als ich 1945 geboren wurde, stopfte mich meine mutter, wehrmachtshelferin auf dem weg von prag nach rügen, unterwegs in ein wuppertaler kinderheim und überließ mich meinem schicksal. sie betrog mich so u.a. um meine DDR-kindheit. ich wuchs im westen auf, mit pepsi cola, care-paket, VOX-kaffe mit indianer-bildchen, später: beatles, 68'er, brandt und kohl. als ich nach 40 jahren beharrlicher suche meine mutter auf der insel rügen endlich ausfindig gemacht hatte, lernte ich die verlorene kindheit im foto-album betrachten: sommer-strand auf rügen, winter auf hiddensee, flugenten, kraniche - und jede menge kohlehaufen auf maroden bürgersteigen. farbfilme, bücher, trabi-ersatz-teile: nur schwer zu bekommen. trotzdem, ich wollte mein leben in der DDR nachholen - 1990, als die mauer gefallen war: ein schulrat auf der insel rügen wies in den flur voller ex-stasi-mitarbeiter und teilte mir auf diese weise in einem fast stummen "kader-gespräch" mit, er hätte genug leute als lehrer unterzubringen, ich solle bitte dahin zurückkehren, wo ich hergekommen sei - meine reiserichtung sei absolut untypisch und nicht empfehlenswert. meine mutter schloss sich daraufhin einer damals akuten epidemie an: sie beging einen sogenannten bilanz-selbstmord. ein zweites mal war ich um die chance gebracht, "zonenkind" zu werden. habe ich wirklich viel verpasst? da das buch von jana hensel mich zu diesen gedanken angeregt hat - vielleicht ist es doch nicht so banal, wie man erst denkt?