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Kundenrezension

VINE-PRODUKTTESTERam 25. April 2011
Weltliteratur in kurzen Sätzen und wenig Zeichen, neu zusammengefasst und sprachlich in der Höhe der Zeit, ob das wohl funktioniert? Das tut es - sogar erstaunlich gut. Neue Medien und neue Kommunikationswege erfordern neue Maßnahmen, und ein Umdenken in den verstaubten Wegen der Literatur. Wer schon immer über verschachtelte Sätze und unverständliche Aussagen in den sogenannten guten Büchern gestöhnt hat, der kann nun aufatmen, kurz, knapp und prägnant, in verständlichem Deutsch wird er über den Inhalt in Kenntnis gesetzt. Verschrobene Poesie ade, die beiden Autoren haben einen Weg gefunden, geachtete Weltliteratur der heutigen Jugend wieder nahe zu bringen. Und dabei kommt manchmal ein erstaunlicher Wortwitz zustande - versuchen Sie doch mal, ein tausend Seiten fassendes Werk aufs Wesentliche zu reduzieren, wobei man danach erst wirklich erkennt, was das Wesentliche überhaupt ist.

Was ist überhaupt Twittern? Mittlerweile sind die social Networks Seiten wie Facebook und natürlich Twitter in einem kräftigen Aufwind, Kurznachrichten werden in Sekundenschnelle über die Welt verteilt und Nutzer dieser Seiten sind oft hautnah und topaktuell am Geschehen der twitternden Person, sogar, wenn sie vor dem Altar stehen und im Begriff sind, zu heiraten. Selbst Prominente nutzen diese Form der Verbreitung von wichtigen oder belanglosen Mitteilungen, von denen sie meinen, sie könnten für andere von Interesse sein. Ein Tweet besteht aus maximal 140 Zeichen, natürlich kann ein Buch nicht in einem Tweet zusammengefasst werden, dazu sind dann doch noch mehrere nötig. Wie viele man dazu braucht, ist unterschiedlich, hängt davon ab, wieviel Wesentliches im Buch vorhanden ist.

Meistens vermacht ein Mann sein Haus Frau und Kindern. Wenn er es an einen entfernten Verwandten vererbt, guckt die Familie in die Röhre.

Und jetzt stellt euch mal vor, dieser aufdringliche Kerl, ein Geistlicher, versucht auch noch, eine eurer Schwestern zu verführen.

Wer will schon meine Schwestern heiraten? Die haben ja doch nur Offiziere im Kopf. In was für einem Krieg kämpfen die hier überhaupt?

Aber meine ältere Schwester Jane ist nett. Geht ja gar nicht anders. Jane ist so ein schöner Name. Eine Jane muss man einfach mögen.

Es ist sterbenslangweilig hier auf dem Land. Bälle, hysterische Familienmitglieder, endlose Nachmittage ohne große Beschäftigung.

Oh Shit, hier ist ein junger Gentleman aufgetaucht. Volltreffer! (Seite 140)

Na, erkannt? Das war der Anfang von Stolz und Vorurteil, getwittert in höchstens 140 Zeichen pro Tweet. Geht man mit der richtigen Einstellung an die Sachen heran, hat man bestimmt seine Freude an den witzigen Neuschöpfungen. Denn diese Tweets ersetzen in keinster Weise das Buch, denn in dieser Kürze wird ja vieles ausgelassen. Wer ein Gespür für die Weltliteratur bekommen möchte, wird schon selber die Bücher lesen müssen. Das Gefühl der Prosa und die antiquierte Sprache längst verstorbener Dichter gibt diese Form nicht wieder, sie vermittelt keine Poesie oder tiefgründige Abhandlungen. Im Gegenteil, oft ist die Sprache viel zu neu, sie ist derb und obszön, als ob man gewollt nur die Jugendlichen ansprechen möchte. Das wird ältere Leser mit Sicherheit abschrecken, hier hätte man doch mehr den Lektoratsfinger ansetzen sollen. Eine Verrohung unserer Sprache ist auch nicht zeitgemäß, ein Mittelding, mit dem sich alle anfreunden können, wäre erquicklicher gewesen. Sollten noch mehr Menschen von Twitter überzeugt werden, dann bestimmt nicht mit diesem Sprachgebrauch, der bestärkt eher nur die schon herrschenden Vorurteile. Auch die arg kleine Schrift trägt nicht zum Wohlbefinden bei, Adleraugenleser sind bestimmt in der Minderzahl. Es steht sehr viel drin in dem doch recht kleinen Büchlein, bei dem Preis wäre eine größere Ausstattung wünschenswert gewesen, die mit Sicherheit noch mehr Leser anspricht.

Fazit

Weltliteratur in 140 Zeichen? Ja bitte, mehr davon, nach dieser Lektüre überzeugt das Prinzip. In Kürze und in neuer Sprache werden prägnante Geschehnisse eines Romans, einer Tragödie oder eines Schauspiels wiedergegeben, oft mit völlig neuen Erkenntnissen und witzigen Einfällen. Ein Ersatz für das eigentliche Werk ist es allerdings nicht, manchmal ist man nach der Zusammenfassung auch nicht viel schlauer, dafür wird zuviel ausgelassen. Wer aber mit der nötigen Ironie an die Sache herantritt, wird mit Sicherheit viel Freude an den gesammelten Werken haben und für sich selbst auch so manche Weisheit herauspicken können.
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