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Kundenrezension

8 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neue Rockhorizonte und die Renaissance von "Theater Of Salvation" und "Mandrake", 2. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Space Police - Defenders of the Crown (Audio CD)
Amazon ist gemein! Da wollen die doch tatsächlich, dass ich einen auf Kritiker mache und das neue Edguy-Album
„Space Police – Defenders Of The Crown“ unter meine laienhafte und dann, als Fan seit „Hellfire Club“, auch noch geradezu euphorisch voreingenommene Lupe nehme!
Na gut, ihr habt es so gewollt: Platte rein und Play…

Nach den ersten Akkorden von „Sabre & Torch“ ist mir eines klar: Das Ding kenne ich doch irgendwoher… Es ist der schon vorab veröffentlichte Opener, der, wie ich finde, gut platziert ist und unvermittelt schön hart einsteigt. Spätestens nach der ersten Strophe ist die Katze aus dem Sack: Das ist Edguy wie wir es kennen und lieben und ein gesangstechnisch sehr, sehr starker Tobias Sammet!
Ähnlich schnell und hart geht es mit „Space Police“ weiter. Ein Song, den starke Gitarrenriffs und ein neuer aber sympathischer „futuristischer“ Sound auszeichnen und den man definitiv zu den besten Titeln des Albums zählen kann, spätestens nachdem man den bombastischen, äußerst eindrucksvollen Refrain gehört hat.
Wer nach einer Erklärung für den doppelten Titel sucht, bekommt die Antwort mit dem dritten Song „Defenders Of The Crown“, der unüberhörbar an die musikalischen Wurzeln der Fuldaer erinnert und in die Soundkulisse der Alben um das Jahr 2000 passt. Der Text lässt ja einigen Raum für Interpretationen offen, wenn man ihn auf die Band bezieht und eigentlich stellt sich hier einem eingefleischten Fan auch nur die eine Frage gegen wen man die Krone der deutschen metal überhaupt verteidigen muss… aber zurück zur Musik.

Mit dem erfrischend poppigen “Love Tyger“ folgt ein typischer Edguy-Spaßsong, der sich durchaus in einem Atemzug mit „Catch Of The Century“ von „Rocket Ride“ („Helikopter!!!“) oder auch dem absoluten Klassiker „Lavatory Love Machine“ nennen lässt.
Nach dem stellenweise mythisch geprägten Age Of The Joker („Pandora's Box“) mit eher ernstem Unterton („Faces In The Darkness“) tut ein „Love Tyger“ mit vielen wirklich sehr gut gelungenen Anspielungen (wie beispielsweise auf die gebrochene Nase eines gewissen Bandmitgliedes…), die sich übrigens auch in dem kurzweiligen Zeichentrickvideo wiederfinden, wirklich gut und man kann wieder einmal feststellen, dass die Jungs auch nach 20 Jahren Bandgeschichte wohl noch ihren Spaß haben und die Reihe der Edguy-typischen Spaßsongs (glücklicherweise) fortsetzen. Das äußerst starke Gitarrensolo (Jens Ludwig?) gegen Ende sei natürlich an dieser Stelle ebenfalls angemessen gewürdigt!
Für Abwechslung sorgt „The Realm Of Baba Yaga“, ein sehr facettenreiches Musikstück mit einigen willkommenen härteren Parts. Auch wenn einem der Name Baba Yaga nach dem ersten Reinhören den Rest des Tages „versüßt“, braucht es Zeit um diese musikalische Knospe zum Blühen zu bringen. Kein Überflieger also, aber alles in allem schön um sich mal etwas anderes zu Gemüte zu führen.
Was jetzt folgt ist etwas Neues. Oder vielleicht auch nicht, wenn man weiß, dass sich Edguy mal als Coverband gegründet hat (ja echt jetzt!). Falcos „Rock Me Amadeus“ ist legendär und hier wird dem Song ein neuer akustischer Anstrich verliehen, indem Tobias Sammet einen (wahrscheinlich mühevoll trainierten) Wiener Akzent auspackt, der einem im direkten Vergleich mit dem Original vor Authentizität den Atem raubt. Das Cover ist ziemlich nah am Original gehalten, kann aber mit einem neu zugrunde gelegten schön rockigen Sound überzeugen. Auf die häufig gestellte Frage, was ein Cover auf der ersten Platte zu suchen hat und warum es sich nicht auf der Bonus-CD wiederfindet, kann ich persönlich nur antworten, dass Edguy diesen perfekt gelungenen Song der überkritischen Hörerschaft nicht vorenthält und nicht vorenthalten muss! Kompliment.
Ähnlich eingängig ist „Do Me Like A Caveman“, dessen tendenziell eintönige Strophen durch einen tollen Refrain doppelt wett gemacht werden! Der ruhigere, emotionale Sound überzeugt hier auf jeden Fall!
Edguy wäre nicht Edguy wenn jetzt nicht wieder etwas Härteres mit „Shadow Eater“ folgen würde. Dem Anspruch einen (oder mehrere) Schritte zurück zu den Wurzeln machen zu wollen, wird auch dieser im Tempo durchaus variable Song durch harte Gitarrenriffs und entspannte Klaviereinlagen gerecht.
Nun klingt aus meiner Musikanlage die Ballade des Albums „Alone In Myself“ mit ihrer emotionalen, träumerischen Stimmung gepaart mit Tobias' auf gefühlvoll geschalteten Stimme herüber. Ein gut gelungenes Stück für alle Balladen-Liebhaber, das allerdingst etwas hinter den fast schon überirdisch gefühlvollen klassischen Songs dieser Richtung zurückbleibt und einfach nicht denselben Draht zu meiner emotionalen Seite findet wie beispielsweise „Save Me“.
Dann, ganz zum Schluss, wenn man durch „Alone In Myself“ etwas runtergekommen ist, folgt DIE Hymne „The Eternal Wayfarer“! Der Song hat so viel Power, dass jeder Refrain Gänsehaut garantiert! Hier wird eine epische Melodie mit Tobias' Stimme in ehrfürchtiger Höchstform geboten und zusammen mit sehr starken Gitarren- und einem einschlägigen Keyboard-Riff machen sie den Song zu einem bombastischen Finale, nach dessen Ende die Stille so unerträglich wird, dass man am besten gleich auf Replay drückt oder –falls noch nicht geschehen- die Bonus-CD einlegt und gleich weiterhört.

Im vollen Bewusstsein, dass sich die musikalische Bandbreite und das unglaubliche Potenzial dieses Albums nicht in so wenige Worte pressen lassen, aber in der Hoffnung, zumindest einen kleinen Enblick geben zu können, möchte ich „Space Police – Defenders Of The Crown“ folgendermaßen zusammenfassen:
Edguys neuester Geniestreich ist offensichtlich nichts, was man nebenbei beim Autofahren hört; dieses Album will und muss genossen werden!
Zugegeben, es ist kein zweites Hellfire Club (meiner Meinung nach das Juwel in der Krone der Edguy-Alben und unter anderem die Platte, die die Band zu etwas so Besonderem gemacht hat), aber der angekündigte Schritt in Richtung der musikalischen Wurzeln ist deutlich spürbar.

Schließlich haben die Jungs ja noch genug Zeit um die Essenz zu finden, die „Mysteria“, „The Piper Never Dies“ oder „Vain Glory Opera“ zu DEN prototypischen Songs macht… mehr bitte!
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