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Kundenrezension

16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In Ordnung, 8. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Eine Kleine Nachtmusik (Eloquence) (Audio CD)
Kleiner Scherz zum Einstieg: "Ich liebe das Air von Bach und die kleine Nachtsmusik von Mozart! Bin ich ein Kunstbanause?" Diese Frage sendete ein Zuschauer von "Kaisers Klassikkunde" an den legendären Musikkritiker Joachim Kaiser, der der Beantwortung eine Folge dieser Reihe widmete. Meine Antowort auf die Frage wäre ja deutlich kürzer ausgefallen. Ich hätte schlichtweg die Gegenfrage gestellt: "Warum sollte Sie das zu einem Kunstbanausen machen?" Lassen wir mal außen vor, dass ich es seltsam finde, dass jemand für seine musikalische Liebe den Segen eines Musikkritikers sucht. Kaisers Antwort lautete, es sei natürlich in Ordnung, das Air von Bach und die kleine Nachtmusik zu lieben, aber es sei in höchstem Maße lohnenswert, sich auch noch mit anderen Stücken der klassischen Musik auseinanderzusetzen.
Ich bin nicht Kaiser und kann mich mit diesem auch nicht messen, bin nur ein kleiner Hobbymusikkritiker, aber spaßeshalber erteile ich Ihnen hiermit auch diese Absolution: es ist grundsätzlich vollkommen in Ordnung, dass Sie es in Erwägung ziehen, diese CD zu kaufen, selbst wenn sie sie nur wegen der kleinen Nachtmusik kaufen wollten. Falls dies ihr erster Ausflug in die klassische Musik sein sollte möchte auch Ihnen raten, es nicht bei diesem zu belassen.

Da wir das nun geklärt hätten bleibt noch die Frage, ob es auch in Ordnung ist, wenn sie genau diese Aufnahme erwerben. Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker waren natürlich jeder für sich und am meisten im Zusammenwirken mit die größten Institutionen des Musikbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zum Tode Karajans 1989. Die Diskographie dieses Gespanns ist mit umfangreich nahezu unverschämt untertrieben beschrieben. Von Bach bis Schostakowitsch gibt es beinahe keinen Komponisten von Rang, dem sie sich nicht gewidmet hätten. So fehlt natürlich auch Mozart nicht in dieser Sammlung.

Jenseits von Opernaufnahmen würde ich Karajan nicht als herausragenden Mozart-Interpreten bezeichnen. Zu seiner Zeit war die Konkurrenz allen voran durch Karl Böhm doch sehr gewichtig. Später kam die Gruppe der sogenannten historischen Aufführungspraxis als wichtige Alternative hinzu. Diese Interpreten, allen voran Nicolaus Harnoncourt beklagten, die Charakteristika der Kompositionen Mozarts würden bei Interpreten wie Böhm und Karajan nicht klar genug herausgearbeitet, die Tempi seien zu langsam, die Orchester zu groß besetzt, Akzentuierungen und Rhythmus würden zu sehr glattgebügelt und der Stil des Ineinanderfließenlassens der Instrumente, den insbesondere Karajan kultivierte verwische zu viel Details der Haupt- und Nebenstimmen. Außerdem sei der künstliche Klang der dauerhaft vibratospielenden Streicher und der neueren Instrumente, insbesondere der Bläser zu beklagen, da er im Zusammenspiel mit den anderen Kritikpunkten dazu führe, dass Mozart nicht wie ein Vertreter seiner Zeit, sondern wie ein Vertreter der Romantik klinge. Dies nur als kurze Einführung für diejenigen, die noch von der historischen Aufführungspraxis gehört haben.

Karajan ließ Mozart also in einem Stil spielen, der heute von einigen als überholt angesehen wird. Wie klingt nun Karajans Mozart? Bei der kleinen Nachtmusik fällt insbesondere der dichte Streicherklang und der insgesamt relativ wuchtige Orchestersound auf. Diese kleine Serenade, die häufig auch in einer Version für Streichquartett aufgeführt wird klingt dann eher wie eine große Symphonie. Problematisch ist dies meiner Meinung nach genau dann, wenn man ihr dabei auch noch die Beweglichkeit und den Schwung nimmt. Karajan unterläuft dies bei Mozarts Symphonien bisweilen, hier empfinde ich dieses Problem aber nicht als so gravierend. Der Maestro hat insgesamt relativ zügige Tempi gewählt und setzt auch die Akzente recht adäquat. Meines Erachtens bewirkt dies insgesamt, dass man sich die Interpretation der kleinen Nachtmusik sehr gut anhören kann.

Mit den Serenata Notturna und den hier ebenfalls eingespielten Divertimenti tu ich mich hingegen deutlich schwerer. Insbesondere die ersten beiden Sätze der Serenata Notturna leiden meines Erachtens doch sehr am kitschig-vibratoreichen Streicherklang, aber auch z.B. daran, dass eine große Pauke verwendet wurde, die es zu Zeiten Mozarts in dieser Größe noch nicht gab. Deswegen empfinde ich die ersten beiden Sätze als nur sehr eingeschränkt gelungen und bin weniger zufrieden und war um so überraschter wie temperamentvoll und klar das Finale dieses Werks gelungen ist. Mit den Divertimenti verhält es sich ähnlich. Sie vertragen es aus meiner Sicht nicht, wenn die Streicher zu "verwaschen" spielen, das lässt sie kitschig und auch ein wenig unbeweglich klingen.

Mein Fazit lautet daher: die Aufnahmen sind Ordnung, insbesondere die kleine Nachtmusik kann man sich sehr gut anhören. Die Serenata Notturna ist nur im Finale gelungen, die Divertimenti sind Durchschnittsware. Wer etwas mehr Geld ausgeben will und sich insbesondere für die Divertimenti und die Seranta Notturna interessiert, dem möchte ich Ludwig Güttler mit den Virtuosi Saxoniae empfehlen. Sie bekommen dabei auch noch schöne, wenn auch nicht rundum überzeugende Aufnahmen der späten Mozart-Symphonien. Als Alternative im traditionellen Orchesterstil zu dieser CD möchte ich James Levine mit den Wiener Philharmonikern empfehlen. Neben einer hervorragenden Aufnahme der Posthornserenade Mozarts bekommen Sie hier eine meines Erachtens noch etwas bessere Aufnahme der kleinen Nachtmusik. Wer Lust hat, sich diese Werke mal in der Lesart der historischen Aufführungspraxis zu Gemüte zu führen, findet bei Christopher Hogwood eine schöne Version für Streichquartett und bei Jordi Savall eine ruppig-spannende Orchesterversion (hier nur als Download verlinkt, da die CD relativ teuer ist).

Ordentliche CD, kein Fehlkauf, aber es gibt besseres!
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.07.2011, 16:41:03 GMT+2
W. Fragner meint:
Danke für Ihre Ausführliche Rezension, besonders gut gefallen hat mir Ihre Alternativ-Zusammenstellung die einen doch weiterbringt und (im besten Sinne) dem Leser die Wahl gibt gleich aus mehreren Interpretationen gezielt zu wählen.
Danke.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.01.2012, 15:56:14 GMT+1
Zuletzt vom Autor geändert am 21.05.2012, 07:19:29 GMT+2
Wer Mozart mit größerem Orchester mag, ist bezüglich der "kleinen Nachtmusik" und "Serenata Notturna" (& "Posthornserenade") mit dieser CD von Karl Böhm (Wiener Philharmoniker) wesentlich besser bedient : Eine kleine Nachtmusik (Virtuoso)

Böhm dirigiert hier Mozart wesentlich klarer und akzentuierter - und einfach schön.
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Ort: Baden-Baden

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