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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENTam 18. Januar 2012
Eines vorneweg, die dem Film "The Help" zugrunde liegende Romanvorlage "Gute Geister" von Kathryn Stockett habe ich (bislang) nicht gelesen, so daß mir Vergleiche hiermit und Aussagen zur Werktreue der Verfilmung nicht möglich sind.

"Klotzen, nicht kleckern", das scheint sich Regiedebütant Tate Taylor gedacht zu haben und hat sich für seinen ersten Film nicht nur gleich einen aktuellen Bestseller vorgenommen, sondern mit Shootingstar Emma Stone, Jessica Chastain, Bryce Dallas Howard, Mary Steenburgen, Sissy Spacek und vielen mehr auch gleich eine Besetzung engagiert, die wohl so manchen seiner renommierteren Kollegen neidisch machen könnte.
Auch an der ebenso aufwendigen wie liebevollen und detailreichen Ausstattung des in den frühen 60er Jahren spielenden Filmes wurde nicht gespart und so fühlt man sich bereits von den ersten Bildern an in die damaligen US-Südstaaten, genauer gesagt nach Mississippi versetzt.

Als die junge Skeeter (Emma Stone) nach ihrem Studium in ihre Heimatstadt Jackson zurückkehrt, findet sie eine Gesellschaft in Umbruchstimmung vor.
Obwohl die Bürgerrechtsbewegungen um Martin Luther King landesweit für Schlagzeilen sorgen, hält man im konservativen Süden verbissen an den alten Traditionen fest:
Während sich die Damen der Gesellschaft, darunter Skeeters ehemalige Schulfreundinnen, ihre Zeit mit Nachmittagsgesellschaften, Mode, Klatsch und Tratsch und ein wenig Wohltätigkeitsarbeit vertreiben, werden die Haushalte und Kinder von schlecht bezahlten, uniformierten schwarzen Dienstmädchen versorgt.
Als Skeeters Jugendfreundin Hilly (wunderbar zickig: Bryce Dallas Howard) eine Initiative dahingehend ins Leben ruft, daß separate Toiletten für farbige Angestellte Pflicht werden sollen, fasst Skeeter, die gerne Schriftstellerin werden möchte, den Entschluss, farbige Dienstmädchen zu interviewen und aus deren Sicht ein Buch über die Verhältnisse zu schreiben.
Nachdem Skeeter zunächst nur die warmherzige Aibileen und die vorlaute Minny (Viola Davis, Octavia Spencer) für ihr Projekt gewinnen kann, führt ein folgenschwerer Vorfall dazu, daß ihr schließlich immer mehr Frauen ihre teils tragischen, teils unglaublichen, aber teils auch überraschend heiteren Geschichten erzählen.
Das Buch verspricht ein Erfolg zu werden, aber mit ihrem Bemühen, den "Guten Geistern" der feinen Gesellschaft endlich eine Stimme zu geben, macht Skeeter sich in der Stadt und sogar in ihrer eigenen Familie nicht nur Freunde...

"The Help" ist, wie ihm so manche verbissenen Kritiker vorgeworfen haben, trotz seiner ernsten Thematik in erster Linie ein "Wohlfühlfilm", ein bonbonbuntes Sozialmärchen und kein tiefschürfendes Drama.
Und wenn schon!
Mit großer Warmherzigkeit, manchmal entwaffnend unverblümter Sentimentalität (wenn Skeeter ihr ehemaliges Kindermädchen sucht, bleibt wirklich kein Auge trocken), aber trotzdem auch überraschender Heiterkeit und vor allem Vielschichtigkeit wird das Thema hier gleich aus mehreren Blickwinkeln betrachtet.
So sind die Geschichten von Skeeters "Mitarbeiterinnen" manchmal tragisch, manchmal aber auch auf äußerst positive Weise berührend, wie zum Beispiel bei der Hausangestellten, für die ihr Arbeitgeber eigens ein Stück Land seinem Nachbarn, der Farbigen das Betreten seines Grundstückes verboten hatte, abgekauft hatte, damit sie auf dem Weg zur Arbeit und auf dem Heimweg eine Abkürzung benutzen konnte - auch so etwas gab es mit Sicherheit und sollte neben tragischen Momenten nicht außer Acht gelassen werden.
Auch der "Gruppenzwang" innerhalb der weißen Oberschicht, der zum Beispiel Skeeters Mutter dazu brachte, entgegen ihrer eigentlichen Überzeugung zuzulassen, daß Skeeters ehemaliges Kindermädchen den Haushalt verließ, wird thematisiert, ohne ihn als Entschuldigung zu missbrauchen.
Auch der (zum Teil recht deftige) Humor kommt nicht zu kurz, und wenn Minny Hilly einen Schokoladenpie der ganz besonderen Art serviert, sind Erinnerungen an das legendäre Barbecue aus "Grüne Tomaten" ("das Geheimnis liegt in der Sauce...") vorprogrammiert.
Vor allem aber entwirft und zeigt Taylor in "The Help" ein absolut stimmiges Zeit- und Gesellschaftspanorama der Südstaaten in den 60er Jahren, welches Missstände zwar deutlich aufzeigt, aber auch und in erster Linie ein rundum gelungenes Plädoyer für Zivilcourage und Mitmenschlichkeit ist.
Besonders berührt hat mich der Handlungsstrang, in dem die resolute Minny mit ihrer neuen Arbeitgeberin Celia (Jessica Chastain), die aus ganz bestimmten Gründen ebenfalls nicht von der feinen Gesellschaft Jacksons akzeptiert wird, ganz allmählich und entgegen aller gesellschaftlichen Konventionen Freundschaft schließt.
Ein besonderes Lob gebührt auch der Ausstattung (die genau wie Jessica Chastain für ihre kleine, aber feine Nebenrolle eigentlich eine Oscarnominierung verdient hätte), hier stimmt einfach jedes Petticoatkleid, jede Brille, jeder pastellige Lippenstift und jedes Auto.
Die Tatsache, daß Männer in "The Help" größtenteils nur am Rande vorkommen und bis auf Celias Ehemann auch nicht besonders positiv dargestellt werden, mag mit dazu beitragen, daß böse Zungen den Film als "Frauenfilm" bezeichnen könnten.
Aber auch hier gilt: Und wenn schon!
Wenn alle "Frauenfilme" so stimmig, so warmherzig und vor allem so erstklassig besetzt, gespielt und ausgestattet daherkommen, dann oute ich mich gerne als gelegentliche "Frauenfilmguckerin".
Bemerkenswert auch, daß der Film mit deutlich über zwei Stunden Laufzeit keinerlei Längen oder Durchhänger hat - bei einem Regiedebut dieser Länge nahezu unglaublich.
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