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Kundenrezension

am 11. März 2012
Rd. acht Monate nach dem von Kritikern hochgelobten "Kid A" erschien am 4. Juni 2001 mit "Amnesiac" eine weitere Platte von Radiohead, die als zweite Veröffentlichung die Ergebnisse eines mehrere Jahre währenden Schöpfungsprozesses präsentierte. Obwohl ähnlich weit weg vom sog. "Mainstream" wie sein Vorgänger, konnte die Band mit "Amnesiac" durchaus beachtliche Verkaufszahlen verzeichnen, was vergleichsweise ungewöhnlich erscheint, wenn man den Werdegang anderer Gruppen betrachtet, die im Laufe ihres Schaffens eine ähnlich drastische Entwicklung durchgemacht haben. Als Negativ-Beispiel könnten Talk Talk genannt werden, die zwischen 1982 und 1991 mit lediglich fünf Alben buchstäblich von einem Ende moderner Musik zum anderen gegangen sind und deren kommerzieller Erfolg mit dem Verlassen massentauglicher Musik beinahe unmittelbar endete. Nicht so bei Radiohead. Hier hat entweder eine genügend große Zahl alter Fans den Wandel mitgemacht, oder aber es konnten hinreichend viele neue Hörer gewonnen werden, um "Kid A", "Amnesiac" und den drei Nachfolgern das Schicksal kommerzieller Flops zu ersparen. Eine Entwicklung, die nur begrüßt werden kann, da alles was nach "Ok computer" kam, für Schnellhörer definitiv ungeeignet ist.

Der Wandel von "Pablo Honey" bis zum vorliegenden Werk ist in der Tat beachtlich, beinahe kaum fassbar und - ERHABEN. Vom Licht, über Nebel und Zwielicht hin zur scheinbar vollkommenen Dunkelheit. Obwohl bereits "Kid A" mir sehr dunkel erscheint, hat diese Dunkelheit einen gewissen, sie konterkarierenden "metallischen Glanz", der "Amnesiac" fehlt.

Es beginnt bereits mit dem Opener, der melodisch recht zurückgenommen, jedoch äußerst atmosphärisch und ausdrucksstark daherkommt und mit seiner mittelschnellen Dunkelheit gut in das Album einführt. Das folgende "Pyramid song" nimmt die elektronischen Klänge und das Tempo heraus und stellt dem Mysteriösen des Vorgängers Verzagtheit und Depression zur Seite, die durch Klavierklänge strukturiert werden. Herrlich. "Pull revolving doors" stellt einen partiellen Bruch dar. Einerseits kehrt es zu den elektronischen Klängen des Openers zurück, andererseits wirkt er stimmungstechnisch weitgehend abgekoppelt, wenngleich trotzdem interessant. "You and whose army?" erscheint als ein düster-warm-optimistisches Gegenstück zu "Pyramid song" und weist all dessen Stärken auf.

"I might be wrong" kehrt die Stimmung erneut. Das Optimistische wird wieder in Verzagtheit überführt - eine treibende Verzagtheit, die durch einen äußerst ausgefeilten Klangteppich entwickelt wird und einen Titel schafft, in dem man sich völlig verlieren kann. Exzellent. "Knives out" nimmt das Raue heraus und setzt die Depression fort, vollbringt es aber zusätzlich, durch die Kombination von Melodie und Instrumentierung eine subtile, für mich nicht ergründbare Spannung aufzubauen, die es aus dem ohnehin hervorragenden Album noch etwas herausragen lassen. Brilliant! Jetzt folgt etwas, was ich bis dato noch nirgendwo erfahren habe. Durch die Neubearbeitung eines bereits vorhandenen Titels gelingt es, eine direkte Fortsetzung zu schaffen. Melodisch einerseits unheimlich ähnlich und im selben Moment sehr andersartig, schließt "Morning bell" in seiner neuen Form hervorragend an seinen Vorgänger an und löst die zuvor aufgebaute Spannung wieder auf. Die Instrumentierung schafft einen Dualismus von Leichtigkeit und Schwere, der kaum fassbar erscheint. Zugleich ist es der einzige Titel des Albums, der in seiner Gesamtheit ein wenig heller wirkt. Das schwache Licht erlischt allerdings rasch. "Dollars und cents" führt zurück in sphärische Dunkelheit, die durch Gitarren und Streicher getragen wird, zumindest aber den leichten Optimismus fortführt - gewissermaßen ein warme Düsternis.

Die drei letzten Titel führen die Stimmung grundsätzlich fort, variieren in Tempo und Instrumenten jedoch stark und stehen in ihrer Qualität etwas hinter ihren Vorgängern zurück. "Hunting bears" ist ein relativ kurzes, aber präzises, auf den Punkt gebrachtes Instrumental, während "Like spinning plates" stilistisch an "Pull revolving doors" anschließt. Das abschließende "Life in a glasshouse" bringt sperrige Düsternis, in der schiefe Trompetenklänge einen wichtigen Teil des Reizes liefern.

In seiner Gesamtheit ist "Amnesiac" ein düsteres, hervorragend instrumentiertes und außerordentlich stimmungsvolles Album. Allerdings verbergen sich diese Stärken hinter einem ziemlich dicken Panzer vermeintlicher Unzugänglichkeit, der erst geknackt werden muss, soll die volle Erhabenheit des Werkes begriffen werden. Ist dies gelungen, ist der Hörer in der Lage, die notwendige innere Ruhe und Disziplin aufzubringen, bietet "Amnesiac" eine scheinbar grenzenlos große Welt von Eindrücken, Anstößen und Möglichkeiten. Das Wissen, das hier das Ende einer Entwicklung markiert wird, könnte die geschilderten Eindrücke noch verstärken. Die nachfolgenden Alben führten den Weg nicht fort, sondern brachten Querschnitte des zuvor zurückgelegten Entwicklungsweges und der dabei realisierten Stile. Obwohl sehr stimmungsvoll, reichen sie meiner Meinung nach nicht mehr ganz an ihre Vorgänger heran. Leider hat die Band bereits bekannt gegeben, keine weiteren Alben mehr produzieren zu wollen. Auf der einen Seite bedauerlich, da viele Hörer sich wahrscheinlich eine Fortsetzung des Schaffens in Form weiterer Longplayer wünschen. Anderseits ist mit dem Bestehenden alles gesagt und egal, wie oft die Platten ab "The bends" die Anlage des Hörers durchlaufen: es wird immer wieder Neues zu entdecken geben.
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