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Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen #9 Dream - 2005 Remix, 21. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Walls & Bridges (Audio CD)
Ende '73 trennten sich John und Yoko, und in der Folgezeit machte John Lennon während seines "lost weekend" mit einigen Negativ-Schlagzeilen (Trunkenheit, Pöbeleien und Erregung öffentlicher Ärgernisse etc.) von sich reden, was er rückblickend auf seine Unfähigkeit, ohne Yoko zu (über)leben, zurückführte. Die Grundthemen, die das Album (erschienen 1974) durchziehen, sind denn auch Ängste, Verwirrung, Einsamkeit und innere Zerrissenheit; es als "die Arbeit eines kranken Handwerkers" (Lennon) zu bezeichnen, halte ich dennoch für restlos überzogen.

Die Kompositionen weisen einige überraschende Akkordwendungen und Arrangementideen auf und können durchweg überzeugen; selbst die beiden Songs, die man am ehesten als "Füller" bezeichnen könnte, das rockige What you got und das Instrumental Beef Jerkey, zeugen vom hohen Können der Musiker, die teilweise schon auf "Mind Games" mitgespielt hatten. Die bekanntesten waren alte Bekannte wie Jesse Ed Davis (g), Jim Keltner (dr), Nicky Hopkins (p), Klaus Voormann (b) und Bobby Keys (sax).

Neben Zitaten aus alten Bluessongs lockert Lennon das Album immer wieder mit augenzwinkernden Verweisen auf Älteres auf. Mit der Zeile "somebody please please help me" (aus Going down on Love) spielt er auf Help! an, sein "sweet sweet sweet sweet love" in der Ausblende von Surprise Surprise ist exakt so phrasiert wie das "beep beep m beep beep yeah" am Ende von Drive my Car, eine Gitarrenfigur in Beef Jerkey parodiert das Riff von McCartneys Let me roll it (das viele wiederum als dessen Versuch verstanden, Lennons Stil zu verwenden), und die letzte Zeile in Scared, "like a rollin' stone", kann als kleiner Gruß Richtung Dylan und Stones gelten. Mit Steel and Glass schrieb Lennon einen weiteren gehässigen Song, bei dem man sich fragen kann, wer gemeint ist (Lennon bestritt, dass es sich um Allen Klein handelte, und wich recht unglaubwürdig aus, im Endeffekt meine er doch wieder nur sich selbst); hier greift das Sax das Riff des ähnlich gelagerten Songs How do you sleep? auf, das direkt gegen Paul McCartney gerichtet war.

Einige Zeit zuvor hatte Lennon Harry Nilssons Album "Pussycats" produziert, und auf ihrer Gemeinschaftskomposition Old Dirt Road sang Nilsson natürlich mit. Inspiriert von dem Streicherarrangement, das Lennon für Nilssons Version von Many Rivers to cross geschrieben hatte, entstand #9 Dream, und auch wenn Lennon behauptete, es sei eher ein Arbeitssong gewesen, ist er für mich Lennons überzeugendster auf dem Album und überhaupt, was nicht zuletzt daran lag, dass die Traumatmosphäre so treffend umgesetzt wird. Zwar handelten laut Lennon Songs wie What you got und Bless you von Yoko, Surprise Surprise jedoch von seiner Geliebten May Pang, die auch in #9 Dream das geflüsterte "John, John" beisteuerte (in bester Beatles-Manier beim zweiten Mal natürlich rückwärts aufgenommen!).

Nobody loves you (When you're down and out) mag Gefahr laufen, in Selbstmitleid zu versinken, was aber vom aggressiven Mittelteil etwas neutralisiert wird; und immerhin schreibt Lennon auch hier von realen Erfahrungen im Showbiz (der Bläser-Lauf bei der Nennung dieses Wortes im Text verleiht dem Song einen Schuss Ironie).

Der prominenteste Gaststar auf dem Album war natürlich Elton John, der auf Surprise Surprise mitsang und vor allem auf Whatever gets you thru the Night mitsang und -spielte. Vielleicht lag es daran, dass dies seit langem Lennons unbeschwertester in einer Reihe doch recht gewichtiger Songs war, der die Single Platz 1 in den Staaten erreichen ließ.

Unter den drei Bonustracks ist die Liveversion dieses Hits von dem Konzert am 28.11.'74 im Madison Square Garden, zu dem Lennon sich Elton John gegenüber verpflichtet hatte, falls der Song - wider sein Erwarten - auf Platz 1 landen sollte. Schade, dass nur dieser eine und nicht auch die beiden anderen, Lucy in the Sky with Diamonds und I saw her standing there, dazugepackt wurden, zumal es sich um Lennons letzten Liveauftritt überhaupt handelte. Laut Booklet wurde hierfür ein Mix von 1981 verwendet, der wie ein besseres Bootleg klingt, was umso erstaunlicher ist, als alle drei Songs in superber Qualität auf Elton John Doppel-CD "Here and there" (1995) enthalten sind (auch wenn Lennon hie und da etwas leiser gemischt wurde als Elton).

Von Nobody loves you hören wir den akustischen und intimen Solo-Take 9; den Abschluss bildet ein knapp vierminütiges Radiointerview, in dem Lennon für das Album wirbt und sich zu seinen Schwierigkeiten äußert, seine "Green Card" zu bekommen (was ihm später gelang).

Old Dirt Road, Bless you, Scared und Nobody loves you (When you're down and out) wurden "nur" remastered; der vorsichtige Remix von 2005 hat den übrigen Songs gut getan, da sie nun etwas nuancierter klingen, ohne ihren Charakter zu verändern. Zur besseren Unterscheidung erhielt diese Neuauflage ein anderes Cover; das Originalcover mit Lennons Zeichnung von 1952 findet sich nun im Booklet. Der Druck der CD greift das Motiv der Single Woman is the Nigger of the World auf.

"Walls and Bridges" enthält mit #9 Dream meinen Lieblingssong von John Lennon, und es bleibt - vor "Imagine"! - mein absolutes Lennon-Lieblingsalbum.
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Rezensentin / Rezensent

Toby Tambourine
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   

Ort: Gießen

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