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Kundenrezension

132 von 144 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wundermittel Neurofeedback?, 12. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Dein Gehirn weiß mehr, als du denkst: Neueste Erkenntnisse aus der Hirnforschung (Gebundene Ausgabe)
In diesem Buch wird die These vertreten, dass sich Depressionen, Epilepsie, Schlaganfälle, ADHS, Traumata, Phobien und sogar Psychopathen kontrollieren lassen. Und zwar ganz ohne Medikamente. Da meine Tochter ebenfalls an einer starken Epilepsie litt und neuste Erkenntnisse aus der Hirnforschung ohnehin meine Aufmerksamkeit wecken, machte ich mich mit großem Interesse an die Lektüre.

Nachdem Niels Birbaumer im Vorwort immerhin anmerkt, dass nicht alles heil- und machbar ist, erklärt er im ersten Kapitel, was er unter „Persönlichkeit“ versteht. Mit Erstaunen entnahm ich seinem Resümee, dass es überhaupt keine Persönlichkeit gibt, sondern nur eingeübte Verhaltensweisen und Situationen. Als Beleg für diese These führt Niels Birbaumer unter anderem Birbaumers seinen eigenen Lebenslauf an.

Die Überschrift des zweiten Kapitels lautet: „Alles möglich? Das plastische Gehirn“. Dass dies eine rhetorische Frage ist, wird schnell klar. Weniger klar geht für den Leser hervor, dass der Streit über die Plastizität des Gehirns eher fiktiver Natur ist. Denn es gibt kaum einen renommierten Neurologen, der die Veränderbarkeit unseres Gehirns bestreitet. Gestritten wird lediglich über das Ausmaß und die Zeitperioden, in denen das menschliche Gehirn neue Mustervorlagen bildet. Aber das bekannte Milgram-Experiment, Studien aus der Zwillingsforschung, der vergrößerte Hippocampus eines Londoner Taxifahrers und andere „Beweismittel“ reichen nicht aus, um Birbaumers „enorm erweiterte Plastizität“ auch empirisch zu belegen.

Da der Autor an der Universität Tübingen mit Locked-in-Patienten arbeitet, widmet er diesem Thema verständlicherweise viel Raum. Seine anschaulichen Beschreibungen der erzielten Erfolge machen betroffen und werfen gleichzeitig viele Fragen auf. Was ist mit den Patienten, deren Angehörige weder die Zeit noch die Kraft aufbringen, fast rund um die Uhr am Krankenbett zu stehen? Wer stellt die notwendigen Infrastrukturen und Gelder für die vom Autor vorgeschlagenen Therapien bereit? Was heißt, sich mit dem Leben arrangieren zu können? Sind Patientenverfügungen tatsächlich so sinnlos, wie es Niels Birbaumer seinen Lesern weismachen will?

Wenn der Autor die Angehörigen von behinderten Patienten in liebevolle und grausame unterscheidet, finde ich das ziemlich problematisch. Zumal Schuldzuschreibungen nun wirklich das letzte sind, was die Betroffenen in solche schwierigen Lebenssituationen brauchen. Und genau das lösen Kapitelüberschriften wie „Epilepsie ist kein Schicksal“, „Auch halbe Hirne funktionieren“ oder „Auch Hundescheisse kann heilen“ aus. Da nützt es auch nichts, dass Niels Birbaumer den Grund der Verweigerung gegen seine Methode primär bei den Krankenkassen und der mangelnder Zusammenarbeit unter Wissenschaftlern sieht.

Im Zentrum des siebten Kapitels stehen die Psychopathen. Und damit der Leser einschätzen kann, wie weit die folgenden Ausführungen auch auf ihn zutreffen, gibt es einen Selbsttest. Entwickelt hat ihn der 1934 geborene Kriminalpsychologe Robert D. Hare. Aber aufgepasst! Laut Niels Birbaumer ist es bereits ein Hinweis auf Psychopathie, wenn man beim Beantworten der 14 Fragen lügt. Die Chance ist also groß, dass sich mancher Leser damit anfreunden muss, dass verschiedene Regionen seines Gehirns eine Unterfunktion haben und er deshalb weder Angst noch Sorge kennt. Diese saloppe Zusammenfassung erlaube ich mir, weil sich Niels Birbaumer häufig ebenso undifferenziert ausdrückt.

Trainieren lässt sich laut Niels Birbaumer auch das Gehirn eines Patienten, der unter Parkinson oder Demenz leidet. Und selbstverständlich ist Neurofeedback auch die richtige Methode, um Menschen mit ADHS ohne Medikamente zu behandeln. Dass der Autor den Produzenten von Ritalin als Nürnberger Unternehmen bezeichnet, ist zwar nicht gravierend, aber irgendwie bezeichnend. Denn auch bei seinen wissenschaftlichen Beweisführungen lässt Niels Birbaumer die notwendige Sorgfalt oft vermissen. Es erstaunte mich deshalb nicht, dass unter den Literaturhinweisen fast alle Werke fehlen, die bei diesen Themen normalerweise zitiert werden.

Mein Fazit: Der an der Universität Tübingen wirkende Niels Birbaumer gilt als einer der engagiertesten Vertreter der These, dass im menschlichen Gehirn nur wenig festgelegt ist. Der Autor erzielte mit seinen Behandlungsmethoden selbst bei Locked-in-Patienten erstaunliche Erfolge. Aber Neurofeedback und ähnliche Therapien als Wundermittel für Hirnschädigungen verschiedenster Arten anzupreisen, überschreitet die Grenze wissenschaftlicher Seriosität. Wie weit Jörg Zittlau als Co-Autor die oft mangelhaften Beweisführungen mitverantwortet, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich finde es einfach schade, dass man es den Kritikern der Neuroplastizität so leicht macht, neue Methoden abzulehnen.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 24.05.2014 09:32:57 GMT+02:00
Danke Dr Fuchs für ihre differenzierte und angebrachte kritik! Dipl.psych. Bärbl Parson
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