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Kundenrezension

VINE-PRODUKTTESTERam 23. Juni 2009
Der Badezimmerspiegel scheint ein unentbehrliches Requisit zu sein, das Mark Oliver Everett in seiner künstlerischen Arbeit die Richtung und Inspiration gibt. Auf Rags To Rags war es eine Spinne, die auf dem Spiegel krabbelte und sich über dem rechten Auge des Betrachters zu befinden schien. Später gab E an, er habe beim Betrachten seines Spiegelbildes seinen Vater gesehen, der auf ihn zurück blickte, was als Auslöser fungierte, um sich mit dem Schaffen des Vaters zu beschäftigen. Diesmal -so lässt E uns wissen- habe er an Musik gearbeitet, die, nach weiteren Blicken in seinen Badezimmerspiegel nicht mehr mit seinem äußeren Erscheinungsbild übereingestimmt habe. Nun ja...neue Musik musste her (wobei: gibt es die alte Musik wirklich und wird E uns eines Tages damit überraschen ?). Und E kommt uns nun als getriebener Wolfsmensch daher und bietet uns 12 Songs Of Desire an. Er verlangt dabei seinen Hörern durchaus einiges ab. Nach dem ersten Hören kann ein verstörter Eindruck bleiben. Raue Kracher mit verzerrten Instrumenten, Gebrüll und Wolfsgeheul, sowie sanfte, geniale Balladen wechseln sich regelmäßig ab. Erst in der zweiten Hälfte des Albums wird dieses Schema durchbrochen. Nach What's A Fella Gotta Do kommt nur noch Beginner's Luck etwas flotter daher, allerdings längst nicht so brachial, wie die anderen lauten Lieder vorher. Hört man sich aber richtig rein -und bei mir dauerte es wirklich einige Zeit-, dann entfaltet sich ein vielschichtiges Werk. Zum Teil eher plakativ und weniger autobiografisch, wie in vielen Werken zuvor. Das Verlangen oder der Besitzwunsch äußern sich auf verschiedene Weise, Prizefighter, Lilac Breeze, Tremendous Dynamite, Fresh Blood verkörpern die mehr triebhaft-fibrige Seite des Begehrens, ja sagen wir ruhig auch die Geilheit des getriebenen Tieres im Mann, auf der Suche nach Erfüllung seiner Wünsche. Dagegen schildert That Look..., In My Dreams, The Longing, My Timing Is Off den Blick auf das Unerreichbare. Den einsamen Wolf gibt E hier, der die Sehnsucht aus der Distanz heraus beschreibt und die Einsamkeit in der sich die Figur des Beobachters immer tiefer verkriecht. Auch die Opferbereitschaft, was man für die Verwirklichung seiner Sehnsüchte zu geben bereits wäre, wird thematisiert. Es lohnt wirklich ein Blick in die Textzeilen dieser Songs. Kaum alle denkbaren und zwischen den Zeilen immer wieder hervor blinzelnden Aspekte lassen sich in diesem Rahmen in Worte fassen und angesichts der Gemütslage der Texte verwundert es wenig, dass der Sänger sein Gesicht hinter einem inzwischen noch gigantischeren Vollbart versteckt, als zu Zeiten des Souljacker Albums. Die Gegensätzlichkeit der Musik gibt die Dramaturgie vor, auch wenn diesmal auf die gewisse Verspieltheit mit Sounds und Effekten verzichtet wird. Außer der verzerrten Krachgitarren in den Rocksongs, geht man auch in den leisen Liedern instrumental eher schlicht zu Werke. Die Gegensätzlichkeit war zwar bei früheren Alben auch schon der Fall, aber diesmal fallen diese etwas krasser aus, wobei man E die Rollen, in die er hier schlüpft, wirklich abnehmen kann, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass autobriografische Themen im Schaffen des Künstlers bisher einen so großen Raum eingenommen haben und man das Vorgetragene unwillkürlich mit der Persönlichkeit des Vortragenden in Verbindung bringen möchte. Das spricht einerseits für die Überzeugungskraft des Vortrages, aber andererseits offenbart es eher meine eigene Schwäche als Hörer, dass ich nicht in der Lage bin, Person und Vortrag strikter zu trennen. Dass der Mann hinter E (natürlich) auch eine andere Seite hat, zeigt dann die DVD dieses Sets. Zu allererst erschüttert mal das komplexe Chaos, auf engstem Raum agierende Musiker, alles voll gestopft mit Instrumenten, Aufnahmegeräten und was dazu gehört. Durch diese Enge werden schließlich Mikrokabel gezogen, um in einem Nebenraum den alten, riesigen Armeekoffer von E's Großvater zum Percussioninstrument umzufunktionieren. In einer anderen Ecke findet sich ein winziger Schreibtisch mit einem Wust aus Aufzeichnungen und Textzetteln, ringsherum vollgepinte Wände mit diversen anderen Papieren, Fotos, etc. Everett zeigt später ein Textblatt in die Kamera und erklärt, dass er so lange danach gesucht habe und es jetzt nach einer Ewigkeit wieder gefunden hätte, um dann lakonisch nachzuschieben, dass es jetzt aber leider zu spät sei, da das Lied bereits aufgenommen worden wäre. Man erfährt, dass E's Lieblingstag immer schon der Sonnabendmorgen war und wie entspannt er diese Tageszeit zu geniessen scheint, kann man ihm ansehen. Das enspricht so gar nicht dem Bild, dass der Song Saturday Morning auf Shootenanny vermittelte; und Pfannkuchen werden diesmal auch nicht gebacken... Aber immer mittendrin: Hund Bobby jr.

Das einzige, was mich an dem knapp 30-minütigen Film nervt:
Dass Everett redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, ist bekannt. Und das ein oder andere "4-letter-word" geht ihm auch dabei über die Lippen. Dass man Everett nach MTV-Manier überpiept, wenn er so ein Schimpfwort von sich gibt, finde ich total albern und lächerlich. Dafür findet sich auf der Rückseite wenigstens der "FSK ab 0 freigegeben" Hinweis. Toll !!! Da bin ich echt beruhigt, dass ich die CD bei mir Zuhause offen rumliegen lassen kann, ohne meine Kinder sittlich zu gefährden. Die Gefahr bestünde höchstens umgekehrt, dass meine Kids, wenn sie noch im Krabbelalter wären, das Digipack, würde es unbeobachtet herum liegen, sofort zerfetzen oder in den Mund stecken würden. Dann würde allerdings der Hinweis fehlen, dass Kinder unter 3 Jahren durch das Verschlucken von Kleinteilen der CD Verpackung gefährdet werden könnten.
Das gibt bei mir jedenfalls Abzüge in der B-Note...

NACHTRAG: OKTOBER 2009
An der Geschichte mit dem Badezimmerspiegel und dem nicht zur Musik passen wollenden Spiegelbild könnte tatsächlich etwas dran sein. Seit kurzem ist das 8. Eels-Album für Ende Januar 2010 angekündigt..."End Times" is comin'...aber: nimmt E sich dann dafür den Bart wieder ab, oder was ? Schaun mer mal...
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