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Kundenrezension

106 von 125 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessanter Historien-Roman mit einigen Schwächen, 26. November 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Sturz der Titanen: Die Jahrhundert-Saga (Gebundene Ausgabe)
Und wieder einmal wagt sich Ken Follett, als dessen Fan ich mich gleich oute, an einen historischen Stoff. In diesem Genre fühlt er sich sichtlich wohl und punktet ein jedes Mal durch ungeheuren Wissenschatz und penibel genaue Recherche. Dennoch unterscheidet sich "Sturz der Titanen" von anderen seiner historischen Werke: Bietet beispielsweise das mittelalterliche Kingsbridge in "Die Säulen der Erde" lediglich den historischen Rahmen der Geschichte, ist die Historie in "Sturz der Titanen" praktisch die Geschichte selbst.
Zunächst stellt Follett sehr gut und anschaulich die politische und gesellschaftliche Situation vor Kriegsbeginn im August 1914 dar, dann beschreibt er detailliert den Verlauf des bis dahin grausamsten (und vermutlich unsinnigsten) Krieges der Menscheitsgeschichte sowie die gesellschaftlichen und sozialen Konsequenzen für die beteiligten Länder, um sein Buch damit zu schließen, die neue europäische Ordnung nach Kriegsende darzulegen.
Natürlich sollte dies kein Sachbuch, sondern ein Roman werden, also mussten fiktive Personen/Familien in die historische Handlung integriert werden. Da es das Ziel von Follett war, ein möglichst weitsichtiges Bild der Kriegsteilnehmer zu liefern, also keinen allzu einseitigen Schwerpunkt auf die Historie eines einzelnen Landes oder einer bestimmten Gesellschaftsschicht zu legen, behandelt er die fiktiven Schicksale einer englischen Adelsfamilie, einer walisischen Bergarbeiterfamilie, eines deutschen Diplomaten, eines politischen Beraters des amerikanischen Präsidenten sowie zweier Brüder aus der Arbeiterschicht des gesellschaftlich rückständigen Russlands. Dies mag ein interessanter Ansatz sein, aber er bringt ein paar deutliche Probleme mit sich:
Erstens fällt es dem Leser so deutlich schwerer, eine persönliche Bindung zu den Charakteren aufzubauen. Man liest beispielsweise ein Kapitel, in dem sich Follett hauptsächlich mit der Situation in Russland beschäftigt, um dann im den nächsten Kapiteln erstmal wieder das Augenmerk auf Deutschland, die USA, England oder Wales zu legen. Wie es um die Schicksale der Russen steht, erfährt man erst wieder gute 50 Seiten später. Dieses sprunghafte Erzählverhalten schafft eindeutig Distanz zu den Einzelgeschichten.
Zweitens dienen die Charaktere in erster Linie dazu, um in irgendeiner Form Zeitzeugen der wichtigsten historischen Ereignisse dieser Epoche zu sein. Es gibt im Roman acht Hauptcharaktere und an so ziemlich jedem bedeutenden Ereignis ist mindestens eine dieser acht Personen (entscheidend oder als Beobachter) beteiligt. Das wirkt schon nach kurzer Zeit sehr unglaubwürdig. Denn wenn diese Personen so nahe am Geschehen sind und mehrfach in eklatanter Weise auf die historischen Geschehnisse Einfluss nehmen, wieso hat man dann nie etwas von ihnen gehört? Ja klar, sie sind fiktiv, aber genau das ist der Punkt: sie repräsentieren gefühlt 1000 reale Personen der Zeitgeschichte und verlieren damit in großem Maße an Glaubwürdigkeit.
Drittens (und das schließt sich nahtlos an Punkt 2 an) versucht Follett natürlich die Geschichten dieser Hauptcharaktere miteinander zu verweben. Das führt zwangsläufig zu beinahe unfreiwillig komischen Situationen. Ein Beispiel: Ein amerikanischer Politiker besucht eine Fabrik in der russischen Millionen-Metropole Petrograd und trifft dort die russischen Brüder. Einer dieser Brüder wandert nach Amerika aus und trifft dort unter Zigmillionen Amerikanern eben genau diesen Politiker und - dessen nicht genug - spannt diesem auch noch dessen Verlobte aus. Wie wahrscheinlich ist das?! Dies ist nur ein einziges Beispiel von unzähligen in diesem Buch.

Ebenfalls gestört hat mich an diesem Buch, dass viele Geschichten sehr klischeehaft sind: eine verbotene Liebe zwischen einem Deutschen und einer Engländerin, eine Dienerin/Geliebte eines Adligen, die nach Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft von diesem fallengelassen wird und sich aufgrund dieser Erfahrungen zu einer Kämpferin für das Wahlrecht der Frauen entwickelt, und so weiter. Wirklich originell finde ich das nicht, es verstärkte bei mir vielmehr den Eindruck, dass die fiktiven Geschichten lediglich ein "notwendiges Übel" darstellen, um aus einem Sachbuch einen Roman zu machen.

Da sich Follett dermaßen auf die historischen Ereignisse fokussiert, nimmt er seinem Buch auch einen großen Teil der Spannung. Wer sich zumindest ein wenig in der Geschichte des ersten Weltkriegs auskennt, der weiß in groben Zügen, wie er verlief. Man wird also an sehr wenigen Punkten des Buchs wirklich überrascht werden. Natürlich gibt es zahlreiche Details, die ein interessierter Laie noch nicht wusste, aber lohnt es sich dafür gut 1000 Seiten zu lesen? Ich ertappte mich mehrmals dabei, wie ich mich beinahe schleppend durch die Seiten quälte.

Nachdem ich so viel Kritik geäußert habe, möchte ich zumindest noch einen sehr positiven Punkt erwähnen, der für mich das Highlight dieses Buches darstellt: besonders gut gelungen fand ich Folletts Darstellung der Situation Russlands, die zum Sturz der Zarenherrschaft in der Februarrevolution und zur endgültigen Machtergreifung der Bolschewiki unter Lenin in der Oktoberrevolution geführt hat. Hier machte Follett anhand eines Einzelschicksals sehr gut deutlich, wie der verzweifelte Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit und Demokratie in der Bevölkerung letztlich ein Staatssystem hervorbrachte, welches man heute unter anderem mit Rotem Terror und der Person Stalin verknüpft, aber ganz bestimmt nicht mit sozialer Gerechtigkeit und Demokratie.

Alles in allem bin ich in der Bewertung dieses Buches sehr zwiegespalten. Einmal mehr verdient sich Follett zwar jegliches Lob für seine unglaublich detaillierten Recherchen. Aber an seinem Versuch, sein ganzes Wissen in eine (weltum-)spannende Geschichte einzubetten, musste er eigentlich zwangsläufig scheitern. Daher habe ich mich für drei Sterne entschieden.
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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.11.2011 14:15:32 GMT+01:00
Catharina meint:
Ich kann mich dieser Rezension absolut anschließen! Ich lese das Buch gerade noch (bin etwa in der Mitte). Es ist interessant und lehrreich, bestens recherchiert - aber auch ich habe zeitweise den Eindruck, beinahe ein Sachbuch zu lesen. Die Charaktere kommen einem nicht richtig nahe und teilweise geht die Handlung vor lauter historischen Fakten unter. Ich bin großer Ken-Follett-Fan und weiß daher, dass er es auch viel spannender kann! ("Die Säulen der Erde", "Das zweite Gedächtnis" usw.)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.01.2012 17:38:28 GMT+01:00
Beatrice meint:
Ich kann mich dieser Meinung nur anschliessen!! Die letzten 200 Seiten habe ich nur noch "quer" gelesen. Das hatte nicht viel mit dem Follet zu tun, der die unlaublichen Spannungsbücher s.o. geschrieben hat. Ein informatieves Kriegsbuch, wer denn ein solches lesen will !

Veröffentlicht am 18.10.2012 22:37:30 GMT+02:00
Hottep6153 meint:
Sehr treffende Kritik. Ich habe wirklich alle Werke von Ken Follet gelesen. Die ist das einzige, daß ich nicht zu Ende gelesen habe! Vielleicht waren meine Ansprüche aber auch zu hoch! Eine Stärke ist sicherlich, wie hier bereits dargestellt, die überaus korrekte Recherche und Wiedergabe der tatsächlichen historischen Ereignisse. Diesbezüglich, wie nicht anders zu erwarten, ein typischer Follet!
Leider kann ich mich dieser Kritik nur anschließen: die Story schwächelt. Es gelingt Follet eben nicht, wie in seinen anderen Werken, den Spannungsbogen kontinuierlich aufrechtzuerhalten!
Ich würde sogar nur 2 Sterne vergeben.
Und für mich gibt es eine neue Premiere: Die Fortsetzung dieses unglückseligen Romans "Winter der Welt" wird der erste Follet sein, der nicht den Weg in mein Regal findet!

Veröffentlicht am 13.01.2013 17:23:15 GMT+01:00
Calithea meint:
Herzlichen Dank für diese sehr ausführliche Rezension. Wir haben dieses Buch im Regal und ich habe mich bisher nicht herangetraut. Auf Grund dieser Rezension werde ich es wohl auch nicht lesen. 1000 Seiten können eine Qual werden und zum Quer-lesen fehlt mir die Lust....

Veröffentlicht am 24.01.2013 20:45:41 GMT+01:00
Kapitän meint:
Ich bin jetzt gut über die Hälfte des Buches. Auch mich stören die Sprünge zwischen den einzelnen Erzählsträngen. Aber wirklich aufgestoßen sind mir die unseligen Zufälle und dann die Pärchen, die alle eigentlich nicht miteinander dürften, es aber dann doch tun und jedes mal total verzückt sind (Adeliger mit Dienstmagd; einfacher Chauffeur mit Tochter des Boses; Engländerin und Deutscher usw.). Soviel zum negativen Eindruck. Aber, alleine die Anfangsszene mit dem jungen Bergarbeiter, den man zum Scherz eine Zeit alleine, ohne Licht in ein einem Stollen lässt, wiegt das oben genannte wieder auf. Ich halte die Charaktere nicht für schwach und habe durchaus mitgefiebert. Schwach ist nur, dass sie sich wiederholen. Derzeit schwanke ich zwischen vier und drei Sternen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.06.2013 13:45:18 GMT+02:00
Maren meint:
Hallo!

Ich habe mir "Sturz der Titanen" als Hörbuch gekauft und finde es klasse! Ich kann mich den anderen Kritiken nicht anschließen. Gerade die Abwechslung gibt dem Buch bei den vielen Seiten die nötige Würze! Ich bin vom Hörbuch/ Leser begeistert!!!

Veröffentlicht am 15.01.2016 19:54:06 GMT+01:00
C.M.K. meint:
Dieses Buch bekam ich zum Geburtstag geschenkt. Da ich sehr an Geschichte interessiert bin, lese ich am liebsten Biografien oder wissenschaftliche Werke. Weil ich dem Schenkenden keine Enttäuschung bereiten möchte, habe ich das erste Viertel des Romans gelesen. Ken Follett ist für seine saubere Recherche bekannt, da macht dieses Buch keine Ausnahme. Leider sind mir die Charaktere zu sehr "schwarz-weiß" geraten, weswegen ich das Buch eher durchschnittlich finde. Informativ sind dagegen die Beschreibungen über Russland zur späten Zarenzeit.

Veröffentlicht am 07.06.2016 09:51:33 GMT+02:00
Bücherwurm meint:
Diese Kritik trifft meine Empfindung auf den Punkt. Ich lese gern Romane mit geschichtlichem Hintergrund, wobei für mich die Geschichte eben Hintergrund bleiben und das Augenmerk auf die Handlung und die Charaktere gelegt werden sollte. Hier fand ich eher ein Geschichtsbuch, durch das ein paar schnell erfundene Zeitgenossen führen, um die Geschichte etwas "aufzupeppen". Leider fand ich zu den einzelnen Charakteren wenig Zugang, sie blieben oberflächlich beschrieben, ihre Geschichte klischeehaft. Aber eben die erfundenen Charaktere und die fiktive Handlung sind es, die einen einen Roman ausmachen. Ich habe das Hörbuch gekauft, eigentlich wegen Johannes Steck, der ein unvergleichbar guter Leser ist! Leider habe ich dennoch oft den Faden verloren und gemerkt, dass meine Gedanken woanders sind, da mir die geschichtsbuchartigen Ausführungen, auch wenn sie informativ und interessant sind, als Entspannung einfach nicht gefallen haben.
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