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Kundenrezension

am 27. Dezember 2013
Wie man die Verfilmung eines Historienromans an den Baum fahren kann, hat Sat-1 bei der „Wanderhure“ gezeigt. Wenn das Geld oder andere Zwänge die Filmdauer bestimmen und der vorliegende Romanstoff auf 1,5 Stunden zurechtgestutzt wird, kann man nicht erwarten, daß die Umsetzung des Vorhabens zufriedenstellend erfolgt. Und warum soll man nicht aus einem literarischen Epos einen Monumentalfilm machen? Das funktionierte in den 1960er und '70er Jahren, und es funktionierte in den 1990er Jahren mit Mel Gibsons „Braveheart“. Ich bin auch der Meinung, daß ein Film mit einem gewaltigen Zeitabriß zu einem monumentalen Thema auch gern 2,5 bis 3 Stunden gehen kann. UFA-Cinema als Produktionsfirma sowie ARD-Degeto und Beta-Cinema als Co-Produzenten taten gut daran, den Stoff eben nicht in 90 Minuten unterbringen zu wollen, sondern dem Film stattdessen eine komplette Stunde mehr zu gönnen. Im Gegenteil, es hätte sogar noch eine halbe Stunde mehr sein können. Immerhin umfasst die Handlung in der Buchvorlage (Noah Gorden, „Der Medicus“) mehrere Jahre, das bekommt man im Film gar nicht so richtig vermittelt. Schön ist es aber allemal zu wissen, daß man auch in Deutschland nach wie vor das Zeug zu großen Filmereignissen hat (neulich hat man erst die Sat-1 Verfilmung „In einem wilden Land“ sehr kritisiert) und man als Zuschauer nicht darauf angewiesen ist darauf zu warten, bis in der Filmfließbandindustrie Hollywoods zwischen viel Müll und Schund wieder mal ein guter Wurf dabei ist.

Ich hatte beim „Medicus“ ein gutes Bauchgefühl; und gleich am Tag eins nach Kinostart wollte ich sehen, ob der Film meinen Erwartungen gerecht wird. Meine Rezension wird sich deshalb auch auf den Inhalt des (Kino-)Films beziehen, und nicht auf die DVD/BlueRay als Artikel, die Ende Dezember 2014 in den Handel kommt.
Ein herausragender Sir Ben Kingsley als Hakim (Arzt) Ibn Sina führt die Schauspielerriege an, gefolgt vom nicht minder guten Tom Payne als angehender Medicus. Emma Rigby verkörpert die bezaubernde, aber zunächst als Ware gehandelte, unglückliche Rebecca. Sehr gut besetzt sind meines Erachtens auch die wichtigsten Nebenrollen: Stellan Skarsgård als fahrender Bader in England und Olivier Martinez als Schah von Persien in Isfahan. Die verschiedenen Charaktere der zu verkörpernden Filmfiguren wie Rob Coles Freunde an der Universität, der verräterische und islamistisch-fundamentalistische Hausmeister der Universität in Isfahan, der Imam der Moschee (ein Hetzer und Eiferer seines Glaubens) oder auch der Anführer des Seldschuken kommen ebenfalls sehr gut rüber.

Der Film beginnt im mittelalterlichen England des 11. Jahrhunderts. Zu Beginn des Films erfolgt eine Einleitung, sinngemäß: „Die Erfolge der Wissenschaften und die hohen Lebenskulturen der Antike sind im mittelalterlichen Abendland in Vergessenheit geraten.“ Und genauso düster und beinahe barbarisch wird das Leben vor allem der einfachen Land- und Stadtbevölkerung dargestellt. Wo sind dieses Wissen und die hohe Kultur geblieben, mag man sich fragen? Die Kirche als Machtinstrument hat einen nicht geringen Anteil daran. In der Sterbeszene von Rob Coles Mutter wird dies deutlich, als der Pfarrer den einfachen Bader nicht an seine Mutter heranlässt – es sei denn, er will sein armseliges Leben mit einem Prozess wegen Hexerei beenden. Jede wissenschaftliche Erkenntnis, jeder Fortschritt und jede Gleichberechtigung muss fortan und über Jahrhunderte gegen die Kirche hart erkämpft werden. Anders das Erscheinungsbild des Orients für den weitgereisten und von der langen Reise schwer angeschlagenen Rob Cole, der sich mittlerweile als Jude ausgibt und sich Jesse Ben Benjamin nennt. Dem Abendland architektonisch, technisch und kulturell weit voraus erscheint Arabien. Hier fragt man sich wiederum, wo all diese hohe Kultur und der hohe Stand der Wissenschaften in unserer Zeit geblieben sind? Auch hier ist es eine Religion, die die Macht an sich gerissen hat und seitdem jeden technischen und wissenschaftlichen Fortschritt, jede kulturelle Weiterentwicklung, jegliche Gleichberechtigung und Weltoffenheit verhindert.

Im Film zieht man (bewusst?) Parallelen zwischen den Religionen, die bis in die heutige Zeit anhalten; zumal im nahen Osten, dem Schmelztiegel der drei großen Weltreligionen Islam, Judentum und Christentum. Die großen Drei, allesamt zurückzuführen auf die biblischen Urväter Adam, Noah und Abraham, sind sich ähnlicher, als sie es bis heute wahrhaben wollen. Und alle drei glänzten in ihrer Vergangenheit oder tun es bis heute mit Scheinheiligkeit, Intoleranz, Dogmatismus, Menschenverachtung und Frauenfeindlichkeit. Zumindest, wenn man die Religionen als Machtinstrument einsetzt – und das sind sie definitiv! Wie sagte einst Politkabarettist Hagen Rether: „Demut vor der Schöpfung und Nächstenliebe, darauf ließen sich alle Religionen einigen, wenn man wollte. Aber man will ja gar nicht!“ Umso mehr wird im Film deutlich, wie wichtig es ist, daß ein weltoffener und fortschrittlich denkender Herrscher den Wissenschaften in seinem Land ein Zuhause gibt; in diesem Fall der Schah, der die medizinische Universität nicht nur duldet, sondern auch fördert. Der Schah setzt auf eine klare Trennung von Staat und Kirche und verteidigt dies auch gegen eifernde Mullahs und hetzende Imame – und ist dennoch selbst ein gläubiger Moslem. Dogmatismus durch die Religionen lehnt er aber ab.
Ein ebenso fortschrittlicher Geist ist der Hakim Ibn Sina. Er ist Moslem, aber er ist auch Wissenschaftler (Arzt und Astrologe). Seine Universität steht an erster Stelle, und der religiöse Glauben seiner Studenten ist ihm zweitrangig. Unter dem Dach der Universität und mit dem Ziel, die Wissenschaften voranzutreiben, will er seine Studenten vereinen und sie zu guten und menschlich handelnden Ärzten machen. Er nimmt Muslime und Juden auf, und er verstößt auch Jesse Ben Benjamin alias Rob Cole nicht, als er erfährt, daß dieser Engländer christlichen und nicht jüdischen Glaubens ist.

Wer das Buch kennt, und das dürften die meisten sein, wird den Film mit einer gewissen Erwartungshaltung anschauen. Denn viel zu oft hört man im Nachhinein „Das Buch ist besser.“ Der Film ist sehr sehens- und empfehlenswert. Auf ein paar Abweichungen muss sich der Zuschauer aber trotzdem einstellen. Wenn man sich darauf einlässt und nicht dauernd denkt „…aber im Buch….“ wird der Film trotzdem ein Erlebnis sein. Es geht zum Beispiel leider völlig unter, wie schwer es für den recht ungebildeten Jungen aus England ist, arabisch und jiddisch zu lernen oder wie schwer es für ihn ist, jüdische Gepflogenheiten und religiöse Bräuche der Juden derart zu verinnerlichen, so daß sein Schwindel nicht entdeckt wird. Seine heimliche Selbstbeschneidung und sein fast entdeckt zu werden beim unbedachten Bekreuzigen im Sandsturm in der Wüste streifen das Thema nur leicht an. Auch die Person Rebecca im Film vermischt zwei Frauen aus dem Buch in einer Person. Denn die junge, hübsche, aber furchtbar einsame und unglückliche Kaufmannsfrau in Persien einerseits sowie die Frau, die Rob Cole in der Karawane kennenlernt und die später seine Frau wird sind im Buch zwei verschiedenen Personen. Im Buch wird der lebenslustige Freund Rob Coles, Karim, wegen Ehebruchs grausam hingerichtet. Im Film stirbt er an der Pest. Den gröbsten Schnitzer leistet man sich meines Erachtens in der Schlußszene. Im Buch kehrt Rob Cole nach vielen Jahren mit seiner aus Schottland nach Persien ausgereisten Frau zurück nach England. Weil er dort aber den alteingesessenen Ärzten, Badern und Quacksalbern und mit Sicherheit auch der Kirche mit seinem Wissen und Können ein Dorn im Auge ist, zieht er mit seiner Frau in ihre alte Heimat, um Schafe zu züchten und nebenbei als Landarzt tätig zu sein. Im Film betreibt er in der Schlußszene mit „seinen“ Juden ein Krankenhaus in London. Selbst wenn man den Begriff Krankenhaus auf das Mittelalter relativiert, es wäre damals schlicht und ergreifend nicht möglich gewesen.

Fakt ist aber, daß dieser Film ein bildgewaltiges Mittelalter-Epos ist das mit krassen Gegensätzen (England-Persien, arme Leute-reicher Kaufmann-Schah) daherkommt; ein Film der mit vielen klugen oder des Nachdenkens werten Dialogen einhergeht und der viele Parallelen zu den Religionen damals bis heute bereithält. Und was muss, das muss: auch die Liebe, wenn zunächst auch eine unglückliche, kommen im Film vor. Aber die haben wir ja im Buch auch schon….

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Hakim Ibn Sina: „Der Medicus darf den Tod nicht als seinen Feind betrachten!“ Eine Aussage, mit der man vielleicht einmal viele Ärzte heutzutage konfrontieren möchte, die Alte oder unheilbar Kranke am Sterben hindern. Die Antwort auf die Frage seines Schülers Jesse Ben Benjamin „Als was soll ich ihn denn dann betrachten, etwa als meinen Freund?“ bleibt Hakim Bin Sina dennoch schuldig.
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