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Kundenrezension

am 11. Januar 2014
Optisch fallen spontan zwei Dinge an diesem Buch auf: die Aufmachung ist sehr ansprechend, es wurde ein passendes Cover gewählt, und das ordentliche Papier und die Schriftart machen das Lesen angenehm.
Allerdings wird der gute erste Eindruck auch sofort etwas geschmälert durch eine Nachlässigkeit, die dem Herausgeber hätte auffallen müssen, wenn er den Serientitel "Masters of Science Fiction" ernst nähme: auf dem hinteren Umschlag wird Sheckleys Geburtsjahr mit 1931 angegeben, auf Seite 1 mit 1928 (was korrekt ist).
Der Band enthält 17 klassische SF-Stories von Sheckley, es gibt aber weder weitere Infos über Leben und Werk von Sheckley noch findet man Nachweise zu den Erstveröffentlichungen der Stories. Letzteres hätte ich bei einem Taschenbuch, das 17 $ kostet, mindestens erwartet. Ich habe das jeweilige Veröffentlichungsjahr recherchiert
([...]) und dabei festgestellt, dass alles Stories aus dem Zeitraum 1952-1954 stammen (das Gros aus 1953). Es handelt sich also um keinen "Best of" Band, sondern um eine Sammlung einiger der frühesten Sheckley-Stories, die qualitativ sicherlich nicht den Höhepunkt seines Schaffens darstellen. Insgesamt hat Sheckley im Laufe der Jahrzehnte übrigens über 250 Stories geschrieben! Ich habe es nicht nachgeprüft, könnte mir aber vorstellen, dass die Rechte an diesen frühen Stories inzwischen günstig zu haben waren und deswegen kein Querschnitt durch Sheckleys schaffen geboten wurde.

Zum Inhalt:
SEVENTH VICTIM (1953) eröffnet den Reigen, und diese Erzählung ist allemal lesenswert. Kurz und böse ist sie die Essenz, die Sheckley ein Jahrzehnt später dann mit dem Roman zum Film "Das 10. Opfer" verwässert hat.
Es folgen DIPLOMATIC IMMUNITY (1953) und ONE MAN'S POISON (1953), die beide typisch für die frühen Mainstream-SF-Erzählungen sind und heute nicht mehr wirklich punkten können. DIPLOMATIC IMMUNITY wirkt eher wie der Auftakt zu einem Roman als wie eine Story, und ONE MAN'S POISON basiert auf einer eher schwachen Idee, die nicht sehr überzeugend ausgearbeitet wurde. Die Titelstory THE PERFECT WOMAN (1953/54) ist sehr kurz und könnte ein Vorläufer der "Stepford Wives" sein. Niemand in einer Beziehung sollte zugeben, dass er die Story lustig findet - es sei denn, er wollte sich sowieso gerade trennen.
COST OF LIVING (1952) schildert die Zukunft als Leben im ungebremsten Konsumrausch, in dem die Eltern Schulden aufnehmen, für die noch die Enkel bezahlen müssen. In gewisser Weise aktueller denn je, und trotz des lakonischen Stils wuchtig. WHAT A MAN BELIEVES (1953) erforscht im Stile der Twilight Zone-Stories kammerspielartig, was uns nach dem Tode erwartet. WHAT GOES UP (1953) ist eine eher langatmige und langweilige Story über einen Glücksritter, der auf einer Welt mit sonderbaren statistischen Eigenarten ein Vermögen am Börsenmarkt machen will. WARRIOR RACE (1952) ist eine kurze skurrile Geschichteüber die Bandbreite von Sitten und Gebräuchen im Universum. WRITING CLASS (1952) ist - ja, was? Keine Story, und auch keine Anleitung, wie man SF schreibt. Dieser Text ist definitiv überflüssig und zum Glück nur 4 Seiten lang. Es folgt FINAL EXAMINATION (1952), eine etwas längere und klassische SF-Story, bei der (endlich) deutlich mehr Zug im Kamin ist als bei den vorausgegangenen Stories. Die Ausgangssituation, dass in kürzester Zeit die Sterne der Milchstraße am Firmament verschwinden, ist natürlich nicht haltbar, schließlich braucht das Licht ja sehr unterschiedliche viele Lichtjahre bis zur Erde und entsprechend müsste dieser Prozess also über Jahre und nicht über Tage gehen, aber man versteht ja, was gemeint ist, und die Idee eines Jüngstens Gerichts wird schon greifbar. Dabei erzählt Sheckley endlich einmal witzig und aus der Ich-Perspektive, was der Story gut tut. Die Frage ist: was tut man, wenn das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht (Ray Bradbury hat hierzu eine wunderbare Story geschrieben), und schlimmer noch, was, wenn sich das erwartete Ende dann um 10 Jahre verschiebt? Eine sehr zynische Geschichte, die Kapitalismuskritik und die Angst vor einem neuen Weltkrieg verbindet. Auch wenn der Erzählrhythmus sehr ungleichmäßig ist, auf alle Fälle eines der Glanzstücke der Sammlung.
Nach SEVENTH VICTIM und COST OF LIVING wird mit FINAL EXAMINATION spätestens klar, dass Sheckley bei allem Witz und aller Ironie auch ein Gesellschaftskritiker war, der mit den Zeitströmungen der 50er Jahre (Ende des Krieges, erblühende Wirtschaft) nicht immer konform ging.
SPECIALIST (1953) ist eine ausgefallene Story, in der ein Mensch auf Außerirdische trifft, die wirklich fremdartig sind, und Teil ihrer Crew wird. Selten war das Fremde fremder (Stanley G. Weinbaum hatte ein ähnlich gutes Händchen dafür), leider zieht sich die Story etwas in die Länge. Auch in dieser Story stellt Sheckley die Frage, was es braucht, damit der Mensch auf Kriege verzichten kann - auch wenn die Antwort nicht ganz ernst gemeint ist.
BESIDE STILL WATERS (1953) ist die kurze und melancholische Robinson Crusoe-artige Geschichte eines Einsiedlers, der seinen Lebensabend alleine mit einem Roboter auf einem winzigen Asteroiden verbringt. Ein wenig hat sie mich mit ihrer Melancholie an Bradbury erinnert.
RESTRICTED AREA (1953) ist eine der etwas längeren Stories, leider aber doch etwas substanzlos und nicht wirklich witzig.

Auf die übrigen Stories will ich nicht näher eingehen, sie passen inhaltlich zu den vorgenannten.

Fazit: Dieser Band ist für Liebhaber klassischer SF-Stories ein Leckerbissen, allerdings hätte sich der Herausgeber des Bandes deutlich mehr ins Zeug legen können. 4 Sterne für die Stories, 2 für die Edition.
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