denn die Hutzenlaubs fliehen zunächst einmal, wie fast alle Ausländer, aus dem Land. Eine chaotische Flucht, aber sie entschließen sich bald, zurückzukehren. Anders als die meisten Ausländer. Und dann lernen sie die Japaner erst richtig kennen. Ihr Zusammengehörigkeitsgefühl, die Solidarität, die Leidensfähigkeit. Lucinde Hutzenlaub, so schien es mir, hat sich erst nach Fukushima so richtig in das Land verliebt. Ihre Texte sind keine reinen Anekdotensammlungen mehr, sondern sie vermitteln viel von dem Gefühl in einem traumatisierten Land zu leben, gemeinsam mit den Menschen und wenn ich sage "gemeinsam", dann meine ich das auch. Die Hutzenlaubs beteiligen sich in ihrer Freizeit an Hilfsaktionen und erfahren viel Dankbarkeit und eine Nähe, die vielleicht vor dem Unglück eher selten war. Japaner bauen vor Fremden oft eine innere Wand auf, die man äußerlich als Toleranz wahrnimmt, aber nicht unbedingt etwas damit zu tun hat. Jetzt dringt Lucinde Hutzenlaub durch diese Wand und hier entwickelt ihr Buch eigenständige Qualität. Ihre Beschreibungen, bei aller Selbstironie, die sie erfreulicherweise nie ablegt, berühren den Leser und machen verständlich, warum Lucinde Hutzenlaub der Abschied von Japan nach drei Jahren Aufenthalt so schwer fällt. Japan ist zu ihrer zweiten Heimat geworden. Und selten habe ich in einem Japan-Erlebnisbericht so viel echte Sehnsucht gespürt, wie in den letzten Kapiteln von "Hallo Japan".
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