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Kundenrezension

18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Egomanisches Highlight, 12. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Physical Graffitti (Audio CD)
Was hatten Led Zeppelin nicht vor Veröffentlichung dieses Doppelschlags schon alles hinter sich:
Den Hardrock erfunden, angereichert um Folkbeiträge, sagenhafte Songperlen à la "Stairway to Heaven", "Immigrant Song" und "Whole lotta love" aus dem Ärmel geschüttelt, den Zenit künstlerischen und kommerziellen Erfolgs erreicht - was sollte noch kommen?

Einiges.

War "Houses of the Holy" noch von einer bezwingenden Fröhlichkeit gewesen, so tun sich mit diesem Doppelalbum weitere Welten auf:
Offenkundig - nomen est omen - hätte der Song "Houses Of The Holy" noch auf das gleichbetitelte Album gehört: optimistisch, sorgenfrei, locker. Ist sich wohl produktionstechnisch nicht mehr ausgegangen.

Aber der Rest, der hat es in sich:
Mit "Custard Pie" und "The Rover" wird das Werk gleich mit zwei Standards eingeleitet: einprägsames Riffing des Maestro Page, bluesig, knackig, gut.
Es folgt der wohl beste, da unverwechselbarste Song nicht nur des Albums, nein, einer ganzen Dekade: "In My Time Of Dying", ein Blueshammer par excellence. Page mit der Slide, reduzierte Arrangements, Plant in seinem Element der intensiven Geisterbeschwörung. Ein wahrhaft atmosphärisches Ungeheuer - es klammt einem die Luft zum Atmen, so nimmt der Song gefangen. Einzigartig.
Mit "Trampled Under Foot" wird eine kleine Pause eingelegt, der Hörer darf sich erholen, bevor mit "Kashmir" der orientalische Bombast von Jahrtausenden losbricht: LZ, die Einer zweier Welten, die es spielend vermögen, das Beste aus beiden Welten zu kondensieren und in einen Song zu destillieren.
Mit "In The Light" beginnt die zweite Scheibe eher spröde: Computermusik und Led Zep - aber es funktioniert!
"Bron-Yr-Aur" ist netter Zeitvertreib; Page knackt den Countrystyle ein weiteres Mal.
Bevor "Ten Years Gone" anhebt, ein weiterer ewiger Klassiker des Genres, konstruiert nach dem Muster von "Stairway to Heaven" (und nicht wirklich viel schlechter!), darf der Hörer sich "Down By The Seaside" gönnen, ein Sönglein im Stile der Sixties, das von der Message her durchaus auch schon auf das Vorgängeralbum gepasst hätte: fröhlich, beschwingt, lebe im Augenblick.
"Night Flight" kommt erhaben daher, "The Wanton Song" ist ein Machomonster, das nur Sex im Sinne hat. Testosterongetriebenes Durchlavieren.
"Boogie With Stu", schön tanzbar, und "Black Country Woman", wieder einmal Page pur, machen Freude und bereiten vor auf "Sick Again", einem würdigen Closer. Heavy, geringschätzend, nachgerade brutal wird dem unbefangenen Hörer hier die Schlechtigkeit der Welt in den Nacken gedrückt. Ein weiterer Beweis für die Sangeskunst von Robert Plant (jawohl, der singt hier wirklich!).

Für den Rezensenten mit Sicherheit eines der besten, sicherlich jedoch das abwechslungsreichste Werk der Band.
In jeder Stimmung anzuhören, was für andere Werke der Gruppe eher nicht gilt (Extreme: "Houses of the Holy" auf der einen Seite, "Presence" auf der anderen); kurzum: es bereichert mit jedem Hören.

Gelobt, wenn man das über ein Album sagen kann; geradezu zum Niederknien, wenn dies für ein Doppelalbum gilt.
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