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Kundenrezension

TOP 1000 REZENSENTam 10. Dezember 2012
Und dieses (in der Überschrift letztgenannte) Wort ist durchwegs ernst zu nehmen. Denn: Blind Willie Johnsons DARK WAS THE NIGHT ist einer von denjenigen (auserlesenen) Tracks, die 1977 mit der Raumsonde "Voyager" ins All geschossen wurden, verewigt auf einer goldüberzogenen Kupferplatte, die zur Begrüßung möglicher außerirdischer Lebensformen gedacht war/ist. Kein Scherz!
Und immerhin sind da neben Johnson keine geringeren Kaliber als u.a. Mozart, Bach oder auch Chuck Berry berücksichtigt worden...

Die Ironie an dem Ganzen: Johnson selbst hatte seine Musik zu Lebzeiten weder wirklich berühmt noch reich gemacht. Eine Tatsache allerdings, die er mit vielen posthum entdeckten Genies teilen muss.
Völlig verarmt starb der von Geburt an blinde Blues-Musiker an den Folgen einer Malariaerkrankung in seinem bescheidenen Heim. Angeblich war kein Krankenhaus bereit, ihn aufzunehmen und zu behandeln!!
Widersprüchlich ranken sich zahllosen Legenden und Mythen um den blinden Bluesman. Eine besagt z.B., Johnson wäre erst in seinem 7. Lebensjahr erblindet, nachdem ihm seine erzürnte Stiefmutter Lauge ins Gesicht geschüttet hätte. Ebenso ist sein Geburtsjahr umstritten, das teils mit 1897, teils mit 1902 beziffert wird. Auch über den Ort seiner Geburt ist man sich scheinbar uneinig. (Mit Sterbedatum und Todesursache sieht's ähnlich aus.)
Fest steht aber, dass er immerhin aus Texas zu stammen scheint und Zeitlebens in engem Kontakt mit der Kirche und Gospelmusik stand. Dies scheint auch glaubwürdig, da sich sämtliche Blues-Aufnahmen ebenfalls stark an der Bibel anlehnen und (wenigstens entfernt) an eine Mischung von Gospelelementen mit Bluesmusik erinnern.

Das Besondere an Mr. Johnson und dessen Musik ist aber mit Sicherheit die brachiale Urgewalt seiner vibrierenden Stimme. Selbst auf den hiesigen Aufnahmen, die immerhin schon gut 80 Jahre (!) zurückliegen, kann man die Kraft und den Willen, eine Botschaft vermitteln zu wollen, spüren. Die Gitarre wird mit einem Metallmesser oder einer Zange (am Hals freilich) bearbeitet, die Rhythmen zirkeln in Endlosschleifen dahin und unterlegt (oder eher ÜBERlegt) ist das Ganze dann noch mit einer der faszinierendsten Stimmen des vergangenen Jahrhunderts! Hier und da wird Johnson von seiner damaligen Ehefrau unterstützt, die "geschmeidig" eine Art Backgroundgesang dazugibt, der sich wunderbar mit Johnsons "vibrierender" (liegt teils vielleicht auch an den Aufnahmen - mag sein) Membran ergänzt.

Eins freilich ist klar: Man hat es bei vorliegendem Werk mit wirklich alter Bluesmusk zu tun. Demenstsprechend sollte dann auch die Erwartungshaltung bezüglich Klangqualität und Soundfeinabstimmung etc. sein. Nichtsdestotrotz kann dieses Songsammelsurium garantiert auch heute noch Erstaunen und Begeisterung hervorrufen, vorausgesetzt, man bringt genügen Interesse und guten Willen entgegen.
Meine erste Begegnung mit Blind Willie Johnson habe ich im Zuge der "The Blues" - Filmreihe (M. Scorsese) gehabt. Da war u.a. ein Film von Wim Wenders namens "The Soul Of A Man" dabei, der mich auf Anhieb begeistert und gefesselt hat. Zwar habe ich das Ganze dann wieder etwas abgetan und mich meinen obligatorischen Hörgewohnheiten hingegeben, dennoch blieb mir Johnsons Lebenswerk immer irgendwie im Hinterkopf haften.
Nun, Jahre später, google ich mich durch Wikipedia-Einträge und recherchiere in Sachen Blues und stoße abermals auf einen (leistbaren) Tonträger mit dem Titel "Blind Willie Johnson - King Of The Guitar Evangelists". Zum aktuellen Kaufpreis von rund 8 Euro eine ziemlich ungefährliche Investition...
Und dann kommt die Scheibe (per Post) angeflogen, ich lege sie auf und - schwebe dahin in gefühlvoll und gleichermaßen urgewaltigen Blues-Songs, die für mich persönlich bislang die besten ihrer Art darstellen.
Einen (bescheidenen) Vergleich kann ich wenigstens zu einem Robert Johnson (der ebenfalls als Bluesveteran gilt und auch die Beachtung des Rolling Stone Magazine gefunden hat, wohl weil er von Keith R. und Eric Clapton des Öfteren positiv erwähnt wurde) anstellen, dessen Aufnahmen freilich anderer Natur sind und deshalb womöglich auch nicht unbedingt für eine objektive Abwägung zulässig. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle festhalten, dass mir der Zugang zu Blind Willie J. erheblich leichter gefallen ist als jener zu Robert J. (den ich aber trotzdem mag).

Fazit: Diese Scheibe beinhaltet 22 Tracks Musikgeschichte, die jeden - der sich für gute, handgemachte Musik und/oder Blues und dessen Wurzeln ein wenig interessiert - mühelos begeistern können.
Zudem ist diese CD sehr preiswert und gut "gegliedert". Das mein ich so: PART I - WITH HIS WIFE (11 Tracks) sind jene Aufnahmen, die Johnson chronologisch gemeinsam mit seiner Gattin aufgenommen hat.
PART II - ALONE WITH GOD (wiederum 11 Tracks) sind dann quasi parallel dazu die Soloaufnahmen, die in etwa aus dem gleichen Zeitraum stammen (1927-1930).
Bei Track 11 (übrigens meinem Favoriten, nämlich "The Soul Of A Man") hat man sich sogar die Mühe gemacht, das Geräusch eines Plattenspielers einzupegeln, was das Umdrehen der Schellack- oder Vinylscheibe imitieren soll - witzige und authentische Idee, noch dazu, wo ja so ein bewusster Bruch zwischen PART I und PART II offenkundig eingeleitet wird...

Kurz: Mit dieser Veröffentlichung kann man als Musikliebhaber keinen Fehler begehen. Eine liebe- und sinnvolle Zusammenstellung eines Ausnahmekünstlers. Ein Mann, der vielleicht das, was er aufgrund seiner Erblindung nicht sehen konnte, mit seiner außergewöhnlichen Stimme doppelt nahegehend an seine Mitmenschen weitergab - und weitergibt!
Ein bibelfester Blues-Wanderprediger mit Gespür und Herz und einer Unmenge Talent für Songinterpretation. Eigentlich kein Wunder, dass man Johnsons "Dark Was The Night" anno 1977 als Grußbotschaft per Raumsonde an außerirdische Lebensformen losschickte. Jede intelligente Lebensform wird an diesem Beispiel sofort erkennen, dass hier unaussprechlich viel Gefühl in verhältnismäßig komprimierter Form dargeboten wird...

Thanks Blind Willie Johnosn - R.I.P.

Danke abschließend auch an die Macher dieser Bluesserie ("sagablues"). Hier steckt gewiss viel Mühe, Liebe und Leidenschaft drinnen - die auch beim Konsumenten - fast ungefiltert - so rüberkommt. Bravo!!

Interessierten rate ich, sich demnächst auch die großartige Filmreihe "The Blues" baldestmöglich mal zu Gemüte zu führen!

MUSIKGESCHICHTE pur - 5 Sterne.
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