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Kundenrezension

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und wieder kein Roman!, 7. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Manteuffels Murmeln: Roman (Gebundene Ausgabe)
Unter dem Titel "Manteuffels Murmeln" steht in kleineren, aufgeräumt sachlichen Lettern betont beiläufig der Hinweis >Roman<, wie das eben da so steht auf Romanen. Nun bin ich kein Literat, der sich anzumaßen wagen würde, unumstößliche Klassifizierungen von wortgewordener Kunst vorzunehmen - und es ist ja zugegeben oftmals auch gar nicht so leicht eine eindeutige Kategorie zu finden -, aber wenn "Manteuffels Murmeln" ein Roman ist, dann ist Leo Tolstois "Krieg und Frieden" ein Kochbuch. Von mir aus auch ein Reiseführer oder ein Ratgeber für heimwerkende Hobbyfliesenleger. Viel mehr hat Kunzes neues Buch, sein zwölftes, jedenfalls mit meiner rudimentären Vorstellung eines Romans nicht gemein als Tolstois Bestseller mit meinen Kategorievorschlägen. Das macht aber gar nichts, Enttäuschung vollkommen ausgeschlossen, denn es steht ja groß Kunze drauf, und Kunze ist auch drin. Und was für einer! Prall, provokant, ganz nah dran und ganz weit weg an und von unserer Realität, völlig überspitzt in hyperventilierenden Formulierungen und gerade dadurch oft wie ein ganz profaner Gesellschaftsspiegel, um dann wieder in schon fast brutal banalen Schilderungen Alltagsirrsinn mit verzogenem Mundwinkel und verschobener Augenbraue zu präsentieren. Mit "Manteuffels Murmeln" geht Kunze in allem was ihn thematisch umtreibt - und das ist bekanntlich so ziemlich alles - noch ein paar Schritte weiter - in alle Richtungen gleichzeitig!

Ob in poetischer oder philosophischer Laufrichtung, ob in irrwitzigen Wortkonstruktionen, die sich zu turmhohen Satzschichtungen emporschrauben (und gar nicht intellektuell oder gar sinnschwanger sondern einfach nur witzig seien wollen - und es auch sind) oder in messerscharfen Kritiken an dem Unfug, den wir zunehmend als >normal< und als >Lebenswirklichkeit< bezeichnen; in alle Richtungen schreitet Kunze beherzt voran. Tat er immer schon, gewiss, aber seine Fußspitze erreicht mit diesem Buch neue Weiten. Kunze 2014 wirkt vielleicht (noch) intensiver, weil er sich - und das ist schon sehr auffällig - vor allem die Laufrichtung ins Private und Persönliche für den Leser erkenntlich gestattet. Verklausuliert und hinter Wortgebirgen versteckt, wird es auch in der Vergangenheit in den vielen Kilometern Text, die dieser Schreibwütige bisher schon zu Papier gebracht hat, den privaten HRK gegeben haben, aber in "Manteuffels Murmeln" traut er sich zuweilen erstaunlich klar aus der Deckung. Es entglitscht nicht zur schamlosen Selbstzurschaustellung trivialster privatester Begebenheiten als Kunstform, dennoch meint man auf einigen Seiten mehr denn je den Menschen Heinz Rudolf Kunze als den Dichter zu erkennen, wenn sich das überhaupt auseinanderdividieren lässt.

Auch wenn man reale Vorlage und erdachte Romanfigur (Roman, haha) grundsätzlich nie gleichsetzen darf, scheint die Kohärenz zwischen beiden hier in einigen Passagen doch stärker denn zuvor. In einigen mit unumstößlicher Klarheit formulierten kritischen gesellschaftspolitischen Zeilen geht es nicht mehr um Sprachkunst, sondern um die nackte Aussage - gut so, in dieser weitgehend aussagenlosen Zeit!

Doch auch wie er mit einer geradezu ansteckenden Hingabe mehr als sechs Seiten lang (Kapitel 113) ein Musikstück beschreibt, dass man es das Buch lesend tatsächlich zu hören glaubt, selbst dann, wenn man das Album nie zuvor gehört hat (er erwähnt weder den Titel noch den Namen der Band; den Indizien zufolge müsste es sich um "Tales from topographic oceans" von YES handeln), dann öffnet da ein Musikhörer sein Herz, gibt Einsicht in seine persönlichen klanglichen Vorlieben; da spricht keine erfundene Kunstfigur, da spricht Kunze selbst.

Ganz unverstellt persönlich, und für mein Dafürhalten auch mutig, wird es an ein paar wenigen Stellen, wo Christian Wulff das Thema ist. Sicher, jeweils eingebaut in einen Drumherumtext, der aber immer nur den Anschein eines Kunsttextes vermitteln soll. Letztlich sind es aber Demonstrationen von Freundschaft und Loyalität.
Was wurde Kunze nicht (von angeblichen oder vormals offenbar irrtümlichen Fans) angefeindet, als irgendwann bekannt wurde, dass er (schon seit vielen Jahren) mit dem Ministerpräsidenten von Niedersachsen befreundet ist. In reichlich linksideologisch vernebelter Überheblichkeit (und mit einem offenbar denkwürdig einseitigen Verständnis von einer offenen, pluralen Gesellschaft) geißelte man ihn des Verrats. Woran, wußte man zwar eigentlich nicht so genau, aber schon aus Prinzip: Ein Rockmusiker hat gefälligst nicht mit einem ranghohen CDU-Politiker befreundet zu sein, das passt nicht ins wunde Weltbild, das macht ihn unglaubwürdig, basta! Und dann wird der auch noch Präsident! Und Kunze ist immer noch mit ihm befreundet! Auweia! Der will sich doch bloß im Licht der Macht sonnen, wichtiger erscheinen, sich größer dünken, weil ja der Herr Präsident in seine Konzerte.... Was da nicht alles in lustigen Foren wutschnaubend zu lesen war. Erbarmen!
Man kann die Präsidentschaft Wulffs und seine rein persönliche Tauglichkeit für das Amt durchaus begründet kritisch sehen - eben gerade das zeichnet ja eine offene, meinungsfreie Bürgergesellschaft aus - das öffentliche Abschlachten dieses Mannes aber war schlichtweg infam!
Und siehe da: Kunze war und blieb bis heute eng mit ihm befreundet, bezog Stellung, auch als von allen Seiten beißender Spott, sich völlig vergaloppierende Anschuldigungen und ätzende Häme über Wulff ausgeschüttet wurden und man sich wohl bis heute in der öffentlichen Wahrnehmung nicht unbedingt selbst aufwertet, wenn man sich (menschlich, nicht politisch!) auf seine Seite stellt. Kunze tut es, auch in "Manteuffels Murmeln", nur leicht als Kunst und Dichtung getarnt, mehr als Loyalitätskundgebung unter Freunden, mit offenem Visier. Wer ihm diese Freundschaft noch immer verübelt, sollte dringend seinen eigenen Charakter auf den Prüfstand stellen.

In "Manteuffels Murmeln" mischt sich in 280 Kapiteln auf 320 Seiten alles wozu Kunze sprachlich fähig ist. Von abstrakt-absurder Phantasie bis zur Lebensbetrachtung mit der Klarheit eines Gletscherbachs. Allein ein Roman ist es eben nicht. Auch wenn die Figur Manteuffel und zwei Weggefährten Manteuffels als hauchdünner roter Faden im Buch in großen Abständen immer mal wieder auftauchen und einen noch dünneren roten Faden als schräge Erzählung durch das Buch ziehen, ist dieses Buch letztlich so sehr ein Roman wie die elf Bücher von Heinz Rudolf Kunze zuvor auch - nämlich gar nicht! Notabene, auch in früheren Büchern Kunzes gab es mit Kilian und seiner Freundin Tirami-Su alter egos, die immer mal wieder anstelle eines Ichs in den Texten auftauchten. In "Manteuffels Murmeln" heißen sie eben Manteuffel, Gruber und Minze.

Vor genau 30 Jahren erschien drei Jahre nach seiner ersten LP mit "Deutsche Wertarbeit" Kunzes erstes Buch. Eher als eine Art Notlösung, um dem schreibwütigen Musiker ein Forum zu bieten, für all die Texte, die über seine Liedtexte hinaus permanent entstehen; Texte, die meist aufgrund ihrer Beschaffenheit auch niemals Lied werden könnten. Das Konzept blieb zehn Bücher und 25 Jahre bis 2009 und dem Buch "Saldo mortale" weitgehend unverändert. Alle zwei, drei Jahre erschien ein Buch, das die 25-30 Liedtexte der in der Zwischenzeit veröffentlichten zwei, drei Alben enthielt und zusätzlich (und eigentlich hauptsächlich) jeweils um die 200 weitere unveröffentlichte (vereinzelt lediglich in Konzerten frei gesprochen vorgetragenen) Texte zum Inhalt hatte, die eben sonst noch so in der Zwischenzeit diesem Permanentschreiber aus der Feder flossen. Die Liedtexte waren also eher die Zugabe; trotzdem wurden die Bücher wohl allzu oft als reine Lieder-Bücher eines Musikers missverstanden, von Kunze-Hörern und wohl noch mehr vom Buchhandel.
Beim letzten Buch "Vor Gebrauch schütteln" wurden die Liedtexte erstmals weggelassen; nur bekam jenes den oben schon erwähnten betont beiläufigen Hinweis in etwas unüblicher Form: >Kein Roman< stand da ketzerisch unter dem Titel zu lesen. Und das war es ja auch. Und das ist "Manteuffels Murmeln" ebenfalls.

Als kleinen Appetithappen zum Schluss noch eine gekürzte Abschrift von Kapitel 18.
Bei der Buchpräsentation im März im Roten Salon der Berliner Volksbühne, wo Kunze kreuz und quer einige Kapitel des neuen Buches las, hat mich dieser sehr klare Text tief beeindruckt und sich mir (22 Jahre jünger als Kunze) sofort eingeprägt; insbesondere die letzten zwei Zeilen sitzen wie ein Fausthieb bitterer Erkenntnis:

Der junge Mann sagt: Ich war im Internet.
Der alte Mann sagt: Ich war im Internat, da hab ich was gelernt.
Der junge Mann sagt: Durch mein Facebook habe ich 5000 Freunde.
Der alte Mann sagt: Freunde hatte ich wohl nur einen oder zwei, aber in deren Gesichtern konnte ich lesen wie in einem offenen Buch.
(...)
Der junge Mann sagt: Ich werde alles anders machen als du.
Der alte Mann sagt: Ich weiß, und deswegen wird es genauso sein wie bei mir.
Der junge Mann sagt: Das glaube ich dir nicht.
Der alte Mann sagt: Das glaube ich dir gern, aber ich weiß es.
Der junge Mann sagt: Pah, ich habe noch so viel Zeit.
Der alte Mann sagt: Da irrst du dich.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.05.2014 11:44:46 GMT+02:00
Sunflower meint:
Klasse Roman... äh... Rezension... verehrtester Herr Günther! Sie bewog mich den Roman... oder sagen wir lieber das Buch... zu kaufen. Ich mag derolei gemurmelte Texte, wenn sie denn nicht nur vor sich hin brabbeln, sondern etwas ausdrücken, wenn sie hinterlistig und tiefsinnig sind und wenn sie etwas zum Nachdenken zwischen den Zeilen hinterlegen. Und genau dies scheint mir bei HRK der Fall zu sein.
Davon mal ganz abgesehen, Sie sollten unbedingt schreiben, Verehrtester, und zwar an Herrn di Lorenzo. Aber das empfahl ich Ihnen ja schon mehrfach (vielleicht auch mal wieder eine Mail in den Süden ;-) ). Es ist jedes Mal ein Genuss, Ihre Besprechungen zu lesen, egal ob über Noten oder hier über Nicht-Romane.
Beste Grüße von Süd nach Nord

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.05.2014 19:08:08 GMT+02:00
Dicksten Dank für die wohligen Worte ;-)
Und Mail kommt ganz sicher noch vor Weihnachten (shame on me).
Das Buch ist wahrlich ein Fest für Liebhaber von Wortwucht, Wortspaß und Wortgeschnätzeltem und das ganze nicht nur um der Wortkunst wegen, sondern tatsächlich auch mit mal sinntiefem, mal poetischem und manchmal auch nur vollkommen irrwitzigem Aussagegehalt. Kurz: ich verspeise ein Haushaltstrockenbodenreinigungsgerät, wenn Ihnen das Buch nicht gefällt.

Nun überschwänglichste Grüße retour, bis sehr bald in ausführlicherer Mail-Form, versprochen!

Veröffentlicht am 08.05.2014 00:54:21 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.05.2014 00:59:23 GMT+02:00
Lurgamol meint:
Verehrter Herr C.G., unabhängig vom Gehalt Ihrer zahlreichen aus Sagen (über dann doch etwas mehr solcher von HRK) halte ich es für Sinn voll, "empor schrauben" zusammenzuschreiben ("emporschrauben" bildet eine Sinneinheit. Bei "empor schrauben" ist etwas oder jemand bereits "empor" (?!) und schraubt daselbst, was immer das bedeuten mag), dem gegenüber wiederum "soviel" getrennt zu schreiben. Und bitte bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit der Neuen Deutschen Rechtschreibung, die bis auf wenige Ausnahmen kriminell verdummend und somit nicht verbindlich für Denkende ist. Was deren Initiatoren dazu bewogen hatte, bleibt vermutlich ewig im Dunkel.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.05.2014 01:36:53 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.05.2014 01:56:48 GMT+02:00
In der Gegnerschaft zu diversen neuen, neuesten und allerneusten Rechtschreibungen sind wir absolut eins, auch wenn ich zuweilen selbst an der alten mit Bravour scheitere. Lieber scheitere ich hie und da an bestehenden Regeln, als nur Dank der Aufhebung aller alles richtig zu machen. Aber das scheint ja ein gesellschaftlicher Trend hierzulande, in einer Zeit, wo jede Türklinke das Abitur besteht...

Ich nehme die orthographischen Berichtigungen vor, danke für die Hinweise und begebe mich zur Nachtruhe im tröstenden Wissen um Reinhard Meys "Tango der deutschen Rechtschreibung" (vom Album "Immer weiter", 1994), worin er beichtet:... ich bin froh, daß ich heut singe, und somit ungelesen bleib, Ihr wisst von mir tausend Dinge, aber nicht wie ich sie schreib...

In diesem Sinne,
gute Nacht und herzliche Grüße
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