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Kundenrezension

am 6. Oktober 2012
Der koreanische Schriftsteller Yi Munyol - Yi ist der Familienname - wurde im Jahr 1948 geboren; der koreanische Bruderkrieg von 1950 bis 1953 zerriss seine elterliche Familie. Kindheit, Jugend und Studium waren durch ein ständiges Auf und Ab ohne einen qualifizierenden Abschluss gekennzeichnet. Schließlich arbeitete er als Journalist, schrieb Erzählungen und bearbeitete alte chinesische Romane. Einige seiner Werke wurden mit Literaturpreisen ausgezeichnet, in andere Sprachen übersetzt und verfilmt. Heute leitet er ein Literaturzentrum in Südkorea.

Auf Deutsch sind bisher erschienen die Romane "Der entstellte Held" (1999), "Jugendjahre" (2004), "Dem Kaiser!" (2008), "Der Dichter" (2010) sowie die Erzählung "Befestigter Gesang" (2005), enthalten in dem von F. Bertulies herausgegebenen Band "Die Sympathie der Goldfische - Neue Erzählungen aus Südkorea".

Der Protagonist und Ich-Erzähler Han Pyongtae, Schüler im fünften Schuljahr, wechselt infolge einer Versetzung seines Vaters von einer modernen Schule in Seoul auf eine Schule in der Provinz. Dort stößt er auf eine ausgeprägte Machtstruktur, die der Sprecher seiner Klasse, Om Soktae, um sich herum aufgebaut hat. Die Struktur wird von den Lehrern unterstützt, weil sie ihnen Arbeit abnimmt. Der Kampf des Protagonisten gegen die Macht scheitert und treibt ihn in die Isolation. Schließlich arrangiert er sich mit dem Klassensprecher und nimmt sogar an der Macht teil. Er genießt die süßen Früchte der Unterwerfung.

Erst ein frisch auf die Schule gekommener, junger Lehrer entlarvt im sechsten Schuljahr die Machtstruktur samt ihren Betrügereien, zerstört sie und bläut den Schülern ein, wie Demokratie funktioniert. Dass der ehemalige Klassensprecher die Schule verlässt, auf eine kriminelle Laufbahn gerät und am Ende verhaftet wird, ist nebensächlich. Der Protagonist erringt einen bescheidenen, bürgerlichen Erfolg als Dozent und Familienvater. Helden sind weder er noch sein Widersacher.

Das Thema Macht wird in dem überschaubaren Umfeld einer Schulklasse dargestellt, aber Machtverhältnisse finden sich ebenso in Vereinen, Unternehmen und der Politik. Parallelen insbesondere zur südkoreanischen Politik zu ziehen, liegt nahe. Im Nachwort wird die Handlung in die Jahre 1959/60 verlegt, an das Ende der Regierungszeit Syngman Rhees. In einem Interview äußert der Autor jedoch, dass er die 1980er Jahre im Blick gehabt habe. Letzten Endes spielen die Jahreszahlen keine Rolle; Macht und ihr Missbrauch sind zeitlos.

Zwei Themen im Umkreis der Macht klammert der Autor aus, vermutlich bewusst: erstens die Frage, wie es überhaupt zum Aufbau einer solchen Machtstruktur kommt. Der Protagonist legt sich mit einer bereits voll entwickelten Struktur an. Zweite Frage ist die Weiterentwicklung der Macht. Erfahrungsgemäß bekommen Tyrannen oder Diktatoren nie genug, heißen sie nun Alexander, Caesar, Napoleon oder Hitler. Die alten Griechen wussten, warum sie den Ostrakismos, das Scherbengericht, einführten. Moderne Kartellverbote versuchen, wirtschaftliche Macht zu begrenzen. Der Klassensprecher ist zu schlau, vielleicht auch nur zu kurz im Amt, um an der Maßlosigkeit zu Grunde zu gehen. Stattdessen erscheint ein Deus ex machina in Gestalt des jungen Lehrers.

Das sechzehnseitige Nachwort von Heidi Kang führt den deutschen Leser in das Leben Yi Munyols, in die Geschichte und Kultur des modernen Korea und in das koreanische Schulsystem ein, eine wertvolle Hilfe, auch für die Lektüre weiterer koreanischer Schriftsteller.

Der Pendragon-Verlag hat das Buch ebenso sorgfältig ausgestattet wie die anderen Bände seiner Edition moderner koreanischer Autoren. Augen und Hände des Rezensenten freuten sich bereits vor dem Lesen.
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