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Kundenrezension

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "[D]ie Dinge sind genau das, was sie scheinen - und hinter ihnen...ist nichts" (153)., 13. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Ekel (Taschenbuch)
"Die Menschen. Man muss die Menschen lieben. Die Menschen sind bewundernswert. Ich möchte kotzen - und mit einem Schlag ist er da: der Ekel" (193).

Jean-Paul Sartres Roman "Der Ekel", erschienen erstmals 1938, gilt als das Gründungsdokument des Existentialismus. Sämtliche Grundannahmen dieser Philosophie, die Sartre fünf Jahre später in seinem Hauptwerk Das Sein und das Nichts: Versuch einer phänomenologischen Ontologie. (Gesammelte Werke in Einzelausgaben / Philosophische Schriften, 3) systematisch ausformulieren sollte, sind hier bereits angelegt. Der dreißigjährige Einzelgänger Antoine Roquentin lebt ein Leben der absoluten Nähevermeidung und schreibt dabei ein Buch über einen gewissen Monsieur de Rollebon. Doch sein Leben ändert sich, als er feststellt, dass er nicht mehr nur mit Gleichgültig auf die ihn umgebenden Dinge reagieren kann: "Das war eine Art süßliche Übelkeit. Wie unangenehm das doch war! Und das ging von dem Kiesel aus, ich bin sicher, das ging von dem Kiesel in meine Hände über. Ja, das ist es, genau das ist es: eine Art Ekel in den Händen" (23).

Woher mag er nur kommen, dieser Ekel vor allen Dingen, fragt sich Roquentin? Während er weiterhin genauestens seine Umwelt beobachtet und mit einer Mischung aus Verwunderung und Verachtung seine Mitmenschen analysiert, überkommt ihn auf einmal die Wahrheit über das Wesen seiner, aller, menschlichen Existenz: "[I]ch hatte kein Recht zu existieren. Ich war zufällig erschienen, ich existierte wie ein Stein, eine Pflanze, eine Milbe" (135). Der Mensch IST, im Sinne von existiert. Das ist alles. Hinter dem Wahrnehmbaren aller Existenz verbirgt sich nichts (siehe Überschrift). Hier kommt deutlich der Gedanke zum Ausdruck, dass das menschliche Dasein sinnlos ist in dem Sinne, dass es keine Transzendenz (Götter, zum Beispiel) gibt, die unsere Existenz rechtfertigen oder ihr einen Sinn geben: "Alles ist grundlos, dieser Park, diese Stadt und ich selbst. Wenn es geschieht, daß man sich dessen bewußt wird, dreht es einem den Magen um und alles beginnt zu schwimmen, [...] das ist der Ekel" (207). In "Das Sein und das Nichts" verdeutlicht Sartre die Bedeutung des Ekels als eine grundlegende Konstitution des Menschen und eben nicht als eine Reaktion auf eine bestimmte als unangenehm empfundene Situation: "Dieser Begriff Ekel ist keineswegs als eine aus unserm physiologischen Widerwillen genommene Metapher zu verstehen, sondern umgekehrt, aller konkrete und empirische Ekel (vor faulem Fleisch, frischem Blut, Exkrementen usw.), der unser Erbrechen herbeiführt, entsteht vielmehr erst auf seiner Grundlage" (Sartre, Das Sein und das Nichts, München 2007, S. 597f.).

Der Ekel ist also nichts anderes als die Erkenntnis der Sinnlosigkeit aller Existenz. Um seine Existenz zu rechtfertigen ist der Mensch ganz auf sich selbst zurückgeworfen. In "Das Sein und das Nichts" formulierte Sartre diesen Gedanken folgendermaßen: "[W]ir sind zur Freiheit verurteilt" (ebd., S. 838). Diese ultimative Freiheit besteht darin, dass jeder Mensch seine Existenz, seine Werte, seine Lebensmaximen ständig allein aus sich heraus begründen und rechtfertigen muss. So lautet auch Roquentins Schlussfolgerung: "[N]ie kann ein Existierender die Existenz eines anderen Existierenden rechtfertigen" (278). Das kann eben nur jeder für sich.

Fazit: Siebzig Jahre alt und aktueller denn je. In einem Zeitalter, wo mehr und mehr Menschen sich vor ihrer Freiheit drücken und ihre Daseinsberechtigung an weltliche oder religiöse Ideologien koppeln, kann man sich eigentlich nur wünschen, dass wieder mehr Menschen ihre Existenz als zur Freiheit verurteilte Wesen begreifen und akzeptieren, anstatt sich in die Nestwärme ideologischer Welterklärungsmodelle zu fliehen.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.05.2008 17:39:06 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.05.2008 09:05:26 GMT+02:00
kpoac meint:
Hallo Herr Dienstbier,

zu Ihrer Überschrift (Sartre Zitat in Umkehrung von Nietzsche übrigens) gibt es dieses: "Ein Gegenstand lässt vermuten, dass es andere hinter ihm gibt." (René Magritte: Die Wörter und die Bilder)
"Ich glaube an die künftige Auflösung dieser scheinbar so gegensätzlichen Zustände von Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluter Realität, wenn man so sagen kann: Surrealität. Nach ihrer Eroberung strebe ich, sicher, sie nicht zu erreichen, zu unbekümmert jedoch um meinen Tod, um nicht zumindest die Freuden eines solchen Besitzes abzuwägen." (Andre Breton)
Mit dieser Vorbedingung hat sich der Gedanke der reinen Existenz entwickelt, Sartre und Camus haben wenn man so will, sich zurückgeworfen auf das Selbst und ihre Existenz. Die Frage der Freiheit ist auch bei Sartre zu unterscheiden in Freiheit von und Freiheit zu. Geht man an den existentiellen Begriff der Freiheit, hat man auch die Wahl einer Ideologie, man kann aus der Folge dieser Freiheit und einer Wahl nicht den Vorwurf einer falschen Wahl ableiten. Wäre es so, wäre die Wahl aus Freiheit abhängig und damit die Freiheit nicht mehr eine, sich frei zu entscheiden. Sie haben es vielleicht gelesen oder zumindest die Rez: "Das Handwerk der Freiheit" von Bieri lotet die Möglichkeiten bestens aus, auch aus der logischen Sicht von bedingt und unbedingt.

Ihr Fazit muss unterscheiden. Was heisst: sich drücken vor der Freiheit, wenn Freiheit auch das Nichts beinhaltet. Wenn Freiheit freie Entscheidung impliziert, kann bewusstes Koppeln auch frei entschieden sein.

Sartre kreist ja auch ein wenig. Wenn er die Existenz als das ansieht, auf was der Mensch zurückgeworfen wird, und sie vergleicht mit der Existenz eines Steines, dann bleibt die Sinnlosigkeit als Erkenntnis und damit Ekel. Wenn Ekel ein Übel ist, sagt Sartre damit indirekt, man möge dem Leben Sinn geben. Aus sich selbst heraus den Sinn, der die individuelle Existenz aufwertet und den Ekel vermeidet.

Zurückgeworfen auf sich sein in seiner Existenz, lässt den anderen nur als Hölle zu. M.E. spielt und spiegelt Sarte hier einiges, lesen Sie mal den Abschnitt zum Bildnis in das Sein und das Nichts. Da wo Selbstbetrachtung im Auge des anderen ist, weil man sich sieht aus der Perspektive des Gegenüber (sinngemäß)

Dennoch finde ich die Auseinandersetzung mit dem Existentialismus richtig (hB), man muss jedoch nicht in die Verurteilung anderer Sicht- und Lebensweisen fallen.
Gruss

Veröffentlicht am 15.05.2008 18:08:56 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 27.05.2008 23:28:57 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.05.2008 14:43:29 GMT+02:00
Sie haben recht, dass ein zur Freiheit verurteilter Mensch sich für alles entscheiden kann und somit auch für Ideologien, die ihn gerade in seiner Unfreiheit festsetzen. Das hätte ich in der Rezension klarer herausstellen müssen. Aber ist es nicht so, dass ein wichtiger Teil der existentiellen Philosophie eben in der Erkenntnis der eigenen Freiheit, also Unabhängigkeit von allen religiöse oder säkular begründeten Wertekonstrukten, liegt? Mir kommt es so vor, als ob der Kerngedanke des Existentialismus darin liegt, zu erkennen, dass wir alle in seiner an sich sinnlosen Welt leben und dazu verdammt sind, zu versuchen, uns einen eigenen Sinn zu konstruieren. Und gerade darin liegt doch die Möglichkeit eines existentiellen Moral, wenn ein Mensch erkennt, dass alle seine Mitmenschen in der selben existentiellen Notsituation gefangen sind, wie man selbst. Ich weiß nicht, ob Sartre das irgendwo ausformuliert hat. In "Das Sein und das Nichts" befassr er sich ja nur sehr, sehr kurz mit Fragen der Moral. Bei Camus und seiner Darlegung des Absurden, kommt diese Gedanke aber schon besser zum Vorschein, meiner Ansicht nach.

MfG

M. Dienstbier

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.05.2008 15:58:59 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.05.2008 16:15:40 GMT+02:00
kpoac meint:
Ja, der Mensch ist auf sich zurück!geworfen, Freiheit und Handeln gehören zusammen etc, denr Kerngedanken sehe ich auch so, der eigene Sinn, das permanente Sich-Selbst-Schaffen ist gemeint, Sartre, da er Gott nicht anerkennt (zumindest in SN) kennt damit kein Sein im Sinne Platons. Damit ist immer nur Werden (an sich und für sich) ...... --> Geschlossene Gesellschaft, Reflexion im Anderen, Individuum und Gesellschaft, Wahrheit und Existenz.
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