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Kundenrezension

am 31. Oktober 2010
Zunächst einmal möchte ich Sie, den Leser, bitten diese Rezension nicht zum Spielball zwischen "Fanboys" und "Hassern" werden zu lassen. Ich werde mich bemühen jeden Eindruck an Beispielen zu belegen. Falls Sie dennoch meine Punkte am Spiel nicht nachvollziehen können oder Dinge anders erlebt haben, schreiben Sie doch einen Kommentar zur Rezension. Auch für weitere Fragen bin ich offen.

Ich selber spiele die Fallout-Reihe vom ersten Tag an und halte Fallout 2 als Musterbeispiel für Atmosphäre und Tiefe, an der sich alles, was Fallout im Namen trägt orientieren sollte. Fallout 3 war ein gelungener Versuch das 2D Spiel in eine 3D Welt zu übertragen. Es wurden viele neue Systeme eingefügt und die Entwickler erwiesen sich als ein wenig zu mutig, denn die Veränderungen der Atmosphäre waren leider gravierend und viele Ideen des alten Fallout blieben auf der Strecke, dies wollte Fallout - New Vegas wieder richten.

Grafik: Das Spiel basiert auf der unveränderten Engine von Fallout 3 und hat daher keine Entwicklung vorzuweisen. Dies empfinde ich nicht als schlimm, da die Engine einiges hergibt. Der neue Western-Stil hat Fallout nicht geschadet, jedoch wurde bei der Animation der Waffen gespart. Ich habe den Eindruck, die Gewehre erinnern mehr an Spielzeug, denn die Hand, welche sie hält ist deutlich größer und dicker als fast der gesamte Waffenkörper. Was mich jedoch in erstaunen versetzte, sind die neuen Ruckler. Das Spiel stufte meine Hardware als Maximum-Setting ein, darauf spielen konnte ich nicht. Selbst mit runterschrauben wurde es nur bedingt besser, obwohl mein PC die Anforderungen locker überbietet und Fallout 3 (wir erinnern uns, es gibt optisch keine Veränderung zu New Vegas) dort keinerlei Probleme machte und ich im Frühjahr diesen Jahres meinen PC noch aufrüstete. Woher diese Ruckler kommen ist mir ein Rätsel.

Musik: Die Radiosender waren in Fallout 3 eine willkommene Neuerung, welche das Gefühl der "alten Zeit" aufleben ließen und für Unterhaltung zwischendurch sorgten. Diese sind wieder da und ähnlich gut, allerdings ist die Musik im Vergleich schlechter gewählt, ist aber meine subjektive Perspektive. Bei der Hintergrundmusik haben die Entwickler jedoch einen guten Sprung zurück gemacht, nämlich zu Fallout 2. Die Musik stammt aus dem alten Spiel und passt perfekt in die neue Umgebung hinein.

Bugs: Was ich bisher erlebt habe waren Abstürze (diese sind aber sehr selten und auch kein Drama; der Spielfluss wird minimal gestört), vor allem aber Probleme mit Gegnern. Gegner stecken in Felsen fest, bewegen sich unterhalb der eigentlichen Landschaft oder laufen sogar auf dem Rücken liegend oder mit dem Kopf im Boden steckend. Auch gibt es haufenweise kleinere Bugs, wie das Verschwinden von NPCs, Objekte, die nicht funktionieren und Gegenstände, welche in der Luft schweben. Insgesamt findet man im Internet riesige Buglisten und man kann nur auf schnelle Patches hoffen.

Nun zum Inhalt des Spiels

Begleiter: Wie in Fallout 2 kann man nun mit einem Trupp reisen. Gut ist das "Companion-Wheel". Man hat mit einem Knopfdruck direkte Kontrolle über die wichtigsten Befehle. Dazu bringt jeder Begleiter eine neue Fähigkeit mit ins Spiel. Jedoch ist man für diese Begleiter permanenter Kindergärtner. Die KI scheint der Fallout 2 Zeit nachempfunden zu sein. Im freien Feld greifen die Begleiter nahezu alles im Sichtbereich an. So erntet man gut Erfahrung, denn man bekommt Punkte und sieht nicht einmal was eigentlich geschieht. Nervig wird es dann vor allem in Dungeons. Türen und Wände sind kein Hinderniss für die Begleiter einen Gegener zu finden, zu welchem sie dann hinrennen um ihn zu erleidgen. Entweder bekommt man nun Erfahrungspunkte oder die Meldung vom Tod eines Begleiters. Dungeons mit einer Gänsehaut zu erkunden oder taktisches Vorgehen funktioniert nur, wenn man die Begleiter als Lasttiere eingangs stehen lässt.

Wirtschaft: Das Wirtschaftssystem ist voller guten Ideen, die aufgrund des schnellen Wohlstandes nichts nützen. Zum Beispiel kann man nun, wie in Fallout 2 Geckos und andere Tiere jagen, um mit ihren Fellen/Häuten und ihrem Fleisch guten Gewinn zu erzielen. Jedoch hatte ich im ganzen Spiel nie ein Finanzproblem. Extra Schwer und Hardcore-Modus zum trotz schwimmt man in Caps, wozu man nichtmal wirklich looten muss. Durch Glücksspiel und Diebstahl wird man schnell extrem reich und Mangel hat man an nichts. Dazu fehlt ein Investitionsziel (In Fallout 3 war es das Haus), welches einem die ganzen ersparten Caps auffrisst. So wird auch das Crafting irrelevant. Man kann nun Nahrung und Drogen zubereiten, Munition in andere umbauen und wieder viele Items selber erstellen. Da man aber Nahrung an jeder Ecke findet, Munition auch einfach kaufen kann und man eh mit einem riesigen Waffensatz ausgerüstet wird, ist es absurd diese durchaus sehr gut durchdachten Systeme wirklich zu nutzen. Würde es mehr Druck geben, wie weniger Nahrung, Armut und Knappheiten, dann wären diese Systeme nützlich und sinnvoll, aber wie es im Moment steht, sind diese eher Gimmicks für gelangweilte Spieler. Es ist seltsam, wie eine Wüste voller Elend einen in wenigen Handgriffen steinreich machen kann.

Die Wüste: In Fallout 3 hatte man das Gefühl, die Wüste sei überbevölkert. Man konnte keine 10 Meter machen ohne irgendetwas verrücktes, neues, oder gar seit dem Krieg unberührtes zu finden. In Fallout 2 war alles leer und ausgelöscht, man konnte ewig reisen ohne etwas anderes zu sehen als Sand. Natürlich wäre dies in diesen Spielen alles andere als wünschenswert, aber New Vegas geht einen eigenwilligen Weg. Nach einigen Touren durch die abgelegenen Teile des Wastelands fand ich vieles, aber nichts erwähnenswertes. Kartenmarkierungen sind manchmal ein paar Hauswände, wenn nicht dann ist es ein Shack (ein Zimmer ohne irgendwas nennenswertes im Inneren)oder eine Höhle (3 Kammern mit nen paar Nightstalkern, was ein Hund mit nem anderen Skin ist). Die Balance zwischen Ödnis und Abenteuer ist auch hier aus den Fugen geraten, aber am meisten nervt die Begrenzung. Während ich bei Fallout 3 das Gefühl hatte, diese Wüste endet nie, wird in man New Vegas eingegrenzt. Es gibt kaum natürliche Hindernisse, sondern nur den Kartenrand. Freie Bewegung ist hier sehr limitiert.

Schwierigkeit: Auch hier benötige ich einen kurzen Bezug zu den Vorgängern. In Fallout 2 lebte man gefährlich. Das Zusammentreffen mit mehreren Raidern, welche gut ausgestatten waren, war oft der eigene Tod. Man musste sich vorsichtig Bewegen um zu überleben. Fallout 3 war das Gegenstück. Ein billiges Gewehr genügte um die Enclave aus dem Wasteland zu fegen. In Fallout New Vegas habe ich bisher wenige kritische Situationen erlebt. Die Begleiter putzen alles mögliche weg und selbst auf "extrem Schwer" kommt man im Grunde recht gut zurecht. In manchen Situationen ist etwas Taktik gefragt, aber für "extrem Schwer" hätte man ruhig noch eine Schippe drauf legen können.

Die Atmosphäre: Hier bin ich mit den Gefühlen sehr gemischt. Positiv ist jedenfalls, dass man die Fallout 3 Märchenwelt verlassen hat. Bisher tauchten weder Vampire noch sonstiger Kinderkram auf, was aber den Missionen nicht in ihrer Verrücktheit schadete (Come fly with me war ein echtes Highlight). Allerdings ist das Wasteland immernoch kein elendiger Ort. Auch wenn jeder Anwohner nun irgendwas zu beklagen hat, sind die Straßen frei von Prostitution, es hängen nicht überall Jetties rum und die Gewalt ist kaum ein Teil in der Gesellschaft, sondern meist etwas was von außen in die heile Welt der Dörfer dringt. (Sicher gibt es hier auch Gegenbeispiele, aber die Ödniss und Tristesse des Fallout 2 fehlt immernoch). Die Dialoge hingegen sind abgestumpft. Bewohner versuchen nichts zu verheimlichen, unfreundlich Begegnet wird einem seltener und tiefsinnige Gespräche hat man wenige. Charakterliche Wendungen gibt es wenige, die meisten Personen sind Stereotyp. Sicherlich gibt es ein paar kleine Juwelen, zum Beispiel den Roboter in Primm, aber hier hätte man etwas ausbauen dürfen. Allumfassend ist es weniger fesselnd als Fallout 3. Das Wasteland bietet weniger Abenteuer, man kann sich mit den Charakteren nur wenig befreunden und ein roter Faden zieht sich lediglich anhand der Quests.

Fazit: New Vegas ist kein schlechtes Spiel. Ich bemängele hier Punkte aufgrund Vergleichen zu Spielen, die es sehr gut machten und Fans sollten zugreifen. Jedoch wird man von der eigenen Erwartung enttäuscht, da es weder ein Fallout 3, noch ein Fallout 2 geworden ist. Darüber hinaus sollte man warten, bis die Patches kommen um einige Defizite zu beheben.

Nachtrag am 13.11.
Dank des letzten Patches wurden ein paar kleinere Bugs behoben und die Anzahl der Ruckler reduziert.

Nachtrag am 14.12
Dank eines Leser-Kommentars Ausdrucksfehler behoben. Neuer großer Patch mit Bugfixes erschienen und erstes DLC angekündigt.
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