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Kundenrezension

am 5. Mai 2010
" ... dass nicht die Natur uns die Liebe lehre, / sondern der erste Schundroman. /
Wir dürsten danach, das Leben im voraus zu kosten, / und begegnen ihm im Roman."
(Alexander Puschkin, 1799-1837)

Olga und Tatjana sind die beiden Töchter der Gutsherrin Larina. Tatjana ist jene, die ihre Emotionen aus dem Lesen von Büchern holt, quasi aus zweiter Hand. Ihre Ruhe und ihre Träume halten sie in einer eigenen Welt. Zum Dorffest erscheint der Nachbar und Dichter Lenski mit seinem Freund Onegin. Letzter ist aus der Stadt, jedoch nach einer Erbschaft auch Gutsbesitzer. Lenski ist mit Olga verlobt, Onegin macht gegenüber Tatjana nur höfliche Bemerkungen, während er Olga seine Liebe ihr gegenüber gesteht. Tatjanas Welt aus den Büchern scheint im Auftreten von Onegin auf einmal real. Sie verliebt sich und läßt einen Brief zu Onegin bringen, in dem sie ihre erste und einzige Liebe gesteht, ihm, dem von "Gott gesandten" Onegin, der wie "Der Wanderer über dem Nebelmeer" (Caspar D. Friedrich) sich der Welt überhöht präsentiert. "Wer bist du, mein Schutzengel oder mein listiger Verführer?" Tatjanas Innenleben gerät in bis dahin unbekannte Wallung, während Olga mit Onegin ihren Verlobten in eifersüchtige Rage versenkt. Ein Duell ist unausweichlich, Lenski, der Dichter, stirbt. Tatjana verschlägt es in die Stadt, verheiratet mit einem reichen Mann, trifft Onegin sie wieder in St. Petersburg. Seine und ihre Liebe brennen noch, doch die Vernunft und das Versprechen gegenüber jemand anderen hält Tatjana fern.

Während Lenski wie Puschkin, dessen gleichnamiger Versroman Vorbild für Peter Tschaikowsky (1840-1893) war, Dichter und Romantiker ist und damit sich in einer anderen Welt aufzuhalten vermag, ist Tatjanas Welt ebenso imaginär, geradezu traumwandlerisch. Nichts hält sie von der Lektüre ab, ihre Liebesromane bestimmen ihr Herz solange, wie sie nicht das reale Empfinden im Angesichte Onegins verspürt. Ihr Brief ist eine Liebesbotschaft, die sanft abgewehrt vom Stadtmenschen, zur realen Enttäuschung wird. Onegins Spott ihr gegenüber, ausgedrückt in einer Überhöhung, sie sei zu schade für ihn und doch meint er nichts anderes als Puschkins selbst: Hysterie und Ohnmachtsanfälle seien zu viel für Onegin. Tatjana selbst jedoch wird aus Büchern Onegins bestätigt. Ihre gelesenen Randnotizen in seinen Büchern erzeugen in ihr ein neues Bild des Helden, ein Bild eines Stadtmenschen mit einer "amoralischen Seele, einem verbitterten Verstand, brodelnd in leerer Geschäftigkeit". Ein Dandy wie es der von Puschkin verehrte Lord Byron war, oder besser sein Held "Childe Harold". Nichts anderes als Tatjana selbst ist er, Onegin: ebenso eine Imitation angelesener Helden, jener "Byronic Hero" aus dem vorbildlichen Versepos des Lords, der die Frauenherzen faszinierte.

Zentrales Thema ist die Briefszene Tatjanas. Auch Tschaikowsky hat sie nicht nur literarisch nach dem Vorbild Puschkins ins Zentrum gerückt, sondern gerade musikalisch in seinen "Lyrischen Szenen" von atemberaubender Schönheit komponiert. Seine Interpretationen aller Grenzbetrachtungen des Lebens sind von wirklicher Genialität. Emotionale Gegenwärtigkeit weiß er in die Oper einzubringen, während Puschkin die ironische Distanz wahrt. Die Briefszene als Leitmotiv folgt einer fallenden Linie, ausgelöst mit dem ersten Ton, schon dort wo literarisch vermutet das Leben anderswo hätte besser sein können, wo Sehnsucht stark ist und ihre Erfüllung in unerreichbarer Ferne liegt. Eine Melancholie durchweht diesen Text ein wenig und diese Musik erhebt alle Sehnsüchte, alle Vorstellung in einen Klang, der immer währender Grundton ist. "Die Triebfeder ist die Ehre, unser Abgott! / Und sie ist es auch, die die Welt in Bewegung hält!", schreibt Puschkin in seinem 1833 veröffentlichten Versroman. Ist es mehr als nur ein Versehen, dass er seine Vorsehung niederschrieb, denn nur vier Jahre später im Jahre 1837 starb auch er in einem Duell. Tschaikowskys Oper wurde 1878 fertiggestellt und aufgeführt.

Lyrische Szenen aus dem Innersten sind geschrieben und noch mehr vertont von einem großen Russen mit einer endlos großen russischen Seele. Lesens- und hörenswert.
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