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Kundenrezension

am 27. März 2013
Wir leben im Zeitalter von Neuro-Euphorie, der Neuro-Zug rollt, alle machen Hirnforschung, von der Neuro-Philosophie über Neuro-Theologie, Neuro-Finanzwissenschaften bis hin zu sozialen Neurowissenschaften. Immer will man die ursprüngliche Disziplin mit den "neuesten Erkenntnissen aus der Hirnforschung" reformieren.
Die Magnetresonanztomographie (MRT) reduziert letztlich bislang ziemlich ungenügend verstandene Zusammenhänge auf eine Oberflächenbetrachtung. Diese Hirnscanner sind Evidenzmaschinen - man glaubt den Bildern. Am Beispiel von MRT-Aufnahmen bei Zeigen von geliebten und gehassten Menschen demonstriert Hasler, wieviel Spekulation bei der Interpretation herrscht. Weitere Probleme sind Varianz und Treffergenauigkeit bei den Bildern. Es gibt konzeptionelle Mängel, technische Defizite, statistische Fehlerquellen, willkürliche Entscheidungen, nie bewiesene Grundannahmen.

Bis tief in die 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts beschäftigte sich die Neurologie mit hirnpathologischen Veränderungen (Epilepsie, Parkinson, Multiple Sklerose). Befindlichkeitsstörungen in der Domäne des Psychischen waren ein Fall für den Psychiater. Auch wurde psychischen Störungen (Depression, Manie, Zwangserkrankung, Schizophrenie) eine gewichtige soziale Komponente zugesprochen. Inzwischen ist Sozialpsychiatrie zur Sozialtechnokratie verkommen - ihre Bedeutung befindet sich im Sinkflug. Im Trend liegt Molekularpsychiatrie, die psychische Erkrankungen auf zellulärer und subzellulärer Ebene untersucht. Sollte etwas schief laufen (etwa bei einer psychischen Störung), dann ist das Gehirn zu reparieren. Dabei gibt es für die biologische Psychiatrie keine speziellen biologischen Diagnoseverfahren.

In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts standen ein Medikament gegen Psychosen, zwei gegen Angstzustände und zwei gegen Depressionen zur Verfügung. 1957 machten Pharmafirmen in den USA erstmals Verkaufserlöse über eine Milliarde Dollar, 2014 wird die Pharmaindustrie weltweit schätzungsweise 1,1 Billionen Dollar erzielen.
An Fallbeispielen, Publikationsverzerrungen und verzerrten Darstellungen von Forschungsergebnissen erläutert Hasler die Fragwürdigkeit von Erfolgsberichten vieler Psychopharmaka. Auch das Zustandekommen mancher Fachpublikationen in Marketingabteilungen von Pharmafirmen wird beschrieben. Dass Depressionen innerhalb von fünfzig Jahren sich epidemisch verhundertfacht haben, ist unter anderem der "Aufklärungsoffensive" der Pharmaindustrie geschuldet. Antidepressiva sind ein Sieg des Marketing über die Wissenschaft.
Ein Beispiel für das Verkaufen von Medikamenten per Verkaufen der Krankheit ist die "soziale Phobie" am Beispiel von Paxil. Bis in die 1990er Jahre war diese Phobie nahezu unbekannt - 2009 hat SmithKlineBeecham mit Paxil fast 800 Millionen Dollar erzielt.

Dass die Biologisierung der Psychiatrie ein Segen für die Patienten sei, ist ein Mythos und hat sich nicht erfüllt. Trotz jahrzehntelanger internationaler Forschungsanstrengungen hat man immer noch keine Ahnung, wo und was genau bei psychischen Störungen im Gehirn verändert sein soll.
Gehirndoping (Ritalin oder Modafinil) kann vielleicht die Aufmerksamkeitsspanne verlängern, mehr auch nicht - hat in absehbarer Zeit keine Zukunft.

Ein "ich", ein "freier Wille" oder das "Gehirn eines Verbrechers" lässt sich nicht auf das biologische Substrat reduzieren, seine Verortung gehört ins Reich der Mythen. Während Alkohol- und Drogensucht als Erkrankungen des Gehirns verstanden werden, kommt der "Tatort-Gehirn", die Medikalisierung von kriminellem Verhalten nicht voran. Gehirn-Scan mittels MRT-Methode wurde auch vor Gericht in den USA wegen Unzuverlässigkeit zur Wahrheitsfindung nicht anerkannt.

Seit 50 Jahren steht die Hirnforschung ganz kurz vor dem großen Durchbruch. Nach der Überschreitung des "Gipfels der überzogenen Erwartungen" (etwa 2006) kommt hoffentlich nach dem Durchschreiten des "Tals der Enttäuschungen" das Einschwenken auf den "Pfad der Erkenntnis".
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